Montag, 10. Februar 2020

Wien, deine Baguettes

Durch die vielen Feiertage zum Jahreswechsel gab es bei uns öfter "Wochenendspätstück" mit Butter, Schinken und Käse, daher habe ich etliche Male Baguette gekauft. Das ist irgendwie ausgeufert und ich habe im ganzen Jänner so viele Baguettes gegessen, dass ich jetzt ein Posting draus mache. Vielleicht hilft es ja jemanden, wenn sie/er ein Baguette kaufen will und nicht so recht weiß, welches es sein soll. Das Posting erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Wenn jemand noch anderes gutes Baguette kennt, bitte her mit den Infos!

Generell sind Baguettes aus Wiener Bäckereien nicht das, wie ich Baguettes in Frankreich kennengelernt habe. Bei uns sind die Baguettes viel breiter und kürzer, mehr in Richtung Weißbrot. Das muss nicht zwingend ein Nachteil sein, sondern es ist halt anders.

Die Reihung folgt nach schlicht und einfach danach, wann ich die Baguettes gegessen habe, und stellt keine Wertung dar.

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Das Baguette vom Kasses ist in einem Format in Richtung österreichisches Weißbrot. Die Porung ist groß und unregelmäßig, die Kruste fein knusprig. Geschmacklich top! Wir haben zwei Tage an dem Baguette gegessen, weil es so ein großes Stück ist. Man hat auch am zweiten Tag noch seine Freude dran, wenn man es aufbäckt.
Eine liebe Leserin hat mir den Tipp gegeben, dass ich unbedingt zur Bäckerei Linsbichler schauen soll, denn dort gibt es so gute Maroniherzen. Na solche Tipps sind mir doch sehr willkommen. Leider gab es keine Maroniherzen. Also dachte ich, ich nehm Baguette mit. Es ist ein Stangenweißbrot ohne große Porung, ziemlich trockener Krume und mit einer ebensolchen Rinde. Am zweiten Tag war das Baguette staubtrocken und ich habe es letztendlich zu Bröseln verrieben.
Ein extrem gutes "Baguette" hat der Öfferl: Das ist dunkles Brot mit Walnüssen drinnen. Mit Baguette hat es nur insoweit zu tun, als es eine unregelmäßige und relativ große Porung hat. Weder Länge noch Durchmesser sind französisch.
Geschmacklich ein Favorit und am zweiten Tag braucht man es nicht einmal aufbacken, sogar am dritten Tag kann man das Brot ohne grobe Abstriche essen − das ist halt der Vorteil von dunklem Brot, dass es länger lagerfähig ist, ohne dass man Abstriche machen muss, auch wenn es ein recht kleinformatiges Brot ist. Vor allem aber ist es ein Verdienst des Bäckers, dass das Brot so lange frisch ist!
Eines meiner liebsten Baguettes ist die Bio-Variante vom Ströck, denn die haben es wirklich drauf mit den großen, unregelmäßigen Poren. Ein bisschen knuspriger würde ich es mir wünschen. Schmecken tut es auch hervorragend, sonst würde es nicht zu meinen liebsten gehören. Das Format ist wieder österreichisch, also keine dezente, dünne Stange, sondern recht breit wie die meisten Baguettes hierzulande. Schmeckt auch am zweiten Tag noch gut.


Noch ein Baguette vom Ströck, das Körndl-Baguette. Da ist es vorbei mit der französischen Porung. Ich wage aber zu bezweifeln, ob man in Frankreich so etwas überhaupt Baguette nennen dürfte. Jedenfalls ist es ein Mischbrot mit vielen Kernen und Körnern drinnen und drauf. Uns schmeckt es gut, aber am zweiten Tag ist es trocken.
Das helle Baguette vom Joseph will gleich von vornherein nicht den Eindruck erwecken, dass es etwas mit französischem Baguette gemeinsam hat: Das Brot ist in sich verdreht, normalerweise kauft man so etwas hierzulande als Wurzelbrot. Das Baguette ist nicht eingeschnitten an der Oberfläche, sondern man sieht den Ofentrieb an den eingedrehten Teigrändern. Die Porung ist eher klein und unregelmäßig. Nichtsdestotrotz ist das Baguette geschmacklich ein Hit und am zweiten Tag genau so frisch wie am ersten, lediglich die Kruste ist dann ein wenig härter, was ich jetzt gar nicht unsympathisch finde.
In der Bäckerei Der Mann wird typisch österreichisches Baguette produziert: Weiche Rinde, wattig-flauschige Krume. Falls das für jemanden unerfreulich klingen sollte: Ist es nicht. Das Baguette schmeckt durchaus gut, nur halt gar nicht französisch. Es ist wie Weißbrot, nur halt in Standenform.
Eine extrem erfreuliche Überraschung war das Baguette von der Bäckerei Szihn, die hauptsächlich im 23. Bezirk ihre Filialen hat. Das Baguette ist nicht überbordend groß, hat eine angenehm knusprige Kruste und ein sehr geschmackvolles Innenleben, das von unterschiedlich großen Poren übersät ist. Ich weiß jetzt, dass ich dort öfter mal einkaufen und mich durch das Sortiment kosten muss. Wenn das alles so gut schmeckt, dann Hut ab. Bei uns hat das Baguette als eines der wenigen keinen zweiten Tag erlebt.
Das ist das Roggenbaguette vom Felber. Das ist tatsächlich so riesig, dass wir das mit zwei Feiertagsspätstücken auf keinen Fall aufessen könnten. Es hat das Format von sehr langem Weißbrot, die Kruste ist aber schön knusprig, die Porung österreichisch. Geschmacklich ist das Roggenbaguette recht gut. Am zweiten Tag kann man es noch aufbacken, am dritten Tag nicht mehr, daher frieren wir ein Drittel ein, damit es nicht zu Bröseln werden muss.
Hier ist es, das einzige richtig französische Baguette, das ich aus Wien kenne, das kommt von Paremi.
Das sind Leute, die haben in Paris gelernt, wie französisches Backen geht und das sieht man halt. Wer denkt, man kann sich da zum Frühstück Butter und Honig aufs Baguette streichen, dann irrt man, denn der Honig würde durchlaufen wie nur was. Aber andererseits schneidet man in Frankreich Baguette auch nicht in Scheiben, sondern bricht ein Stück ab und das dann der Länge auseinander. So würde das auch mit dem Honig hinhauen.










Noch ein Tipp zum Aufbacken: Wenn wir Semmeln, Weckerln oder Baguette eingefroren hatten, legen wir es im Winter auf den Heizköper zum Auftauen. Im Sommer lege ich es in die Sonne. Beide Varianten machen fein knusprige Oberflächen. Am zweiten Tag kann man Baguette auch auf diese Weise wieder aufknuspern, nur ganz wenig mit dem Blumensprüherl einsprühen und dann ab auf den Heizköper. Natürlich kann man auch das Backrohr zum Aufbacken nehmen, aber ich denk mir immer, wenn ich schon Sonne bzw. Heizung habe und das gut klappt, warum dann extra das Backrohr bemühen.

Wenn jemand noch irgendwelche Wiener Baguette-Tipps hat, dann bitte her damit. Ich bin nun richtig auf den Geschmack gekommen, mich da weiter durchzukosten, falls es noch empfehlenswerte gibt.

Kommentare :

  1. Ich bin hin und weg, wie viele verschiedene Baguettes du ausprobiert hast und wie verschieden sie doch sind. Wer jetzt nicht weiß, wo er gutes Baguette in Wien kaufen kann, der hat per se ein Problem.
    Liebe Grüße
    Sigrid

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    1. Liebe Sigrid,
      wir haben wirklich Glück mit den vielen Bäckereien in Wien. Auch wenn viele Baguettes unfranzösisch sind.

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  2. Nicht schlecht deine tolle Recherche....
    Hab keinen neuen Tipp für dich, aber beim Szihn kaufe ich auch gern ein. Ein mal in der Woche backe ich Sauerteig Brot selbst, oft als Roggen Wurzelbrot. Eine Porung hat das nicht...
    Lg

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    1. Liebe Friederike,
      beim Brotbacken bin ich sehr faul. Ich mag Brote mit langer Teigführung und dazu braucht man Geduld, die ich nicht habe.

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  3. Das von Paremi sieht so aus, wie wir das hier im Elsass auch kennen, eben nach richtigem, französischem Baguette ;-)

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    1. Liebe Sabine,
      stimmt, so kenne ich Baguette aus Frankreich auch.

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  4. Wow, du hast dich da echt durchgekostet. Das hilft mir schon mal weiter. Wobei richtige Wecken, sind die meisten jetzt auch nicht.
    letzten Sonntag habe ich auch das Bio Ströck-Baguette gekauft und war wirklich begeistert.
    Bei Le Crobag kann man auch die Baguette kaufen - aber auch wenn die französisch klingen schauen die eher wie die Mannbaguettes aus. Wobei ich von Le Crobag, die Ficelle sehr mag.
    Generell muss ich sagen, sind wir in Wien, selbst mit den Kettenbäckereien sehr gut ausgestattet. Es ist halt bissl Erfahrungssache, wo was am besten schmeckt.

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    1. Liebe Angela,
      ich gehe so selten wie möglich zu "Aufbackketten", wo fertige Brotmischungen zusammengerührt werden. Da ist schon noch einmal ein Unterschied zu Ströck oder Felber oder Mann, die zwar Ketten sind, aber dennoch handwerklich arbeiten.
      Dein Tipp mit dem Crobag nehme ich mir zu Herzen, danke dafür.

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    2. ja, das sehe ich bei Mann, Felber und Ströck auch so. Le Crobag bin ich mir nicht sicher, ob die eher so aufbacken tun, sind nur am HBF und WBF. Aber ich mag die Ficelle. In die Gefüllten Ficelles ist immer Butter drinnen.

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    3. Liebe Angela,
      nun musste ich nachschauen: Wikipedia sagt, Crobag ist eine deutsche Kette mit 120 Filialen weltweit. Aber das muss ja nicht zwingend etwas heißen, denn der Gagger ist ja mittlerweile auch eine internationale Kette und dennoch ein toller Bäcker.

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  5. Hallo,

    das ist wirklich mal ein verführerischer Post, denn ich liebe Baguettes sehr. Leider wohne ich zu weit von Wien entfernt, als dass ich meine Favoriten aus deiner Liste durchprobieren könnte.
    lg Barbara

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    1. Liebe Barbara,
      dann musst du einfach mal in Wien urlauben und dich durchkosten. ;)

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