Dienstag, 29. Januar 2019

Bananenbrot mit Karamell

Was für ein Segen, wenn man rund um sich Leute hat, die auch gern essen. Auf diese Weise bin ich zu wirklich großartigen Bananen gekommen. Ich hoffe, ich bringe das noch richtig zusammen, welche lustigen Wege mich zu diesen Bananen gekommen bin: Der Schulfreund der Tochter einer Nachbarin meiner Freundin ist nach der Schule nach Griechenland ausgewandert. Dieser Schulfreund ist Biobauer geworden und kommt alle paar Monate mit seinem Kleinlaster nach Wien und bringt, was zur jeweiligen Jahreszeit gerade reif ist.

Nun habe ich jede Menge Orangen, Zitronen, Bananen und eineinhalb Kilo unglaublich gutes Joghurt bekommen. Die meisten Bananen sind zusammen mit Datteln (wer diese Kombination nicht kennt, sollte sie unbedingt ausprobieren) ins Joghurt gewandert. Bitte wer muss noch Fruchtjoghurt kaufen, wenn er solche Produkte daheim hat? Einmal sind Bananenschnitten aus den Bananen geworden und der Rest war dann schon seeeehr reif. Da bietet sich Bananenbrot an. Ich habe eine Kombination aus mehreren Rezepten gemacht und das Ergebnis war sehr gut.


Für 1 ofenfeste Form mit den Maßen 16x25x5 cm:
210 g Mehl (Allzweck)
2 TL Backpulver
1 Prise Salz
120 g Butter, zimmerwarm
150 g Zucker
1 EL selbst gemachter Vanillezucker
2 große Eier
2 − 3 sehr reife, zerdrückte Bananen
2 Zitronen (Saft + Schale)
100 g Walnüsse, grob gehackt

Karamell-Sauce
120 g brauner Zucker
150 g Schlagobers
4 EL Butter
1 Prise Salz (am besten Salzflocken)

Zum Servieren
Perfekt reife Bananen in Scheiben geschnitten
Schokoladeneis



Backrohr auf 180 Grad vorheizen. Zerknülltes (dann passt es sich besser an die Form an) Backpapier in die Kastenform legen.

Mehl, Backpulver, Nüsse und Salz in einer Schüssel verrühren. Butter und Zucker mit dem Mixer schaumig rühren, Eier, zerdrückte Bananen, Vanillezucker, Zitronensaft und -schale dazugeben und gut mischen. Die Mehlmischung unterrühren, bis sie gerade eingearbeitet ist − nur unterheben, nicht zu viel rühren. Den Teig in die Form gießen und 35 min. backen.
Während des Backens die Karamell-Sauce zubereiten: Zucker schmelzen, dabei darauf achten, dass der geschmolzene Zucker nicht zu dunkel wird. Dann Schlagobers, Butter und Salz einrühren. Sauce vom Herd ziehen und überkühlen lassen.
Nach 35 min. den Kuchen aus dem Rohr nehmen und ca. ein Drittel der Sauce über den Kuchen gießen. Wieder ab damit ins Backrohr und weitere 30 min. backen.

Kuchen in der Form überkühlen lassen, dann den Kuchen samt dem Papier aus der Form heben und auf einem Kuchengitter abkühlen, bis er lauwarm ist. Das ist die beste Temperatur, um den Kuchen zu essen! Später geht er dann natürlich noch auf Zimmertemperatur, aber so gut wie gleich nach dem Backen in lauwarmem Zustand wird er nicht mehr. Auf jeden Fall zum Servieren Karamellsauce über den Kuchen gießen und mit ein paar Scheiben reife Banane garnieren. Auch Schokoladeneis macht sich sehr gut zum Kuchen − zum Beispiel, wenn man Gäste hat und vorher von dem lauwarmen Kuchen schon zu viel genascht hat, sodass man die Portionen strecken muss ... 😉






Freitag, 25. Januar 2019

Nassersee − die Rundreise

Wieder einmal: Enthält Werbung (Namensnennung, Verlinkungen), die niemand verlangt hat und für die ich kein Geld bekomme.


Jetzt kommt eindeutig die entspannteste Zeit unserer Reise. An sich bin ich kein Fan von Schiffsreisen, aber man hat keine andere Möglichkeit, zu den Tempeln, die wir sehen wollten, zu kommen.Wir haben die Zeit sehr genossen!


Mit einem tollen Schiff, genannt Omar El Khayam, sind wir auf dem Nassersee gefahren. Das war nun ganz und gar nicht vergleichbar mit einer Nilkreuzfahrt. Was es auch nicht ist: Ägypten. Man geht an Board und ist in einer touristischen Blase, vergleichbar damit, wenn man in eines der Ressorts am Roten Meer fährt. Man hat eine tolle Zeit, darf sich aber nicht erwarten, irgendetwas über Land und Leute zu erfahren. Dafür erlebt man auf dieser Reise wunderbare Momente ohne Ende.

Ab dem Zeitpunkt der Einschiffung hat es dann essenstechnisch so ausgesehen ... Was für ein Luxus! Mittags und abends ein mehrgängiges Menü, das ein Kellner zu Tisch bringt. Okay, morgens ein Buffet und auch ausnahmsweise mal eines abends, aber die meiste Zeit wird man umsorgt und hofiert.

Was anscheinend nie an mir vorübergehen kann, sind die mittlerweile von uns schon so genannten "ägyptischen Eier", die nämlich so lange gekocht werden, bis der Rand vom Eigelb sich grau verfärbt. Mir würde ja was abgehen bei den Ägyptenaufenthalten ...

Schwer beeindruckt hat mich die Führung durch die Küche des Schiffs. Sogar das Brot wird an Board gebacken. Und die Patisserie. Und eh überhaupt alles hausgemacht.
Alles peinlich sauber! Uns wurde auch erklärt, was mit Obst und Gemüse alles gemacht wird, um es für europäische Mägen verträglich zu machen. Es gibt drei Reinigungsgänge, der letzte wird tatsächlich mit Trinkwasser aus Flaschen durchgeführt.


Noch ein Blick in die Küche: Bei dieser Fahrt waren wir 17 Reisende auf einem Schiff, das für 160 Gäste gemacht ist. Entsprechend groß ist die Küche. 25 Männer arbeiten allein in der Küche, auf dem ganzen Schiff sind 90 Mann tätig. Frauen? Leider nein. Nicht eine einzige.


Wir durften auch auf die Kommandobrücke. Was ich sehr interessant fand: Das Kapitänsein auf dem Nassersee erbt man. Schon in jungen Jahren fahren die Kinder von Kapitänen auf dem See und lernen so alle Untiefen des Sees kennen, das ist ein schriftlos weitergegebenes Wissen.


Mich wundert es sehr, dass so viele Leute auf dem Nil schippern, aber so wenige auf dem Nassersee. Die Tempel, die man auf dem Nassersee besichtigen kann, wären allesamt beim Aufstauen des weltgrößten Stausees für alle Zeiten verloren gewesen, wenn nicht die internationale Staatengemeinschaft eine Höchstleistung vollbracht, die Tempel Stück für Stück abgetragen und an höher gelegenen Stellen wieder aufgebaut hätte.


Die Pracht, die wir erlebt haben, hat mich zutiefst beeindruckt. Die Tempel sind nicht so riesig wie zum Beispiel der in Luxor, aber künstlerisch sicher genau so wertvoll.
Man sieht auf diesem Foto gut, wie der Tempel in Blöcke zersägt war, die alle numeriert und dann wieder aufgebaut wurden.

Ganz anders als bei den Nilkreuzfahrten ist bei dieser Reise auch das An-Land-Gehen: Man geht nicht vom Kreuzfahrtschiff direkt an Land, sondern wird in kleinen Booten an Land geführt, wo man sich die Tempel, von denen es oft auch mehrere auf einer Insel gibt, ergeht. Nein, nicht wandert, solche Dimensionen sind das nicht, sondern gemütliche Spaziergänge.


Auf den unbewohnten Inseln, auf denen es nichts gibt außer den Tempeln, entwickelt sich schön langsam aber sicher Leben.

Was mich zutiefst beeindruckt hat, war der Himmel. Das war ein tägliches Schauspiel, wie ich es noch nie erlebt habe: Wie bitte gibt es das, dass der halbe Himmel dicht bewölkt und die andere Hälfte wolkenlos und blitzblau ist? So etwas habe ich vorher noch nie gesehen.

Ein kleines Detail des Tempels Wadi El Seboua: So wunderbar gearbeitet! Die Reliefs wurden nicht mit Metallwerkzeugen herausgearbeitet, sondern mit noch härteren Steinen, also meistens Granit, der überall in Ägypten abgebaut wird.


Die Reisezeit mit Ende November war ausgezeichnet gewählt: Wir hatten um die 25 Grad bei sehr trockener Luft. Das heißt, es war auch kein Problem, bei blitzblauem Himmel ohne Schatten auf den Inseln herumzugehen und alles anzuschauen.


Immer wieder schön: Wenn man die Kabine betritt und einen wieder einmal ein Handtuch-Faltwerk erwartet. Auch immer ein Zeichen, ob das tägliche Trinkgeld auf dem Kopfpolster angemessen war.

Eisenbahnschwellen sind vielseitig einsetzbar und langlebig: Erst dienten sie tatsächlich einer Eisenbahn, dann wurden sie für den Transport der zersägten Tempel verwendet, heute sind sie immer noch im Einsatz bei den Eingängen der wieder aufgebauten Tempel.


Die Malereien an den Wänden der Tempel habe ich nirgends so farbenprächtig wie hier erlebt. Nicht einmal die Malereien in den Königsgräbern habe ich so bunt in Erinnerung. Und da recht wenige Touristen sich auf den Nassersee verirren, sind die Malereien auch noch nicht beschädigt durch die feuchte Atemluft.

Jeden Tag am Abend ein Schauspiel sondersgleichen: Wir sind abends immer auf Deck gewesen und haben eine Stunde lang der Sonne beim Untergehen zugeschaut. Noch nie habe ich rund um mich den ganzen Himmel so leuchten gesehen wir am Nassersee. Das ist sicher auch Glück, denn ganz wolkenloser Himmel war nicht so beeindruckend wie einer mit Wolken und die hatten wir abends oft.
Damit ist aber noch kein Ende mit dem Himmelsschauspiel. Der Sternenhimmel ist atemberaubend! In der Nacht haben wir raufgestarrt, bis entweder die Wolken oder der steife Nacken unsere Begeisterung beendet haben. Es gibt keinerlei Lichtverschmutzung, daher sieht man nicht nur die Milchstraße so deutlich, wie ich das sonst nicht kenne, sondern auch eine wahnsinnige Menge an Sternen. Der Turbohausmann, ein passionierter Sterngucker, war verzückt und verblüfft, weil er nicht einmal annähernd die vielen Sternbilder nennen konnte.


Auf dem Weg von einem Tempel zum anderen: Die Wege sind sehr gut befestigt, also auch für Touristen in den anscheinend unvermeidlichen Flipflops bestens geeignet.
Irgendjemand hat sich offensichtlich einmal sehr viel mehr Touristen erwartet, denn es ist alles mit Lampen ausgestattet − also war es irgendwann. Jetzt stehen nur mehr die nackten Säulen herum, Kabeln und Lampen wurde offensichtlich für etwas anderes gebraucht.


Wunderbar war die Ausstattung des Schiffs. Das ist eine von mehreren Bars, in denen man wirklich sehr bequem sitzen und lesen kann. Oder einen Cocktail schlürfen. Da gibt es einige Luxus-Dinge, die man anstellen kann.

Das Schiff hat vier Royal-Suiten, in die ich reinschauen durfte. Hier das Bad, das ungefähr dreimal so groß ist wie das in meiner Wohnung. Natürlich mit gut gepolstertem Sitzplatz in der Mitte, den ich leider nicht habe. Eine Suite kostet je nach Saison die Kleinigkeit von etwa 1.000,- Dollar pro Nacht.


Ägypten ist auch ein Land der Steine: Onyx findet sich an vielen Stellen. Daraus sind auch die Schachfiguren und -bretter auf dem Schiff gemacht. Allerfeinste Handarbeit!

Auf Deck hatten wir auch einen feinen Pool. Und natürlich viele Liegen. Bequeme Sitzplätze in Sonne und Schatten. Jeden Nachmittag gibt es Tee und Kaffee mit Kuchen − ist ja nötig bei sonst nur drei mehrgängigen Mahlzeiten am Tag.


Andere Dimensionen: Es gibt wirklich nichts, absolut gar nichts rund um den Nassersee. Entlang vom Nil gibt es viel Landwirtschaft, auch ein wenig Industrie, aber hier müssen die Leute, die in der Gegend leben, darauf hoffen, dass der eine oder andere Tourist vielleicht so einen handgemachten Gehstock brauchen kann.

Die Tempel unterliegen offensichtlich vielen Zwecken: Ich hätte eigentlich vermutet, dass die schwarze Decke hier von der feuchten Atemluft der Touristen kommt, aber mitnichten! Laut Talad, unserem Führer, haben hier Leute übernachtet und ein Lagerfeuer gemacht, die die Decke geschwärzt hat.


Für Touristen mit müden Beinen gibt es auf fast allen Inseln auf dem Nassersee diese "ägyptischen Taxis", die einen von einem Tempel zu anderen bringen.

Irgendwann habe ich es aufgegeben, alle ägyptischen Götter erkennen oder gar mit Namen kennen zu können. Es gibt Unmengen! Wie viele genau, das wusste nicht einmal unser Führer genau.


Das war dann einer der Momente, die für mich unter "to die for" fallen: Auf dem See nähert man sich Abu Simbel. Nirgends habe ich die Dimensionen der beiden Tempel so gesehen wie hier. Es war einer der vielen Momente dieser Tour, die mich sprachlos machten.


Weil Ägypten ein Land der Gegensätze ist: Dann gleich wieder etwas, das auf andere Weise atemberaubend ist. Ich weiß nicht, was hier versprüht wurde, aber wir haben alle Hustenanfälle ohne Ende gehabt.


Ich kann leider niemandem diesen kitschigen Himmel ersparen. Wenn man dieses Schauspiel jeden Tag eine Stunde lang erleben kann, dann gehört man wirklich zu den glücklichsten Menschen. Also wenn man die Gelegenheit hat, dann sollte man so eine Nasserseerundfahrt machen. Neben vielen Kunstschätzen sind diese Himmelsschauspiele etwas, das man gesehen haben sollte.



Mittwoch, 23. Januar 2019

Assuan anschauen

Dieses Mal waren wir lang in Assuan und haben sehr viel gesehen. Noch lange nicht alles, aber doch viel mehr als die anderen Male. Die Stadt hat auf ihre ganz spezielle Art einen Charme, dem ich mich nicht entziehen kann. Daher kommen nun ein paar Tipps und Einblicke. Wir haben fast alles auf eigene Faust gemacht, was sehr gut klappt. Die meisten Wege innerhalb Assuans kann man zu Fuß erledigen, für alles andere gibt es Möglichkeiten genug. Wenn man einmal in Ägypten war, dann hat man ohnehin gelernt, wie man handelt, dieses Wissen kann man dann bei jedem Taxi, jeder Kutsche und jedem Bootsführer anwenden. Die schönste Art der Fortbewegung ist zweifelsohne mit einer Feluke, den Segelbooten der Nubier. Das geht auch sehr gut, weil Assuan am Nil aufgefädelt ist. 

Gibt es spezielle Tipps von uns, die nicht unbedingt im Reiseführer stehen, dann hab ich sie jeweils dazugeschrieben.


Allgemeines
Alles geht hier ein wenig langsamer als in anderen Städten in Ägypten, was Assuan schon extrem sympathisch macht. Es ist zwar eine Millionenstadt, aber dennoch hat sie etwas Heimeliges an sich. 


Der Grund, warum der Verkehr langsam geht: Solche Schwellen findet man überall in Ägypten. Diese Achsenbrechervariante mit dem abgesunkenen Kanaldeckel habe ich aber nur in Assuan gesehen. Abgesehen von solchen Besonderheiten würde ich mir auch sonst keinen Leihwagen nehmen, da ich die Schilder nicht lesen kann und mir die orientalische Fahrweise sowieso die Haare zu Berge stehen lässt.


Man muss unbedingt Kleingeld parat haben für die teils abenteuerlichen Klo-Anlagen. Selten übrigens WC, weil kein Wasser vorhanden ist. Ein vorhandenes Waschbecken bedeutet noch lange nicht, dass man das Wasser auf aufdrehen kann. Die Wächter sind meist Männer, die wie bei uns Security-Leute aussehen und sich auch so verhalten: die lassen einen tatsächlich nicht hinein, wenn man nicht vorher bezahlt.
Tipp: Händedesinfektionsmittel haben wir in Ägypten immer mit.


Hunde und Katzen sind immer und überall zu finden. Bei aller Tierliebe: angreifen würde ich die alle nicht. Das sind keine Haustiere, sondern Wildtiere. Und ich bin sicher, die haben Mitbewohner im Fell!


Nubische Kultur: es gibt sie kaum mehr. Die nubischen Dörfer kann man zwar besichtigen, aber man bekommt eher das zu sehen, was Reiseagenturen denken, dass Touristen sehen wollen. Wir waren einmal in so einem touristischen Dorf, empfehlen können wir das nicht.


Was einem recht schnell auffällt, ist das Mausoleum von Aga Khan III., das hoch über Assuan von seiner Frau, der Begum, errichtet wurder. Besichtigen kann man es nicht.




Turbohausmanns Top 3
Die Top 3 vom Turbohausmann haben alle mit dem Nil zu tun. Der Fluss ist aber auch wirklich sowas von malerisch! Ganz besonders schön ist der Nil frühmorgens, wenn die meisten Leute noch schlafen. Da ist der  Fluss spiegelglatt und man ist praktisch allein. Da sollte man eine Bootsfahrt machen.


Eine Feluken-Fahrt sagt der Mann, muss man machen. Recht hat er. Ganz ruhig segelt man mit meist nubischen Steuermännern über den Fluss. Geht kein Wind, dann fährt man ganz sanft zick-zack von einer Nil-Seite zur anderen. So erlebt man den Nil ganz anders als auf den ratternden, stinkenden Motorbooten.


Sonnenuntergang am Nil von Feryal Garden aus gesehen. Der Park ist nicht wirklich spannend, die Sonnenuntergänge sind aber unvergleichbar schön. Man zahlt einen Eintritt, aber das ist so wenig, da braucht man eigentlich gar nicht drüber reden. Es gibt eine Terrasse, von der aus man ungehindert auf den Nil sehen kann. Der Sonnenuntergang dort ist einer der Momente, von denen man lang zehren kann.




Turbohausfraus Top 3
Der botanische Garten! Die ganze Kitchener-Insel gehört diesem Garten und allein die Lage ist schon unwahrscheinlich toll. Eine Palmenvielfalt wie dort habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen.
Tipp: Man hat ziemlich sicher rasch einen der vielen Gärtner zur Seite, die einem duftende Blüten pflücken, Zimtrinde abkratzen, Samen in die Hand drücken und alles mögliche zeigen, was einem sonst entgehen würde. Man sollte dieses Angebot ruhig annehmen, allerdings sollte man nicht davon ausgehen, dass alles stimmt, was einem die Gärtner sagen. Dass danach die Hand aufgehalten wird, darf einen nicht wundern, denn die Löhne sind haarsträubend niedrig.


Top Nr. 2 ist der Markt in Assuan. Das ist ein Markt, auf dem es kaum Touristen gibt, sondern hier kaufen großteils Einheimische ein. Daher sollte man sich auf vieles gefasst machen, Andenken sucht man aber erfolgreicher woanders. 
Tipp: Am besten geht man einmal tagsüber und einmal am Abend zum Markt, denn er wandelt wirklich das Gesicht je nach Tageszeit.


Das nubische Museum ist ein kleines Museum, das wir nun schon zum zweiten Mal angeschaut haben und ich würde gern noch ein drittes Mal hingehen. Da findet man wirklich Kunstschätze!
Tipp: Wenn ich noch einmal hingehen kann, dann würde ich das mit einem Führer machen. Ich hätte so viele Fragen gehabt, nur leider niemanden, der sie mir beantworten konnte.



Top 3 der Touristenagentouren
Wo man bei touristischen Touren durch Assuan immer landet, ist der High Dam, der große Staudamm, eine Meisterleistung der Ingenieurkunst. Das Denkmal, das Russland Ägypten geschenkt hat, sieht man in der Regel nur beim Vorbeifahren.
Tipp: Man sollte die Reiseführer ersuchen, dass man direkt in das russische Monument geht. Das ist nämlich sehr hübsch innen.


Der unvollendete Obelisk: 42 Meter Höhe auf einer Basis von 4 × 4 Metern mit einem Gewicht von etwa 1200 Tonnen − auch hier Dimensionen, die man kaum glauben kann. Vor allem, weil der Obelisk wohl so um 1500 v. Chr. händisch aus Granit gehauen wurde. Spätere römische Versuche, ihn aus dem Stein herauszuholen scheiterten ebenfalls.
Tipp: Kopfbedeckung nicht vergessen


Philae-Tempel: Zu Ehren von Hathor, anfangs eine Lokalgöttin, später Totengöttin und Göttin der Liebe, des Friedens, der Schönheit, des Tanzes, der Kunst und der Musik (ja, ägyptische Götter waren multitaskingfähig), wurde diese Tempelanlage gebaut. Für mich ist Hathor immer gut erkenntlich durch ihre hübschen Kuh-Ohren. Wir haben die Tempelanlage dieses Mal bei Nacht im Rahmen einer Sound- & Light Show gesehen.
Tipp: Diese Nacht-Show ist net so zwider, aber wenn ich nur die Wahl entweder/oder hätte, würde ich auf jeden Fall die Besichtigung bei Tag wählen.


Sonst noch ...
Vor den Toren Assuans liegt die Stadt Darau, wo jeden Samstagvormittag ein Kamelmarkt stattfindet. Das ist keine Touristenattraktion, da sieht man Hundertschaften von Kamelen und erlebt das Handeln der Männer, die ganz wichtig die Kamele inspizieren. Das macht diesen Kamelmarkt auch so einzigartig: Hier erlebt man Orient pur. Wir waren mit einem Führer dort, was ich dringend empfehlen würde, weil einerseits ist der Markt so abgelegen, dass man wahrscheinlich nicht hinfindet, andererseits bin ich nicht so sicher, ob man das gut abschätzen kann, wann einem ein Kamel wohlgesonnen ist und wann man besser in großem Bogen ausweicht.
Tipp: Gute Schuhe sind Pflicht (Unmengen Kamelmist!)


Koptische Kirche: Die ist vielleicht riesig! Ich habe vorher noch nie eine zweistöckige Kirche gesehen. Beide Geschosse sind sehr schön gestaltet, der untere Teil ist immer geöffnet.
Tipp: Es lohnt es sich auf jeden Fall, nach dem Mann mit dem Schlüssel zu suchen, der einem auch den oberen Stock aufschließt.


Was man einmal wagen sollte: Mit einem der uralten Peugeot-Taxis fahren. Wie auch sonst überall handelt man vor dem Einsteigen mit dem Taxifahrer und lässt sich in einer abenteuerlichen Fahrt zwischen Kutschen, Eselskarren, Lastwägen und Autos durch die Stadt führen. Eine gute Gelegenheit für eine Fahrt ist, wenn man etwas sucht, denn es gibt keine Straßenschilder noch sonst etwas, an dem man sich orientieren könnte.


Ein koptisches Denkmal aus dem 6. Jahrhundert ist das Simeonskloster. Das ist ganz sicher nur deswegen nicht auf der Hit-Liste der Reiseagenturen, weil es eher mühsam zu erreichen ist. Wir sind mit der Feluke hingefahren, dann keucht man einen Fußweg bergauf durch die Wüste und das in praller Sonne. Theoretisch gibt es auch jede Menge Mietkamele an der Bootsanlegestelle, aber das sind schon arme Viecher. Wir sind lieber zu Fuß gegangen. Es sind ein paar Einheimische beim Kloster und man hat so schnell, dass man gar nicht schauen kann, einen Führer, der einem irgendetwas erzählt, von dem man nicht sagen kann, ob das stimmt. Das hat aber den Vorteil, dass man wirklich jeden Winkel der recht großen Klosteranlage sieht.
Tipp: Kopfbedeckung und gute Schuhe!


Die Gräber der Noblen sind ebenso nur zu Fuß erreichbar: zwei Treppen führen von der Bootsanlegestelle auf den Berg. Die Breitraumgräber sind anders gebaut als die, die man vom Tal der Könige bzw. Tal der Königinnen kennt. Wer sehr gut zu Fuß ist, geht dann noch den Weg ganz nach oben zu dem Aussichtspunkt.
Tipp: Am besten mit einem Führer hingehen, denn sonst hat man keine Ahnung, was man da anschaut.

Old Cataract Hotel: Letztes Jahr hatten wir das Glück, dass aus unerfindlichen Gründen niemand dort wohnen wollte, also haben wir zu überschaubaren Preisen ein Zimmer bekommen. Wenn man diese Gelegenheit hat, dann bitte unbedingt nutzen! Das waren die beiden Nächte in einem Hotel, die ich in meinem Leben nicht vergessen werde. So etwas habe ich vorher nie erlebt und auch danach nicht. Das Haus wurde im Kolonialstil gebaut und zum Glück auch so erhalten. Die Aussicht ist ein Traum, die Gartenanlage ebenso! Man fühlt sich im alten Teil des Hauses zurückversetzt in eine Zeit, als dort "Der Tod auf dem Nil" von Agatha Christie verfilmt wurde.
Tipp: Man kann in gewisse Teile des Hotels auch dann rein, wenn man dort nicht Gast ist. Einfach beim Eingang nachfragen, dann kann man sich anmelden. Wenn gerade eine Touristengruppe drinnen ist, muss man warten, aber es gibt ja eh viel anzuschauen in Assuan. Es kostet um die 10,- Euro Eintritt pro Person und dann zahlt man noch einmal um die 10,- Euro für einen Kaffee. Das ist viel Geld, wenn man das so sieht, als wäre es "nur einmal reinschauen", aber es lohnt sich. Man sollte das als eine Sehenswürdigkeit betrachten und nicht als "nur ein Hotel". Es ist nämlich sehr viel mehr als "nur ein ...".



All time high


300 Kilometer südlich von Assuan liegt die Tempelanage von Abu Simbel. Das ist zwar eine weite Strecke, aber diesen Kulturschatz darf man sich nicht entgehen lassen, wenn man in Assuan ist. Die ganze Tempelanlage wäre beim Aufstauen des Nils überschwemmt worden und wurde daher nach einem internationeln Hilferuf der UNESCO in den 60er Jahren Stück für Stück zerteilt und an einem höher gelegenen Ort wieder aufgebaut.


Der große Tempel wurde Ramses II., der kleinere Hathor-Tempel (meine Lieblingsgöttin mit den Kuhohren) zur Erinnerung an Nefertari, der Frau von Ramses II. gewidmet. Führer dürfen keine mit in die Tempelanlagen, da man sich mit Führern wegen der Erklärungen länger in den Tempeln aufhalten würde und die Luftfeuchtigkeit beim Atmen der Bausubstanz sehr zusetzt.


Tipp: Es wird − natürlich zurecht − ein ziemliches Brimborium um diese Tempel gemacht, was auch mit sich bringt, dass die Selfie-Wut dort besondere Blüten treibt. Es lohnt sich also, sich auf eines der Bankerl hinzusetzen und anzuschauen, was manche Leute aufführen, um sich vor den Tempeln fototechnisch passend in Szene zu setzen.




Ja, das war's dann mit Assuan. Es gibt noch mehr, was man anschauen kann, alles haben wir in dieser abwechslungsreichen Stadt dann doch nicht gepackt. Aber wir haben wenigstens einen Grund, dass wir wieder hinfliegen können.

Und die Berichterstattung ist noch immer nicht vorbei, da kommt noch was.