Samstag, 1. Oktober 2022

Foodie-Rückblick auf September 2022

Enthält Werbung, weil ich Namen nenne und auch verlinke, aber es ist alles selbst bezahlt und ich hatte keinen Auftrag für Werbung. 

 

 Gegessen

Im September ist es verdammt schwer gewesen, das Highlight des Monats zu finden, aber schlussendlich ist es doch unser Essen in Almas Gastrotheque gewesen. Die Quereinsteigerin Christina Nasr kocht auf höchstem Niveau wunderbare Gemüseküche, also hauptsächlich Gemüsiges, aber auch ein bissi Fleisch oder Fisch. Es war alles zum Niederknien gut! Auch der Service ist echt nett. Uuuuund es gab Meyer-Zitronenlimo, hausgemacht. Damit hat Almas einfach gewonnen bei mir.

Auf dem Foto sieht man Tagliatelle mit dreierlei Mais (gepoppt, gekocht, gebraten). Eine sehr harmonische Zusammenstellung!

Mit Freundinnen war ich beim Umar-Fischrestaurant am Naschmarkt. Auch dort war das Essen zum Niederknien gut. Meine Freundinnen haben Fritto Misto gegessen und haben zufrieden gespeist, ich habe die Senegal-Garnele mit Gnocci gegessen. Ich habe so eine Riesentrumm-Garnele schon einmal gegessen (guckst du) und auch dieses Mal war es eine Offenbarung.

 

 




Einmal in der Saison lädt eine meiner Nachbarinnen eine Runde Nachbarinnen zum Tichy ein. Es ist immer so nett, wenn sie das macht. Sie hatte schon angekündigt, ich soll mich nicht wundern, wenn eine Tichy-Serviette im Postkastel liegt, da stehen dann Datum und Uhrzeit drauf, wann wir uns dort treffen. Jedenfalls habe ich das wohl letzte Mal für die Saison Eis gegessen, dieses Mal Eisspaghetti. Die sollte man echt nur beim Tichy essen: Die süßsaure Sauce passt perfekt zum süßen Eis, etliche Trockenfrüchte und auch Haselnüsse in der Sauce sind zuständig für den Biss. Ein bissi geriebene Haselnüsse on top sorgen für die passende Optik.

Im allerersten Lockdown haben wir zur Unterstützung von Lokalen Gutscheine gekauft, so auch vom Bruder xyz. Nun endlich haben wir ihn endlich eingelöst. Das Essen war sehr, sehr erfreulich. Nachdem das auch eine Bar ist, das Trinken genau so. Beidem widmet sich das Team mit großem Engagement. Die Getränkeempfehlungen passen genau so wie das gesamte Essen.

Auf dem Foto zu sehen ist meine Vorspeise: Schnecken. Und es wurde die einzig mögliche Variante gewählt, wie man Schnecken schön auf den Tisch bringen kann, nämlich man versteckt sie. Hier unter Gurken, Ribiseln und Chilimayo. Hat ausgezeichnet geschmeckt.

Schon öfter habe ich gehört, dass das Pflanzengeschäft (ja, wirklich!) Calienna so guten Kaffee hat. Das musste ich natürlich ausprobieren, als ich in der Nähe war. Es gibt ein paar kleine Tischchen vor dem Geschäft, wo man den Kaffee in Ruhe trinken kann. Es ist übrigens eine wirklich gut gehende Kaffeebar, wo auch Leute für unterwegs Kaffee mitnehmen. Der Kaffee war nicht nur mit Liebe zubereitet, sondern hat echt super geschmeckt. 

Und ja, es durfte auch eine kleine Pflanze mit, weil das Geschäft echt umwerfend schön gestaltet ist. Da geht man vom Betondschungel in einen wirklichen Dschungel hinein.

Regelmäßig gibt es beim Hengl-Haselbrunner Konzerte. So eine Gelegenheit haben wir genutzt und waren an einem lauen Sommerabend dort. Von der Speisekarte haben die Mohnnudeln rungelacht und wir haben zurückgelacht. Sie waren auch recht gut, ebenso das Apfelmus.

Sehr angetan war der Turbohausmann vom Gemischten Satz, den er dort getrunken hat.

Ein Familienausflug führte uns in den Molzbachhof, genauer gesagt in das dortige Wirtshaus. Das Essen ist gehobene Wirtshausküche und hat uns allen gut geschmeckt.

Auf dem Foto zu sehen ist meine geräucherte Forelle mit Forellenkaviar, Rahmsauce und Gurkennudeln.

Es gibt dort auch ein Gourmet-Restaurant, das wir uns bei Gelegenheit genauer anschauen werden.

Beim Motto kann ich bei Schönwetter schwer vorbeigehen. Der nette Schanigarten auf der Mahü ist zu verführerisch. Dieses Mal habe ich eine Melange getrunken. War wieder ein sehr guter Kaffee.

 

 

 

 

 

Mittlerweile sehr gut läuft die kleine Patisserie Viola, von der ich schon öfter geschrieben habe. Es hat sich wohl herumgesprochen, dass man dort gut brunchen, kaffeejausnen oder wie hier in meinem Fall den Mittagsteller genießen kann. Die Champignon-Lauch-Quiche war sehr gut, der Salat ebenso. Zu meiner Freude mit Blümchen am Tisch!

 

 

 

 


 

 

Gekauft

Ein wahnsinnig gutes Nussbrot habe ich beim Motto gekauft. Wie immer haben wir eine Woche an dem Brot gegessen und es war bis zum letzten Tag eine Freude. Die zweite Wochenhälfte halt aufgetoastet, aber immer noch gut.
Sehr gern mögen wir diese Zusammensezung zum Wochenendspätstück: Der Turbohausmann will einfach Handsemmeln, ich ein Mohnflesserl. Hier zu sehen sind wahre Meisterstücke, die stammen vom Öfferl. Dringende Nachkaufempfehlung.
Noch einmal das schöne (Wochenend-)Spiel: Handsemmeln und Mohnflesserl dieses Mal gekauft bei Ströck Feierabend. Beides wieder sehr gut. Ist echt schwer, wenn man so viele gute Bäckereien rundumadum hat.
Meine liebsten Wachauerlaberl sind vom Schmidl aus der Wachau. Nur echt mit dem S auf der Unterseite. Ich hab das Glück, dass ich diese Weckerl quasi vor der Haustür kaufen kann, nämlich am Viktor Adler-Markt beim Radatz. Dort bekommt man übrigens auch viele Joseph-Brote.

 

 

 

 


Sehr fein waren die Cannoli, die ich bei Donatella gekauft habe. Generell werde ich dieses Geschäft nun wohl öfter aufsuchen müssen, denn dort gibt es Guanciale, der himmlisch ausschaut, außerdem verschiedene Mortadella-Sorten, Salsicce und auch sonst alles Italienische, was das Herz begehrt.






 

Gekocht

Hach, wie liebe ich diese Saison, in der man Dirndln einkochen kann! Und dann gibt es auch gleich den Rahmschmarrn mit Dirndln. Jedes Jahr, immer! Das ist wirklich eine Köstlichkeit, die man nur mit frischen Dirndln und Dirndlsauce essen kann. Also los, es gibt auf den Wiener Märkten noch Dirndln!

Sehr gut und vor allem wahnsinnig einfach war dieser Halloumi mit Chili nach Nigella Lawson. Was bin ich froh, dass eine Packung Halloumi vom Grillen übrig geblieben ist, sonst hätte ich das Rezept wahrscheinlich nicht großartig angeschaut, aber es gibt eine Empfehlung von mir dafür.
Die Schiacciata mit Isabella-Trauben spricht man übrigens Schaschatta aus. Wieder so ein Pflichtrezept jeden Herbst. Und auch hier: Auf den Wiener Märkten gibt es noch welche. Am Schreimarkt beim Viktor Adler Markt und Naschmarkt habe ich welche gesehen.






Es gibt Rezepte, die sind in ihrer Einfachheit kaum zu übertreffen und dennoch so gut. Wir haben extra wegen dieses Rezepts jeden Sommer ein paar Pflanzen Jalpeños auf Balkonien. Man nehme milde bis mittelscharfe Chilis, schneide sie auf, nehme die Kerne heraus. Hinein kommt Ziegenfrischkäse. Dann wird eine Speckscheibe außen herumgewickelt. Entweder kommen die Schätzchen im Sommer auf den Grill (direkt grillen) oder wie jetzt ins Backrohr (200 Grad ca. 25-30 min). Köstlich als Vorspeise!


Auch ein Schatz, wenn gerade Dirndlzeit ist: Brandteigkrapferl mit Dirndlfülle Auch da sind frische Dirndln sehr gut, aber notfalls geht es auch nur mit der Creme. Die habe ich übriges abgeändert, so bringt man deutlich mehr Dirndlmarmelade rein und damit mehr Aroma. Sehr einfach zu machen und beeindruckt Gäste ganz bestimmt.

Gerade ist Paprika- und Chili-Aufbrauchen-Zeit hier. Die letzten Paprika dürfen sogar grün auf den Teller. Und da ist mein Lieblingsrezept das Feta-Chili-Dingsda vom Nigel Slater: einfach und schnell zu machen und schmeckt seit vielen Jahren immer wieder überzeugend gut.



Es gibt echt schöne Pilze derzeit! Am Markt habe ich noch Weinbergpfirsiche gesehen. Leider nicht die kleinen, aber besser große als gar keine. Dazu eigene Petersilie und ebenso selbstene Kirschparadeiser, da muss ich dann immer dieses Rezept kochen.




Der liebe Felix hat mir den Mund wässrig gemacht mit seinem Traubenrisotto. Nachdem er meinte, am besten wäre das mit Isabella-Trauben und ich noch einige übrig hatte, musste ich das natürlich ausprobieren. Ich gestehe, das Entkernen der Isabellatrauben war eine zache Angelegenheit, aber der Risotto war sehr, sehr gut! Bei uns war es ein Hauptgang und es gab Jakobsmuscheln dazu, was ich sehr empfehlen kann.




Sformatini di anelletti

Wenn ich mich nicht verzählt habe, dann bin ich mit dem heutigen Tag (19.9.2022) beim 18. nachgekochten Rezept aus diesem Buch. Und kein einziges habe ich bereut. Im Gegenteil! Ich habe im Mai aus Sizilien extra diese kleinen Ringerlnudeln mit nach Hause genommen, um dieses Rezept nachkochen zu können. Es war wieder einmal gelingsicher und einfach zu kochen. Geschmeckt hat es uns sehr gut.










Das war die letzte große Ernte auf Balkonien. Ich habe wieder viel Gärtnerisches dazulernen können in diesem Sommer. Zum Beispiel weiß ich jetzt, wie man Wein schneiden muss, damit der Stock auch trägt. Und ich weiß, dass ich Johannisbeertomaten eher nicht mehr setzen werde. Die sind echt mühsam zu ernten, weil sie bei mir nicht in Rispen getragen haben, sondern diese Zwerge waren alle einzeln auf der Pflanze und sind dazu noch extrem platzanfällig. Aber sonst war die Ernte wirklich gut. Vor allem Paprika und Chili haben sich bei diesem Wetter enorm wohl gefühlt. Meine thailändische Freundin hat das sehr gefreut, denn sie konnte Chilis nach Lust und Laune ernten. Ohne sie wären wir wahrscheinlich von den Massen überfordert gewesen.

Nun freue ich mich, dass ich noch einmal ins Meer springen kann. Zum ersten Mal in diesem Jahr so richtig im Meer schwimmen. Ich bin nämlich gerade in Tunesien. Wenn ich wieder da bin, erzähle ich mehr. Bis dahin nehm ich euch alle mal fest in den Arm! Machts gut und genießt das Leben.


Freitag, 23. September 2022

[Kino] Mittagsstunde

 

© Filmladen Filmverleih

Es ist sehr ungewönlich, dass ich hier einen Film, der nichts mit Essen zu tun hat, in einem eigenen Posting vorstelle, der Grund ist ein persönlicher: Der Film hat mich so intensiv mitgenommen, zurück in die eigene Jugend am Land, hat mir auch die eigene Gegenwart vorgehalten, nämlich das Altwerden der nächsten Angehörigen mit allen damit verbundenen Problemen.

© Majestic / Christine Schroeder

 
Eigentlich angeschaut habe ich den Film wegen des Stichworts "Flurbereinigung". Das war die versprochene tolle Neuerung, die mich durch meine eigene Kindheit begleitet hat: Das Schleifen der Raine, Zusammenlegen der Felder, daher größere Felder, die mit immer größeren Maschinen immer einfacher zu bearbeiten sind. Und damit verbunden das Anlegen breiterer Straßen, oft mitten durch Dörfer hindurch. Der heimliche Hauptdarsteller des Films ist ein fiktives Dorf, dessen Geschichte von den 60-er Jahren bis in die Gegenwart gezeigt wird, vom mehr oder weniger funktionierenden Dorfleben bis zu der Zeit, in der das Land zu einer leicht erreichbaren Schlafstätte geworden ist.
 

© Majestic / Christine Schroeder

Der Protagonist Ingwer Feddersen (Charly Hübner) ist in der Gegenwart Lehrer an einer Universität. Er lässt sich für ein Jahr beurlauben, um ein Sabbatical bei seinen mittlerweile gebrechlichen Eltern, die immer noch auf dem Land leben, zu verbringen und ihnen zu helfen. Das Dorf seiner Kindheit ist kaum wiederzuerkennen: Das Dorfwirtshaus seiner Eltern ist geschlossen, das kleine Geschäft am Eck ist verschwunden genau wie der große Kastanienbaum auf dem Dorfplatz. Und Ingwer fragt sich, wann ist die heilige Mittagsruhe, die es in seiner Kindheit gab, eigentlich verschwunden?

© Majestic / Christine Schroeder

Diese Verfilmung des Bestsellers von Dörte Hansen ist eine Erzählung über die Menschen im Norden Deutschlands, die nicht viel reden. Entsprechend ruhig ist auch der Film, dem jede Aufgeregtheit fehlt − was aber bitte auf keinen Fall heißen soll, dass sich zu wenig tut.

Regie führt Lars Jessen nach einem Drehbuch von Catharina Junk. Voll leiser Melancholie wird die Geschichte des Verfalls der Dorfkultur erzählt, bei der immer die Frage mitschwingt, wer wir als Individuen und als Gesellschaft in Zukunft sein wollen und wo wir hingehören. Natürlich kommen auch die ganzen familiären Querelen zutage und es zeigt sich, dass das heile Landleben dann doch nie so heil war, wie es sich anfangs anfühlt. 

Der Film ist wahnsinnig einfühlsam, auch gut für jemanden, der mit Norddeutschland nichts am Hut hat. Mir hat sehr gefallen, dass in dem Film die Menschen einfach Menschen sind und niemals "die Behinderte", "die Demente", "der Intellektuelle" oder sonst in irgendwelche Schubladen gesteckt werden. Jeder trägt auf seine Weise seine Bürde, aber auch seinen Stolz. Ich hab jedenfalls Rotz und Wasser geheult beim Anschauen. Es ist wieder einmal ein Film für eher mittelalte bis alte Menschen wie mich, Kinder und junge Leute werden mit der doch schwer verdaulichen Thematik eher wenig anfangen können.

© Majestic / Christine Schroeder

Der Film läuft heute, den 23.9.2022 in den österreichischen Kinos an und es gibt eine unbedingte Empfehlung meinerseits, sich den Film anzuschauen.
 

Dienstag, 20. September 2022

Kürbis-Salbei-Nudel-Gratin

In meiner Buchbesprechung von Mezcla habe ich gefragt, welches Rezept ich aus dem Buch vorstellen soll und das hier wurde gewünscht. Also los!

Was mir gefallen hat: Die Kombination von Kürbis und Salbei ist wirklich super. Außerdem empfehlen kann ich hier vom Blog das Kürbisrisotto mit Salbei und die Kürbis-Frittata mit Salbei

Das Gratin ist sehr gut vorzubereiten: Man kann bis zu 24 Stunden vorher alles so bereit machen, dass es zum Braten nur mehr Zimmertemperatur annehmen und ins Rohr wandern muss.

 



Zutaten für 4 Personen
½ großer Butternusskürbis. geschält und von Kernen sowie Fasern befreit (500 g) 
400 g süße, reife kleine Tomaten (z.B. Datterini), halbiert 
4 Knoblauchzehen. fein gerieben/ zerdrückt 
1 EL Tomatenmark 
Knapp 3 TL Salz 
5 g Salbeiblätter, grob gehackt, plus 10 Salbeiblätter zum Servieren 
6 EL Olivenöl, plus mehr zum Beträufeln 
220 g Obers plus 2 EL zum Servieren 
80 g Parmesan, fein gerieben, plus mehr zum Servieren 
¾ TL frisch geriebene Muskatnuss 
250-300 g getrocknete Lasagneblätter 
400 g Hühnerbrühe (oder Gemüsebrühe oder Wasser) 
Meersalzflocken 
frisch gemahlener schwarzer Pfeffer 

 

Den Backofen auf 220 °C (U)/240 °C (O-/U) verheizen. 

Mit einem Küchenhobel oder einem scharfen Messer den Kürbis sehr dünn in 4 mm dünne Halbmonde schneiden. In einer großen Schüssel Kürbisscheiben, Tomatenhälften, Knoblauch, Tomatenmark, Salz, Salbei, 4 EL Öl und reichlich Pfeffer mischen (das geht am besten mit den Händen). Beiseite stellen. In einer zweiten Schüssel Obers, Parmesan und Muskat verrühren. Davon 80 g beiseite stellen. 

Den Boden einer ofenfesten Form (28 x 23 cm) mit einer Schicht Lasagneblätter bedecken. Darauf eine Schicht Kürbismischung verteilen. Etwas von der Obersmischung darauf verteilen, dann so weiter schichten, bis Pasta, Kürbis und Sahne aufgebraucht sind. Gleichmäßig mit Brühe oder Wasser begießen, dann fest mit Alufolie bedeckt im Ofen 50 Minuten backen. Aus dem Ofen nehmen, die Folie entsorgen. Die restlichen 80 g Obersmischung über das Gratin löffeln und dieses für 10 Minuten in den Ofen stellen. 

In einer kleinen Schüssel die restlichen 2 EL Öl mit den restlichen 10 Salbeiblättern mischen. Blätter und Öl auf die Lasagne löffeln und diese eine letzte Runde, diesmal für 5-6 Minuten, in den Ofen stellen, bis die Salbei blätter leuchtend grün und knusprig sind und die Lasagne goldbraun ist. 

Noch 10 Minuten ruhen lassen, dann mit den restlichen 2 EL Obers, nicht zu wenig Olivenöl und reichlich Parmesan, Meersalzflocken und schwarzem Pfeffer vollenden.

Freitag, 16. September 2022

[Buchbesprechung] Mezcla von Ixta Belfrage

  Enthält Werbung (Verlinkungen, Namensnennungen) − unbezahlt und ohne Auftrag.



Nun kommt tatsächlich schon wieder eine Buchbesprechung. Sorry, aber ich kann nicht anders, denn dieses Buch ist echt so toll. Ich konnte mich mit dem Nachkochen kaum einbremsen und koche immer weiter draus, weil ich einfach nicht glauben kann, wie viel Umami im Essen stecken kann.

Nun aber der Reihe nach: Ixta Belfrages Kochstil ist von drei verschiedenen Ländern inspiriert: Brasilien (wo ihre Mutter herkommt), Italien (wo sie ihre prägenden Kindheitsjahre verbrachte) und Mexiko (wo ein Teil ihrer Familie lebte). Sie begann ihre Karriere in Ottolenghis NOPI-Restaurant und arbeitete dann fünf Jahre lang in der Ottolenghi Test Kitchen. Im Jahr 2020 war sie Co-Autorin des New York Times-Bestsellers Flavour mit Yotam Ottolenghi, weiters war sie auch am Kochbuch Shelf Love beteiligt. 

Wer mehr über Ixta Belfrage wissen will,  liest dieses Interview: Cooking Mezcla (Hui, die ist fesch!)

Mezcla, was auf Spanisch mischen heißt, ist kein rein vegetarisches Kochbuch, aber hauptsächlich finden sich darin fleischlose Rezepte (60 %). Bei vielen Rezepten sind Hinweise zu finden, wie man das jeweilige Gericht vegetarisch zubereiten oder es veganisieren kann. In jedem Fall wird gezeigt, wie Geschmack ans Essen kommt. Ixta Belfrage arbeitet viel mit allem, das viele Aromen mitbringt: Pilze, Käse, Paradeiser, Sojasauce, Butter und Olivenöl, Knoblauch und Zwiebel, Zitronen und Limetten, Chili in allen Schärfegraden, jede Menge Kräuter. Jedem Gemüse bleibt sein Eigenleben erhalten, nie wird es ersäuft in dicken Saucen, vielmehr wird durch die Zugabe von diversen Zutaten und Gewürzen das Aroma unterstützt. 

Die Rezepte klingen teilweise ungewöhnlich und unspektakulär, das Ergebnis ist aber immer ein Wow-Erlebnis. Sei es "einfach nur ein Salat", der dann nie "einfach nur" ist, oder Nudeln in Pilzsauce, die in der Zeit, die die Pasta zum Kochen braucht, fertig sind.

Die über 100 Rezepte sind klar und sachlich bebildert. Generell ist das Kochbuch grob in zwei Teile geteilt, der erste zeigt schnelle Unter-der-Woche-am-Abend-nach-der-Arbeit-Rezepte, der zweite Teil die eher aufwändigen gewidmet, wenn Gäste kommen oder man Lust auf Experimente hat. Es finden sich immer links die Zutatenliste und darunter die "Specials" des jeweiligen Rezeptes, also wie veganisiert man das Rezept, worauf muss man achten, welches Ersetzen von Zutaten ist möglich etc. Rechts sind die Arbeitsschritte simpel erklärt. Ich habe nun wirklich viel aus dem Buch gekocht und alle Rezepte sind leicht nachkochbar und gelingsicher gewesen.

Die Gliederung umfasst Einleitung, Zutaten und Für jeden Tag, Entertaining, Zu guter Letzt, außerdem ein Register und eine Danksagung. Die Kapitel Für jeden Tag und Entertaining sind in sich zum besseren Zurechtfinden noch einmal in vegetarisch, Fleisch und Fisch aufgeteilt. Die Abteilung Zu guter Letzt zeigt Rezepte für den krönenden Abschluss eines Essens. Die sind in der Unterabteilung Im Handumdrehen echt einfache Rezepte wie das Toskanische "Pane, vino e zucchero", Brot mit Wein und Zucker, aber auch hier kommt eine aufwändigere Abteilung namens Showstopper, wo man sich kochtechnisch austoben kann.

Dem Kapitel Zutaten sollte man sich schon gründlich widmen, denn hier sind Schätze aus aller Welt erklärt. Die Zutaten sind teilweise ungewöhnlich: Wer sich vor Wörtern wie Urfa-Chili (ganz milder, türkischer Chili) oder Loomi (schwarze Limette) schreckt, liegt mit dem Kochbuch falsch. Viele kennen solche Gewürze wahrscheinlich schon aus den Ottolenghi-Kochbüchern, wenn nicht: Man bekommt sie problemlos in Geschäften für türkische oder asiatische Lebensmittel. Und fürchten muss man sich auch nicht vor ihnen, denn wie man damit umgeht, ist im Kochbuch sehr gut erklärt.

Ja, nachkochen. Ich zeig euch jetzt ein paar so typische Highlights aus dem Buch und erzähle kurz, wie es mir damit gegangen ist.

Röstzwiebel-Aioli und Tomatentoast

Für die Aioli werden Zwiebel und Knoblauch im Backrohr geröstet. Ich bin sicher, das ist ein Grundrezept, das bei mir Dauergast sein wird. Jedenfalls kommt diese Paste auf geröstetes Knoblauchbrot, darauf dürfen dann Paradeiser, Basilikum, Schnittlauch und gehobelter Parmesan ruhen. Das war die erste Geschmacksexplosion, die mir das Buch beschert hat.

Flank Steak auf Tomaten gebettet, dazu Soja-Loomi-Ahornsirup-Butter

Eigentlich steht im Namen des Rezeptes schon fast alles, was reinkommt. Es ist tatsächlich fast spartanisch, als Beilage gibt es dazu passend schlich Brot. Das Ergebnis war dermaßen köstlich, dass wir uns drum gerissen haben, wer das letzte Tröpfchen von der Gewürzbutter mit Brot vom Teller auftupfen darf.


 

 

Römersalat mit Kräutern, Dressing mit Ahornsirup und Sesam

Nein, kein "nur ein Salat"! Neben hellem und dunklem Sesam, dazu geröstetem Sesamöl in der Marinade, geben Koriander, Minze und Basilikum diesem Salat unglaublich viel Geschmack! Geht kaum als Beilage, weil zu geschmacksintensiv, aber hervorragend als Vorspeise.


Currywürzige Garnelen-Jalapeño-Kroketten mit Scotch-Bonnet-Salsa

Dieses Rezept hat ausnahmsweise eine sehr lange Zutatenliste. Und bitte das schmeckt! Für mich war es perfekt, denn ich konnte eine Menge meiner Eigenbau-Chilis verwenden. Die Salsa war verdammt scharf und zusammen waren Salsa und Kroketten das allerfeinste Essen!

Mango-Käse-Salat mit Jalapeño-Chilischoten und Limette

Gerade haben die europäoschen Mangos Saison, so konnte ich an diesem Salat nicht vorbeigehen. Ich hatte das Glück, dass ich eine für dieses Rezept perfekte Mango, also gerade reif und dennoch schnittfest, ergattern konnte. Dazu noch Eigenbau-Chilis, Schalotten, Frühlingszwiebeln, schnittfester Ziegenkäse, ein Dressing aus viel Limettensaft, Sesamöl, Ahornsirup und fertig war ein kleines Abendessen.


Steinpilz-Ragù

Eine Soße, die nur 10 min. kocht und kein Fleisch enthält, ist nach ist nach italienischen Regeln wohl kein Ragù, aber dieses Rezept steht durch sein unglaubliches Aroma keinem Fleischrezept in irgendetwas nach. Ich bin sicher, das wird Stammgast bei uns werden, denn getrocknete Steinpilze habe ich immer daheim und gekocht ist es im Handumdrehen. Ich habe noch einen frischen Steinpilze oben drübergehobelt, aber den braucht dieses Rezept nicht wirklich.

 

Kürbis-Salbei-Nudelgratin

Das war ein sehr gut vorzubereitendes Essen. Die Kombination Kürbis-Salbei ist sowieso immer ein Traum! Also auch dieses Essen ein Hit.
 

 

 

 

 

 

 

Was es sonst noch zu sagen gibt? Die Rezepte sind einfach gehalten und eignen sich somit für Anfänger gut, nachdem der Kochstil vollkommen anders ist als alles, was man so kennt, sind auch ausreichend Ideen für im Kochen Fortgeschrittene in dem Buch zu finden. Einfache Gerichte für den Alltag finden sich ebenso wie aufwändigere für "schön". Mich hat es jedenfalls restlos begeistert.

Wer noch nicht überzeugt ist und gern selber etwas nachkochen möchte vor dem Kauf des Buches, findet beim DK-Verlag einige Rezepte, unter anderem das vom Steinpilz-Ragù. Noch mehr Rezepte (ja, auch die Steinpilze) bei goodfood. Von mir kommt auch noch ein Rezept, ihr müsst nur sagen, welches ich genauer zeigen soll.


Fakten zum Buch
ISBN 978-3-8310-4445-0 
Erschienen: August 2022 
Umfang: 288 Seiten, 
Format: 189 x 246 mm 
Fester Einband (Cover mit Folienveredelung) 
Über 150 farbige Fotos

Wie immer gibt es das Buch beim Buchhändler ums Eck zu kaufen, oder man kann es direkt beim Verlag bestellen.
 

Herzlichen Dank an den DK-Verlag dafür, dass er mir ein Exemplar für die Rezension zur Verfügung gestellt hat.

Die Links sind alle keine Affilate-Links.

Freitag, 9. September 2022

Kushari mit Zimt-Paradeisersauce

Ägypten ist ein Land, das ich liebe und mittlerweile sehr gut kenne. Eines der ganz klassischen Gerichte ist Kushari: eine Mischung aus Reis, Hülsenfrüchten und Nudeln. Klingt nach Arme-Leute-Essen? Exakt! Ägypten ist ein sehr armes Land, also was sollte es dort sonst für ein klassisches Essen geben. Und es gibt so wahnsinnig viele Varianten von Kushari! Es werden verschiedene Nudeln verwendet (aber immer kurze!), manchmal Linsen, manchmal Kichererbsen, bei Langkornreis sind sich aber alle einig. Ich habe einmal eine sehr gute Variante gegessen und die habe ich bis jetzt noch nicht zusammengebracht, daher durfte dieses Essen auch noch nicht auf den Blog. Bei meinen Recherchen rund um die Rezension von To mate bin ich auf das Kushari-Rezept von Claire Thomson gestoßen: Sie kocht Hülsenfrüchte, Reis und Nudeln in Suppe und genau das war es wohl, was das Rezept so viel besser gemacht hat. Dazu gibt es die aus ihrem Kochbuch angekündigte Paradeissauce. Ich habe mir erlaubt, das Rezept generell ein wenig zu ändern und vegan zu machen. Wir waren jedenfalls sehr begeistert.

 


Paradeissauce mit Zimt

Menge für 3 Personen:

2 EL Olivenöl
300 g Paradeiser
1 kleine Zwiebel, fein gehackt
2 Knoblauchzehen, fein gehackt
2 Lorbeerblätter, eingerissen
½ TL gemahlener Zimt
½ TL gemahlener Koriander
½ TL Piment
Chiliflocken zum Abschmecken
Salz
schwarzer Pfeffer

Man kann für dieses Rezept frische Paradeiser oder auch solche aus der Dose nehmen. Ich bin da immer relativ wenig elegant und schmeiße um diese Jahreszeit frische Paradeiser einfach in den Bender und püriere sie so. Mein Blender haut die Kerne kurz und klein, daher dürfen auch die und die Haut und der Strunk drinnen bleiben. 

Zwiebel im Öl anschwitzen, wenn der glasig ist, Knoblauch und Gewürze zugeben und alles ca. einige Minuten miteinander ganz sanft rösten. Die Paradeiser aus der Dose klein schneiden und samt Saft dazugeben bzw. ich habe meine "Passata" dazu geleert. Alles dicklich einkochen. Das dauert ca. 30 min. Danach die Lorbeerblätter herausholen, mit Salz, Pfeffer und Chili abschmecken. Ich habe die Sauce relativ scharf gemacht, was sehr gut zu dem Essen gepasst hat.

 


Kushari

Menge für 3 Personen:

½ kg kleine bis mittelgroße Karotten, geschält und längs halbiert 
1 große Zwiebel, geschält und in dünne Scheiben geschnitten 
1 EL Mehl
3 EL Olivenöl + mehr zum Frittieren
Salz
schwarzer Pfeffer 
1 TL gemahlener Kreuzkümmel
1 TL gemahlener Koriander
1 TL gemahlener Kurkuma 
100 g kurze Nudeln (hier Risoni) 
2 EL Olivenöl 
100 g Langkornreis, abgespült und abgetropft 
100 g grüne oder braune Linsen, abgespült, über Nacht eingeweicht 
1 Zimtstange 
750 ml kochende klare Gemüsesuppe 

Backrohr auf 180 °C Ober-/Unterhitze vorheizen. Karotten in eine feuerfeste Form legen, ein EL Öl, je eine große Prise Salz und eine gute Prise schwarzen Pfeffer dazugeben, vermischen. Gut mit Folie abdecken und etwa 35 Minuten braten, bis die Karotten weich sind. 

In der Zwischenzeit die Zwiebel in Ringe schneiden und mit ½ TL Salz bestreuen. Zur Seite stellen.

Die Nudeln in einem Topf mit schwerem Boden bei mittlerer Hitze etwa fünf Minuten in 2 EL Öl anbraten, bis sie braun sind. Reis, abgetropfte Linsen und Zimt dazugeben und weitere zwei Minuten unter ständigem Rühren braten. Einen Teelöffel Salz und die Suppe zugeben, Hitze reduzieren, zugedeckt 15–20 Minuten köcheln lassen, bis alles gar und die Flüssigkeit verdampft ist. Dabei nach fünf Minuten Garzeit leicht umrühren, um alles gleichmäßig zu verteilen. 

Folie von den Karotten entfernen, Rohr auf auf 200 °C hochdrehen, Karotten vorsichtig umrühren. Weitere 15 Minuten rösten, bis sie goldbraun sind. Auf altem Brot oder einem Stück Küchenrolle das überflüssige Fett runterziehen lassen.

Die Zwiebeln sollten nun Wasser gezogen haben. Mit einem sauberen Hangerl (Deutsche nehmen ein Geschirrtuch) gründlich trocken tupfen. Mit dem Mehl gut vermischen und in heißem Öl frittieren. Man muss daneben stehen bleiben, denn der Grat zwischen braun und schwarz ist immer ein sehr schmaler. 

Vor dem Servieren die Paradeisersauce noch einmal aufwärmen.

Zum Servieren das Kushari in eine breite Servierschüssel geben. Die Zwiebel oben drüberstreuen. Paradeissauce und Karotten dazu servieren.

Wenn es jemandem zu viel Arbeit ist, extra die Paradeissauce zu machen, dann kann man auch griechisches Joghurt dazu servieren.