Dass ich Meret Bissegger und ihre Rezepte toll finde, habe ich ja hier schon geschrieben. So war es klar, dass ihr Kochbuch zur Herbst- und Winterküche das erste war, das ich zur Hand nahm, als der Topinambur-Segen über mich hereinbrach. Als ich die Kombination, die sie vorschlug, sah, konnte ich mir absolut nicht vorstellen, wie das schmecken soll. Was wiederum einen Nachkochreflex auslöste. Und nun hab ich wieder ein geniales Rezept von ihr, das ich zur Nachahmung sehr empfehlen kann.
Muss ich noch schreiben, dass alles, was ich verwendet habe, bio war? Eh nicht, oder? ;) Wenn das nicht möglich ist, sollte man die Zitrusfrüchte auf jeden Fall schälen. Das ist zwar nur das halbe Vergnügen, aber was sich so auf den Zitrusfrüchten aus konventionellem Anbau an Abscheulichkeiten tummelt, sollte man auf keinen Fall essen.
Bei uns gab es dazu Zander von Peters Land - aus gut unterrichteter Quelle weiß ich, dass ich die letzten Zanderfilets ergattern konnte, die Familie Paffrath noch hatte, daher lohnt es sich nicht, derzeit dort nachzufragen, aber man kann sich ja schon für die nächste Saison voranmelden. ;)
Für 2 große Portionen:
400 g Topinambur, gewaschen und sehr gut gebürstet
300 g Fenchel, das Grün aufheben
2 Schalotten
2 Knoblauchzehen
1 Zweig Rosmarin
1 TL Thymian
1 TL Oregano
1 TL Koriander, fein gemörsert oder besser gemahlen
1 Prise Chilipulver
je 3 Zitronen- und Orangenscheiben mit Schale
250 ml Weißwein
2 EL Olivenöl
1 Prise Salz
1 Prise Pfeffer
Für den Fisch:
Salz
Pfeffer
2 EL Olivenöl
1 EL Butter
Topinambur und Fenchel in grobe Stücke schneiden, in einen großen Topf mit passendem Deckel legen. Schalotten und Knoblauch in feine Scheiben schneiden, dazugeben, ebenso Zitrusfrüchte, Olivenöl, Gewürze und Weißwein. Deckel drauf, bei großer Hitze zum Kochen bringen, dann bei mittlerer Hitze ca. 20 min. schmoren. Zwischendurch einmal gut durchschwenken. Wenn die Flüssigkeit fast ganz verkocht ist, sollte das Gemüse weich geschmort sein. Wenn nötig, noch Wein dazugeben.
Die Fischfilets trocken tupfen, auf der Fleischseite dezent salzen und pfeffern. Öl erhitzen, Butter darin aufschäumen lassen und die Hautseite knusprig braten. Das dauert nicht lang, ist aber von der Dicke der Fischfilets abhängig. Bei uns waren 3 min ausreichend. Dann dreht man den Fisch auf Bauchseite unten und zieht die Pfanne vom Feuer. Nach 2 weiteren Minuten ist das Filet dann wunderbar gar und die Haut immer noch knusprig. Wenn man den Fisch auf der Hautseite fertig garen lässt, wird sie lätschert.
Vor dem Servieren das Gemüse mit dem fein gehackten Fenchelgrün bestreuen.
Man isst das Gemüse warm, lauwarm oder kalt. Da wir Fisch dazu hatten, war es bei uns warm.
Fisch passt übrigens hervorragend zu diesem Gemüse!
Was es nach dem Essen zu sagen gibt: Es war außerordentlich gut! Wieder ein Grund, warum man doch ab und zu Topinambur essen muss. Und warum man Meret Bissegger mögen muss. Dass man dieses Gemüse auch kalt essen kann, kann ich mir sehr gut vorstellen, es ist halt für mich nicht die Jahreszeit, in der ich gern kalt esse, daher lieber mit Fisch dazu und warm. Aber sicher ist das Gemüse auch nur mit Brot sehr gut, dann ist das ein veganes Gericht.
Dienstag, 8. März 2016
Topinambur mit Fenchel à la gréque
Labels:
Fenchel
,
Orangen
,
Topinambur
,
Zitronen
Freitag, 4. März 2016
Somlauer Nockerl
Österreich war ja in grauer Vorzeit einmal Österreich-Ungarn. Böse Menschen meinen, wir haben unseren Größenwahnsinn seit damals nicht abgelegt und meinen, Österreich wäre immer noch wichtig in der Weltgeschichte. Darüber lässt sich trefflich streiten, aber ganz klar ist, wir haben den Ungarn die besten Rezepte abgeschaut und tun so, als wären es österreichische. Bei dem Somlauer Nockerl sind wir aber ausgeschieden, denn da sagt der Name schon, dass da etwas mit dem österreichischen Ursprung nicht stimmen kann: Der Somló ist nämlich ein Berg in Ungarn, ein erloschener Vulkan, ein ganzes Naturschutzgebiet drum herum ist danach benannt.
Diese Nockerl sind übrigens ein perfektes Mitbringsel, wenn man zu einer Party eingeladen ist und viele Leute mit Süßem versorgen soll. Man kann nicht nur, sondern muss die Nockerl einen Tag vorher machen, damit alles gut durchziehen kann. In einer Form ist alles leicht zu transportieren und man kann viele Leute damit satt machen, denn die Nockerl sind üppig. Einfach zu machen sind sie allemal. Eindrucksvoll ausschauen tun sie auch, sodass man ein bissl damit angeben kann.
Und noch eine Weisheit: Bitte nicht beim Wirten essen! Die Somlauer Nockerl stehen auf vielen Speisekarten, aber sie schmecken selten gut. Ich hab keine Ahnung, wieso das so sein muss. Es ist nämlich wirklich einfach, dieses köstliche Dessert zu machen.
Teig:
5 - 6 Eier
200 g Kristallzucker
200 g Mehl
1TL Backpulver
2 gehäufte EL Kakaopulver
Vanillepudding:
1 l Milch
4 EL selbst gemachter Vanillezucker
4-5 Eigelb
4 EL Speisestärke
Rumrosinenzuckersirup:
2 Hände voll Rosinen
100 ml Wasser
100 g Zucker
1 - 2 EL Rum
Schokoladesauce:
50 g Schokolade
3 - 4 EL Obers
1 Hände voll Walnüsse, gehackt
200 ml Schlagobers zum Servieren
100 ml Milch mit den Eigelb verrühren.
100 ml Milch mit der Stärke verrühren.
800 ml Milch mit dem Vanillezucker erhitzen, dabei rühren, damit sich der Zucker auflöst und die Milch nicht abrennt. Kurz vor dem Siedepunkt die Dotter-Milch-Mischung einrühren. Wieder bis kurz vor dem Siedepunkt unter ständigem Rühren erhitzen, dann die Milch-Stärke-Mischung noch einmal aufrühren, in den Topf geben und weiter rühren, rühren, rühren. Die Masse ein paar Minuten durchkochen lassen, dann vom Herd ziehen. Ab und zu umrühren, damit sich keine Haut bildet. Und da man jetzt eh weiter in der Küche steht, ist das zu verschmerzen.
Ein Backblech mit Backpapier auskleiden. Backrohr auf 200 Grad vorheizen.
Die Eier mit dem Zucker und dem Wasser schaumig rühren - richtig gut und stabil schaumig! Und zwar auf einmal, nicht Eiklar und Eigelb getrennt, denn das Biskuit soll nicht gerollt werden, sondern relativ stabil der später folgenden Schichtung standhalten.
Mehl mit Backpulver mischen, unter den Eischaum heben. Die Hälfte auf eine Backblechhälfte verteilen. Den verbliebenen Teig mit dem Kakaopulver verrühren, auf die zweite Backblechhälfte streichen. Ca. 15 min. backen. Der Teig soll hell, aber bei Berührung nicht mehr klebrig sein. Auskühlen lassen.
Während alles auskühlt, macht man den Rumrosinenzuckersirup: Wasser und Zucker unter Rühren erhitzen, bis der Zucker geschmolzen ist, Rosinen dazugeben und kurz verkochen lassen. Rum einrühren - wie viel ist Geschmackssache. Ich kann es nicht leiden, wenn die Nockerl in Rum ersäuft werden. Vor allem, wenn Kinder mitessen werden, sollte man es bei ein bis zwei Esslöffel Rum belassen.
Wenn alles ausgekühlt ist, beginnt man mit dem Schichten: Biskuitmasse in helle und dunkle trennen. Erst den hellen Boden in eine passende Form legen. Da drauf kommt die Hälfte vom Rumrosinenzuckersirup samt den Rosinen, natürlich gleichmäßig verteilt. Da drüber die Hälfte vom Pudding verstreichen. Nun kommt der dunkle Boden, den man wieder mit dem Sirup tränkt und die restlichen Rosinen drauf verteilt. Den übrigen Vanillepuddig drüberstreichen. Alles mit gehackten Walnüssen bestreuen. Mit Klarsichtfolie abdecken. Einige Stunden, am besten über Nacht im Kühlschrank durchziehen lassen.
Vor dem Servieren Schokolade und Obers sacht miteinander erwärmen, bis man eine dickflüssige Schokoladensauce hat.
Schlagobers schlagen.
Eigentlich sticht man Nockerl aus der Masse, aber ich finde, es schaut so schon nach Chaos aus, der Eindruck verstärkt sich noch, wenn man Nocken absticht. Ich schneide dünne Stücke aus der Masse und versuche, alles einigermaßen geordnet auf einen Teller zu bekommen. Schlagobers dazwischen reingeben und alles mit Schokosauce beträufeln.
Ein Lieblingsrezept! Bitte unbedingt nachmachen. Das ist ein Hammer.
In den meisten anderen Rezepten werden die Teigböden mit viel mehr Sirup getränkt, etwa mit der doppelten Menge. Ich persönlich finde es auf diese Weise besser, weil das Biskuit nicht so matschig wird. Aber Gusto und Watschen sind bekanntlich verschieden. :)
Diese Nockerl sind übrigens ein perfektes Mitbringsel, wenn man zu einer Party eingeladen ist und viele Leute mit Süßem versorgen soll. Man kann nicht nur, sondern muss die Nockerl einen Tag vorher machen, damit alles gut durchziehen kann. In einer Form ist alles leicht zu transportieren und man kann viele Leute damit satt machen, denn die Nockerl sind üppig. Einfach zu machen sind sie allemal. Eindrucksvoll ausschauen tun sie auch, sodass man ein bissl damit angeben kann.
Und noch eine Weisheit: Bitte nicht beim Wirten essen! Die Somlauer Nockerl stehen auf vielen Speisekarten, aber sie schmecken selten gut. Ich hab keine Ahnung, wieso das so sein muss. Es ist nämlich wirklich einfach, dieses köstliche Dessert zu machen.
Teig:
5 - 6 Eier
200 g Kristallzucker
200 g Mehl
1TL Backpulver
2 gehäufte EL Kakaopulver
Vanillepudding:
1 l Milch
4 EL selbst gemachter Vanillezucker
4-5 Eigelb
4 EL Speisestärke
Rumrosinenzuckersirup:
2 Hände voll Rosinen
100 ml Wasser
100 g Zucker
1 - 2 EL Rum
Schokoladesauce:
50 g Schokolade
3 - 4 EL Obers
1 Hände voll Walnüsse, gehackt
200 ml Schlagobers zum Servieren
100 ml Milch mit den Eigelb verrühren.
100 ml Milch mit der Stärke verrühren.
800 ml Milch mit dem Vanillezucker erhitzen, dabei rühren, damit sich der Zucker auflöst und die Milch nicht abrennt. Kurz vor dem Siedepunkt die Dotter-Milch-Mischung einrühren. Wieder bis kurz vor dem Siedepunkt unter ständigem Rühren erhitzen, dann die Milch-Stärke-Mischung noch einmal aufrühren, in den Topf geben und weiter rühren, rühren, rühren. Die Masse ein paar Minuten durchkochen lassen, dann vom Herd ziehen. Ab und zu umrühren, damit sich keine Haut bildet. Und da man jetzt eh weiter in der Küche steht, ist das zu verschmerzen.
Ein Backblech mit Backpapier auskleiden. Backrohr auf 200 Grad vorheizen.
Die Eier mit dem Zucker und dem Wasser schaumig rühren - richtig gut und stabil schaumig! Und zwar auf einmal, nicht Eiklar und Eigelb getrennt, denn das Biskuit soll nicht gerollt werden, sondern relativ stabil der später folgenden Schichtung standhalten.
Mehl mit Backpulver mischen, unter den Eischaum heben. Die Hälfte auf eine Backblechhälfte verteilen. Den verbliebenen Teig mit dem Kakaopulver verrühren, auf die zweite Backblechhälfte streichen. Ca. 15 min. backen. Der Teig soll hell, aber bei Berührung nicht mehr klebrig sein. Auskühlen lassen.
Während alles auskühlt, macht man den Rumrosinenzuckersirup: Wasser und Zucker unter Rühren erhitzen, bis der Zucker geschmolzen ist, Rosinen dazugeben und kurz verkochen lassen. Rum einrühren - wie viel ist Geschmackssache. Ich kann es nicht leiden, wenn die Nockerl in Rum ersäuft werden. Vor allem, wenn Kinder mitessen werden, sollte man es bei ein bis zwei Esslöffel Rum belassen.
Wenn alles ausgekühlt ist, beginnt man mit dem Schichten: Biskuitmasse in helle und dunkle trennen. Erst den hellen Boden in eine passende Form legen. Da drauf kommt die Hälfte vom Rumrosinenzuckersirup samt den Rosinen, natürlich gleichmäßig verteilt. Da drüber die Hälfte vom Pudding verstreichen. Nun kommt der dunkle Boden, den man wieder mit dem Sirup tränkt und die restlichen Rosinen drauf verteilt. Den übrigen Vanillepuddig drüberstreichen. Alles mit gehackten Walnüssen bestreuen. Mit Klarsichtfolie abdecken. Einige Stunden, am besten über Nacht im Kühlschrank durchziehen lassen.
Vor dem Servieren Schokolade und Obers sacht miteinander erwärmen, bis man eine dickflüssige Schokoladensauce hat.
Schlagobers schlagen.
Eigentlich sticht man Nockerl aus der Masse, aber ich finde, es schaut so schon nach Chaos aus, der Eindruck verstärkt sich noch, wenn man Nocken absticht. Ich schneide dünne Stücke aus der Masse und versuche, alles einigermaßen geordnet auf einen Teller zu bekommen. Schlagobers dazwischen reingeben und alles mit Schokosauce beträufeln.
Ein Lieblingsrezept! Bitte unbedingt nachmachen. Das ist ein Hammer.
In den meisten anderen Rezepten werden die Teigböden mit viel mehr Sirup getränkt, etwa mit der doppelten Menge. Ich persönlich finde es auf diese Weise besser, weil das Biskuit nicht so matschig wird. Aber Gusto und Watschen sind bekanntlich verschieden. :)
Labels:
Dessert
,
Schokolade
,
ungarisch
Mittwoch, 2. März 2016
Bourgeoise Wiener Krautrouladen
Es gibt Rezepte, die fallen einem in die Hände und man weiß: Meins! So passiert mit diesem hier. Es stammt aus einem Kochbuch, das schon seit 1999 in meinem Haushalt wohnt: Als Oma im Keller Quargel aß. Die Namensgebung für die Rouladen stammt übrigens auch aus dem Kochbuch. Damals waren die beiden Autorinnen Koch-Kolumnistinnen im Standard, unserer Tageszeitung. Diese Kolumnen habe ich damals verschlungen, denn sie waren sehr launig geschrieben, und ich wusste sofort, als das Kochbuch angekündigt wurde, dass ich das haben muss. Ich habe mich dann einmal quer durch gekocht, war auch von allem sehr begeistert, dann ist das Kochbuch aber durch Neuerwerbungen immer mehr nach hinten gewandert. Bis ich vor einer Woche bei meinem Lieblingstürken das perfekte Rouladenkraut gesehen habe: Ein flaches Happel, die Blätter formen es nur locker, vor allem aber ist das Kraut riesig! Muss so sein, weil die perfekten Rouladen bekommt man, wenn man das Kraut rund um den Strunk einsticht, das ganze Happel in kochendes Wasser legt und wenn die Blätter sich von selber lösen, fischt man sie aus dem Wasser und so sind sie auch gleich blanchiert und man kann nach Entfernung der groben Mittelrippe das entstandene Loch mit kleineren Krautblättern flicken und ganz elegant Rouladen rollen. Jessas, was für ein Satz ... Ich geh besser kochen.
Für 8 große Rouladen:
1 sehr großes Krauthappel (Deutsche nehmen einen Krautkopf), am besten Braunschweiger Kraut
2 in Milch eingeweichte und sehr gut ausgedrückte Semmeln
3/4 kg gemischtes Faschiertes (Deutsche kaufen Hackfleisch halb und halb)
Salz
Pfeffer
Kümmel, gemahlen
Muskat
Thymian
Backrohr auf 180 Grad vorheizen.
Alle Zutaten südlich vom Krauthappel zu einer homogenen Masse vermischen. So richtig rein mit den frisch gewaschenen Händen wie Kinder im Sandkasten, ordentlich herummantschen. Und kosten nicht vergessen! Die Fleischfülle soll würzig, aber nicht scharf sein.
Die Krautblätter wie oben beschrieben vorbereiten, auflegen, Fülle in Form einer dicken Wurst drauflegen, einrollen und in eine befettete, ofenfeste Form setzen. Mit wenig Wasser untergießen und ab damit ins heiße Backrohr.
Nun bereitet man die bourgeoise Sauce vor:
100 g Speck (ich habe Hamburger Speck genommen, im Original Surspeck)
1 kleine Zwiebel
1 Knoblauchzehe (meine Erfindung, die ist im Rezept nicht zu finden)
1 EL Mehl
4 TL süßes Paprikapulver (wie immer am Monatsende das aus dem Supermarkt von Kotanyi, am Monatsanfang das vom Pinterits)
2 TL Paradeismark
Thymian
Majoran
Salz
3/8 l Rindsuppe (Ersatzweise gilt auch Wasser oder Gemüsesuppe, aber keine Suppenwürfelsuppe)
250 g Sauerrahm
Speck klein schneiden und sanft anschwitzen, Zwiebel und Knofel fein hacken, mit dem Speck kurz mitrösten, danach Mehl, Paprikapulver und Paradeismark kurz mitrösten (Paprika wird bitter, wenn man ihn zu lang oder zu heftig röstet, also wirklich vorsichtig!). Die übrigen Gewürze dazugeben, mit der Suppe aufgießen und den Sauerrahm einrühren, alles gut verkochen lassen.
Sobald die Rouladen im Rohr anfangen zu brutzeln, begießt man sie immer wieder mit dieser Sauce. Bei mir hat dieses Procedere eine Stunde gedauert, dann waren die Rouladen butterweich. Im Kochbuch wird am Ende der Garzeit noch je eine Scheibe Hamburger Speck auf jede Roulade gelegt, der dann glashart wird.
Bei uns hat es dazu Petersilerdäpfeln gegeben und ich finde, das ist die einzig gültige Beilage.
Und das waren nun definitiv die besten Krautrouladen, die ich in meinem nun doch schon sehr lang dauernden Leben gegessen habe. Wer glaubt, sie nicht nachmachen zu müssen, ist selber schuld. Aber nicht, dass nachher jemand sagt, ich hätte nicht deutlich drauf hingewiesen. ;)
Für 8 große Rouladen:
1 sehr großes Krauthappel (Deutsche nehmen einen Krautkopf), am besten Braunschweiger Kraut
2 in Milch eingeweichte und sehr gut ausgedrückte Semmeln
3/4 kg gemischtes Faschiertes (Deutsche kaufen Hackfleisch halb und halb)
Salz
Pfeffer
Kümmel, gemahlen
Muskat
Thymian
Backrohr auf 180 Grad vorheizen.
Alle Zutaten südlich vom Krauthappel zu einer homogenen Masse vermischen. So richtig rein mit den frisch gewaschenen Händen wie Kinder im Sandkasten, ordentlich herummantschen. Und kosten nicht vergessen! Die Fleischfülle soll würzig, aber nicht scharf sein.
Die Krautblätter wie oben beschrieben vorbereiten, auflegen, Fülle in Form einer dicken Wurst drauflegen, einrollen und in eine befettete, ofenfeste Form setzen. Mit wenig Wasser untergießen und ab damit ins heiße Backrohr.
Nun bereitet man die bourgeoise Sauce vor:
100 g Speck (ich habe Hamburger Speck genommen, im Original Surspeck)
1 kleine Zwiebel
1 Knoblauchzehe (meine Erfindung, die ist im Rezept nicht zu finden)
1 EL Mehl
4 TL süßes Paprikapulver (wie immer am Monatsende das aus dem Supermarkt von Kotanyi, am Monatsanfang das vom Pinterits)
2 TL Paradeismark
Thymian
Majoran
Salz
3/8 l Rindsuppe (Ersatzweise gilt auch Wasser oder Gemüsesuppe, aber keine Suppenwürfelsuppe)
250 g Sauerrahm
Speck klein schneiden und sanft anschwitzen, Zwiebel und Knofel fein hacken, mit dem Speck kurz mitrösten, danach Mehl, Paprikapulver und Paradeismark kurz mitrösten (Paprika wird bitter, wenn man ihn zu lang oder zu heftig röstet, also wirklich vorsichtig!). Die übrigen Gewürze dazugeben, mit der Suppe aufgießen und den Sauerrahm einrühren, alles gut verkochen lassen.
Sobald die Rouladen im Rohr anfangen zu brutzeln, begießt man sie immer wieder mit dieser Sauce. Bei mir hat dieses Procedere eine Stunde gedauert, dann waren die Rouladen butterweich. Im Kochbuch wird am Ende der Garzeit noch je eine Scheibe Hamburger Speck auf jede Roulade gelegt, der dann glashart wird.
Bei uns hat es dazu Petersilerdäpfeln gegeben und ich finde, das ist die einzig gültige Beilage.
Und das waren nun definitiv die besten Krautrouladen, die ich in meinem nun doch schon sehr lang dauernden Leben gegessen habe. Wer glaubt, sie nicht nachmachen zu müssen, ist selber schuld. Aber nicht, dass nachher jemand sagt, ich hätte nicht deutlich drauf hingewiesen. ;)
Labels:
Faschiertes
,
Kraut
,
Wiener Küche
Montag, 29. Februar 2016
[Restaurant] Flatschers
Wir waren wieder einmal ganz schön essen, der Mann und ich. Nur wir zwei. Aus keinem bestimmten Anlass. Manchmal gönnen wir uns das. Und eine der liebsten Stellen für so etwas ist das Flatschers. Zuerst gab es ein Glas Prosecco. Klingt es nach romantischem Abend? No way! Das Flatschers ist immer gerammelt voll und die Leute drängen sich an winzigen Tischchen. Also für Romantik bleibt da unter Garantie kein Platz.
Aber wir sind auch nicht zweng der Romantik gekommen, sondern wegen des guten Essens. Und der Turbohausmann ein bissi wegen seines geliebten Pale Ales und ich wegen des guten Tonic Waters. Da stehen nur recht wenige Zutaten auf der Flasche und es klingt nicht so gruselig wie bei den meisten.
Zu Beginn gab es die Vorspeisenvariationen für 2: Jakobsmuscheln mit Rucola und gegrillter Cocktailparadeiser, Garnelen mit Limettenmayo und eine kleine Portion von dem legendär guten Beef Tatar. Was ich immer sehr schön finde: Es gibt anscheinend viele Leute, die keine Kapern mögen, das Beef Tatar ist perfekt abgeschmeckt, aber die Kapern liegen für Menschen wie mich daneben. Alles war super: Jakobsmuscheln und Garnelen innen noch glasig, alles gut gewürzt.
Jo, der Hauptgang! Wir haben uns Chateaubriand bestellt - 500 g! Mutig, wenn man bedenkt, dass wir ja nicht gerade wenig Vorspeise hatten und auch noch etwas Süßes für den Abschluss planten. Das nächste Mal wird es entweder nur diese Riesenportion und wir lassen alles davor und dahinter weg, oder es wird ein kleineres Steak.
Zum Fleisch kamen Gemüse und ein Erdäpfelgratin ... es geht weiter am nächsten Foto ...
... das sind zwei der drei Saucen, hier zu sehen Bearnaise und Cognacsauce, dann gab es noch rauchige Cocktailsauce, die es nicht aufs Fotos geschafft hat. Und weiter geht es mit der Hauptspeise am nächsten Foto ...
... ein nicht zu kleiner Kübel mit hausgemachten Pommes darf bei Flatschers nicht fehlen. Die Erdäpfeln sind nicht geschält, die Erdäpfelstifte wunderbar ungleichmäßig. Nix mit gepresst aus Erdäpfelmehl! Eindeutig frisch und händisch geschnittene Pommes, die auch schön knusprig sind.
Medium rare, genau so mögen der Turbohausmann und ich Fleisch am allerliebsten. Es war butterzart! Wie immer, wenn wir dort sind. Es gibt wirklich nur sehr wenige Lokale in Wien, die so schön Fleisch braten können.
Ja, Dessert, wieder eine Variation. Auf einem hübschen Ständer wie bei der Vorspeise kamen drei Tellerchen daher. Cheescake, das muss sein in einem amerikanisch angehauchten Lokal. Hat gut geschmeckt, vor allem mit der leicht säuerlichen Weichselsauce.
Tellerchen Nummer zwei: Schokomoussetorte mit marinierten Waldbeeren. Ein Traum für Schokoladeliebhaber. Ganz toll cremig, dazu die Knusperstreusel außen herum. Zum Niederknien!
Den Abschluss bildete eine Tonkabohnenschnitte. Dieser Abschluss war wirklich ein krönender. So intensiv im Geschmack und dennoch ganz zart und fein in der Textur. Jederzeit gern wieder.
Was es danach noch zu sagen gibt: Es hat alles sehr gut geschmeckt. Das Gemüse war schon recht weich, das kann man bemängeln. Unterm Strich steht auf jeden Fall ein ganz großes Plus.
Wir haben viel zu viel gegessen! Aber ich habe es schon geschrieben: Das ist kein romantischer Abend gewesen. Daheim sind wir dann hilflos wie die Käfer am Rücken gelegen, vollkommen bewegungsunfähig. Das kommt, wenn man ganzen Tag keine Zeit hat zu essen und dann hungrig wie ein Wolf in ein Lokal geht. Passend dazu gab es kürzlich im New Yorker das Married Kama Sutra ...
Was mir eine ganze besondere Freude war: Es gibt neben dem amerikanischen Flatschers, in dem wir waren, noch das französische Flatschers Bistro. Beide Lokale voll bis auf den letzten Platz. Um einen Tisch zu bekommen, muss man wirklich rechtzeitig reservieren. Beide Lokale sind sehr gut und die Preise kann man auf der Homepage sehen, die sind angemessen und wir haben gut Geld dort gelassen. Gleich daneben gibt es eine Filiale einer Billigsdorferburgerkette, da war gähnende Leere! Und das, obwohl die Gegend keine sehr noble ist. Es gibt also noch Hoffnung, dass wir auch in Zukunft noch solche Lokale wie das Flatschers haben werden.
Sehr liebenswert ist auf der Speisekarte ein Zitat von Woody Allen abgedruckt: "Ich hasse die Wirklichkeit, aber sie ist der einzige Ort, an dem man ein gutes Steak bekommt."
Labels:
Restaurant
Freitag, 26. Februar 2016
Riesenschnecken
In letzter Zeit habe ich immer wieder Fotos von großformatigen Zimtschnecken in diversen Blogs gesehen. Nun finde ich ja immer, dass Zimtschnecken zu wenig Fülle haben, also habe ich mich ans Werk gemacht und habe eine Nussschnecke in der Pfanne gebacken. Und weil die so gut war, hat der Turbohausmann für den Sonntag drauf genau so eine Mohnschnecke eingefordert - was natürlich zur Folge hatte, dass er sich an der Mohnquetsche betätigen musste. Das ist nämlich ein mühsames Unterfangen, das sich aber in jedem Fall lohnt! Man kurbelt sich einen Wolf, aber frisch gequetschter Mohn ist einfach toll. Leider kann man dem Mohn ab dann quasi zuschauen, wie er ranzig wird, daher ist das etwas, was immer unmittelbar vor dem Backen gemacht werden muss.
Bei dem Kuchen gibt es nicht viel, was zu beachten wäre. Ein bissl mühsam ist das Einrollen einer so großen Schnecke in einer so kleinen Küche wie meiner. Ich habe den Teig auf vier Teile geteilt und so den Schneck immer größer gemacht. Eigentlich müsste es reichen, wenn man zwei lange Bahnen auswalkt, aber wenn ich das mache, hängt ein Ende in der Abwasch, das zweite liegt auf dem Herd. Daher meine zitzerlweise Rolltaktik, die ich nicht machen würde, wenn ich mehr Platz hätte.
Essenziell für die Fülle finde ich lediglich die Rosinen und zwar unbedingt über Nacht eingeweicht. Ich bin überzeugt, dass viele RosinennichtmögerInnen selbige lieber hätten, wenn man ihnen immer das Einweichen angedeihen lassen würde. Ich mag es gern, wenn man sie in Rum einweicht und nehme dann auch gleich den nicht aufgesaugten Rum mit zur Fülle. Wenn Kinder mitessen, machen sich Apfel- oder Orangensaft gut beim Einweichen.
Für den Germteig:
250 g Mehl (glatt oder Allzweck)
60 g Zucker
20 g frische Germ
4 Eidotter
ca. 1/8 l Milch,
80 g Butter, in Stückchen, zimmerwarm
Salz
1 TL Vanillezucker
Schale einer halben Biozitrone, fein gerieben
1 EL Butter, geschmolzen, zum Bestreichen des Schnecks1 TL Butter zum Aussreichen der Pfanne
Staubzucker zum Bestreuen
Nussfülle:
250 g gemahlene Walnüsse
125 g Zucker
25 g Butter
90 g Semmelbrösel (besser: Biskuitbrösel)
ca. 150 ml Milch
1 Hand voll Rosinen, über Nacht in Rum eingeweicht
Zimt
1 EL Marillenmarmelade
Zucker, Butter und Milch aufkochen, Nüsse, Rosinen, Zimt, Marmelade und Brösel dazugeben, alles gut verrühren. Wenn die Fülle zu trocken ist, noch ein wenig Milch dazurühren.
Auskühlen lassen.
Mohnfülle:
250 g Mohn, frisch gequetscht
100 g Zucker
75 g Semmelbrösel (besser Biskuitbrösel)
ca. 100 ml Milch
1 Hand voll Rosinen, über Nacht in Rum eingeweicht
1 EL Honig
Zimt
Zucker, Milch und Honig aufkochen, den Mohn dazugeben, ein wenig abrösten, Brösel, Rosinen, Marmelade und Zimt einrühren. Sollte die Fülle ein fester Klumpen sein, noch ein wenig Milch dazugeben.
Auskühlen lassen.
Für den Teig die Germ in lauwarme Milch bröseln und sehr gut verrühren, bis die Germ ganz aufgelöst ist. Alle Zutaten bis auf die Butter in die Küchenmaschine geben, zwei bis drei Minuten kneten lassen, bis alle Zutaten gut vermengt sind, dann stückchenweise die Butter hineingeben und noch ein paar Minuten kneten lassen, bis auch diese gut in den Teig eingearbeitet sind. Den Teig mit einem Geschirrhangerl zudecken und auf die doppelte Größe aufgehen lassen (dauert ungefähr eine Stunde). Dann den Teig mit der Faust einmal zusammenstoßen.
Die Pfanne mit der Butter bepinseln.
Arbeitsfläche bemehlen. Teig in 4 Teile teilen und zu einigermaßen gleich großen Streifen auswalken. Die Fülle auf die Streifen aufstreichen. Zuerst einen Streifen aufrollen, dann den zweiten drüberwickeln und so weiterarbeiten, bis alles zu einem Monsterschneck aufgerollt ist. Das Trumm in die Pfanne heben und flach drücken, bis die ganze Pfanne der Breite nach ausgefüllt ist. Hangerl drüber, noch einmal aufgehen lassen.
Backrohr auf 180 Grad vorheizen.
Schnecke mit dem Esslöffel Butter sehr gut einpinseln, ab damit ins Rohr und 30 - 35 min. backen, bis die Schnecke schön goldbraun ist.
Ein wenig überkühlen lassen, auf einen Teller gleiten lassen, mit Staubzucker bestreuen und am besten lauwarm essen.
Rezeptquelle: Das war einmal der Germgugelhupf aus dem alten Sacherkochbuch, aber da wird mit Dampfl gearbeitet, auch die beiden Füllungen habe ich von dort, aber beide ein bissl umgebaut.
Abonnieren
Posts
(
Atom
)