Dienstag, 25. Juni 2019

[Buchbesprechung] Die neue griechische Küche von Christina Mouratoglou und Adrien Carré

Enthält Werbung (Namensnennungen, Verlinkungen, Belegexemplar)

Urlaubszeit! Leider bei mir noch nicht. Und leider auch nicht Griechenland. Grund genug, sich ein wenig griechische Sommerküche ins Haus zu holen. Vor allem diese griechische Sommerküche: Neu definierte griechische Küche, in der alles sommerlich leicht daherkommt.

Christina Mouratoglou und Adrien Carré betreiben gemeinsam in London ein griechisches Restaurant namens Mazi, was so viel wie "zusammen" heißt. Und was gibt es auch Schöneres als gemeinsam mit lieben Menschen in einer griechischen Taverne am Meer zu sitzen ... Ich schweife schon wieder ab! Dieses Buch hat es aber auch in sich. So viele schöne Fotos! Meer, Menschen, griechische Stimmung, griechische Märkte, malerische alte Häuser − wie Urlaub halt so aussieht. Und es gibt jede Menge schöner Food-Fotos. Leider nicht zu jedem Gericht, aber zu den meisten. Und von der Variante, wie ich es gern mag: Das Essen ist hübsch auf Tellern, Platten oder Schüsseln arrangiert und kugelt nicht verstreut in der Gegend herum.

Das Buch ist auch sonst sehr schön gemacht: Hardcover mit Tiefprägung, das macht schon was her. Dank eines Registers nach Zutaten und Rezepttitel findet man sich gut im Buch zurecht. In der Einführung erfährt man viel über die Philosophie des Restaurants, dessen Rezepte im Buch vorgestellt werden.

Die Rezepte sind ganz anders, als man das als Tourist oft erlebt. Nicht schweres Essen mit sehr viel Fleisch und literweise Olivenöl, sondern Neuinterpretationen. Da gibt es auch Mal vegetarisches Moussaka oder Zaziki mit wenig Knofel, viele Gemüsegerichte, auch Veganes ist dabei, viele Salate, alles sehr leicht − nicht nur leicht schmeckend, sondern auch leicht in der Zubereitung.

Die Rezepte sind unterteilt in "Amuse Shots", kleine Begrüßungsgetränke mit wenigen, meist griechischen Schnäpsen und vielen frischen Fruchtsäften, also etwas, was man im Sommer Gästen wirklich gern zur Begrüßung serviert, ohne dass die gleich rauschig einschlafen. Und wie geht es in Griechenland weiter? Natürlich mit "Brot", danach Mezedes, also kleine "Vorspeisen", die hier elegant in Gläschen serviert werden. Danach wird "Rohes und Salate" serviert, es folgen "Warme Gerichte", "Klassiker", die neu interpretiert werden, "Desserts" und "Cocktails".

Wo ich ein wenig Probleme hatte, war das Besorgen einzelner Zutaten. Ja, ich weiß schon, dass man im Internet eh alles bestellen kann, aber ich kaufe gern lokal und bio ein, was schon einschränkend ist. Mastixpulver und Mastixperlen oder gemahlenes Mahaleb gehören zu den Dingen, von denen ich nicht weiß, wo in Wien ich sie bekommen könnte. Aber die meisten Rezepte funktionieren mit Zutaten, die man in jedem Supermarkt kaufen kann.

Los geht es mit dem Kochen!

Salat mit Chicorée, Dill und Frühlingszwiebeln

Das ist ein Salat, den ich noch nicht kannte, aber laut Buch Salatklassiker Nr. 2 direkt nach griechischem Salat  − für den es natürlich auch ein Rezept im Buch gibt und zwar mit Microgreens, was ich mir sehr spannend vorstelle.

Dieser Salat hier ist eine Mischung aus Römersalatherzen und Chicorée, ich habe eine rote Sorte ergattern können, was dann natürlich optisch schon viel hermacht.

Der Salat ist im Nu gemacht und schmeckt wirklich gut.
Oster-Tsoureki

Ganz und gar keine Zeit für einen Osterstriezel, aber es gab in Wien im Juni zwei lange Wochenenden, die nach einem Striezel für lange Frühstücke gerufen haben. Ich habe noch Rosinen hineingeschummelt, weil wir die so gern mögen. Der Teig war sehr gut im Handling, was für mich mit den zwei Linken beim Flechten immer wichtig ist.

Hat wirklich gut geschmeckt!
Ladenia

Das kannte ich gar nicht, ist aber eine Brotspezialität von der ägaischen Insel Kimolos, also ein Klassiker. Germteig wird mit Paradeismark bestrichen, darauf kommen Zwiebel, Paradeiser und Oliven, dazu Olivenöl, Salz, Thymian und Oregano. Es ist fast schon eine einfache Pizza und mehr als nur ein Beilagenbrot. Bei uns war es eine warme Beilage zum Grillen.

Kommt sicher wieder auf den Tisch.
Karamellisiertes Schweinskotelett

Nachdem es das ganz feine Ladenia-Brot als Beilage gab, war der Fleisch-Einsatz auf ein Minimum reduziert und da kam dieses Rezept genau richtig! Das Fleisch wird für ein paar Stunden in einer Lake aus Meersalz und Zucker, dazu Gemüse und  Kräutern mariniert, danach kommt es auf den Grill oder unter den Backofengrill.

Top war das!
Zaziki

Ich liebe das ja, aber normalerweise kann ich Zaziki auf Grund der Knoblauchmenge nicht essen. Hier kommen auf 1 Gurke 2 kg Joghurt und nur eine Knoblauchzehe. Es ist also viel mehr ein eleganter Joghurt-Dip als ein rustikaler Salat. Ich habe es als Vorspeise zum Grillen serviert.

Weil es so gut war, werde ich dieses Rezept vorstellen.












Was ist nun die Zielgruppe? Ganz sicher alle, die gern griechische Küche mögen, aber neu und leicht interpretiert. Und alle, die so wie ich arg an Urlaubssehnsucht leiden, vor allem Griechenlandsehnsucht.
Man muss kein Weltmeister am Herd sein, um die Rezepte nachkochen zu können.


Fakten zum Buch
ISBN: 978-3-8310-3644-8
Erschienen: Jänner 2019
Umfang: 288 Seiten
Format: 97 x 253 mm, fester Einband mit Tiefprägung
Ca. 140 Fotos
Preis: € 24,95 (D) bzw. 25,70 (A)

Wie immer gibt es das Buch beim Buchhändler an der Ecke zu kaufen, man kann es beim Verlag Dorling Kindersley bestellen und bei diversen Internetvertreibern.

Herzlichen Dank an Dorling Kindersley Verlag dafür, dass er so ein tolles Buch herausgebracht hat und mir ein Exemplar für die Rezension zur Verfügung gestellt hat.

Donnerstag, 20. Juni 2019

Ramen, der Film

Enthält Werbung wegen Verlinkungen und einer Bloggereinladung



Gemeinsam mit der Giftigenblonden war ich vom filmladen auf einer Pressevorstellung von "Ramen Shop", einem Film, der auf der Berlinale 2018 vorgestellt wurde und nun in unsere Kinos kommt. Es ist eine Filmproduktion aus Japan und Singapur und ich muss gestehen, ich kannte nicht eine/n einzige/n Darsteller/in und auch den Regisseur Eric Khoo nicht, aber in Asien sind die alle sehr wohl bekannt und die Besetzung ist hochkarätig. Es ist ja kein Wunder, denn es geht um ein japanisches Nationalheiligtum: Ramen.



Die Handlung kurz angerissen: Masato (Takumi Saitoh) ist ein junger Ramen-Koch und lebt in Japan. Eines Tages stirbt sein Vater unerwartet. Er findet in der Hinterlassenschaft einen Koffer mit Fotos und einem Tagebuch seiner sehr früh verstorbenen Mutter. Seine Mutter stammte aus Singapur und Masato beschließt, dass er dort hin muss, um seine Wurzeln zu suchen. Dort trifft er sich oft mit Miki (Seiko Matsuda), einer Foodbloggerin, die ihm nicht nur das Essen in Singapur näher bringt, sondern auch hilft, weitere Verwandte ausfindig zu machen. Masato lernt nicht nur seinen ihm bis dahin unbekannten Onkel und dessen Familie kennen, er findet auch seine Großmutter. Außer sehr viel Menschlichem lernt er auch eine vollkommen neue Art des Kochens kennen und auch die Kunst des Beisammenseins mit einer Familie.



Mir hat der Film wahnsinnig gut gefallen. Es geht natürlich um Essen − das hier ist ein Foodblog, falls das jemandem neu ist! Es geht aber vor allem um große Gefühle: die Liebe zur Familie mit allen Hindernissen, die man sich nur vorstellen kann. Auch was es für seinen Vater und die Familie seiner Mutter geheißen hat, dass sich seine Mutter in den "Gastarbeiter" aus Japan, einem in Kriegszeiten verfeindeten Land, verliebt.

Mich hat der Film zu Tränen gerührt. Ich fand ihn wunderschön! Was mich manchmal bei Hollywood-Filmen unangenehm berührt, ist das Abrutschen ins Kitschige. Hier kriegt der Film die Kurve aber sehr gut und es wird nicht eine Sekunde peinlich. Also bitte: hingehen und anschauen!



 Filmstart ist am 28.6., also in einer Woche! Bitte nicht verpassen.




Montag, 17. Juni 2019

Gundel-Palatschinken mit Weichselröster

Gundel-Palatschinken sind ein Klassiker aus der ungarischen Küche und sind benannt nach seinem Erfinder, einem Koch namens Karl Gundel aus Budapest. Es sind Nuss-Rum-Palatschinken mit Schokosauce. In Budapest habe ich gesehen, dass manchmal kein Rum in die Nussfüllung kommt, sondern die Palatschinken vor den Gästen mit Rum flambiert werden. Oft wird dazu noch Schlagobers gereicht, im Sacher werden diese Palatschinken mit karamellisierten Walnüssen serviert. Im Original sind keine Weichseln dabei, doch bei mir ist das ein Muss. Aber wie man es dreht und wendet: Diese Palatschinken sind üppigst! Typisch österreichisch-ungarisches Essen halt.

Wenn mich die ersten Weichseln am Markt anlachen, dann weiß ich, dass ich bei meiner Familie Fischer (Werbung ohne Auftrag und ohne Bezahlung) anklopfen muss, wie es denn bei ihnen aussieht mit Weichseln. Und wenn ich die Schätze in den Händen habe, dann weiß ich auch wieder, warum ich mir die lange Anfahrt antue: Frisch gepflücktes Obst, vollreif, bio, voller Geschmack und so tolle Qualität! Ich habe mich am selben Tag noch an die Verarbeitung gemacht und bei 5 kg Weichseln waren genau 5 Stück dabei, die nicht ganz top waren, also aufgeplatzt oder die Schale irgendwie nicht so okay. So etwas findet man selten.

Ich habe Marmelade und Kompott gemacht, den Großteil habe ich eingefroren für meine Pflichtrezepte (Rote Grütze und Weichsel-Nuss-Strudel), ich muss an so einem Tag auch gleich etwas Weichseliges essen. Hier werden sie eigentlich degradiert zur Beilage in Form von Röster, also Kompott mit ganz wenig bis gar keiner Flüssigkeit, aber ich kann die ganz klassischen Gundel-Palatschinken ohne etwas Säuerliches nicht essen. So gesehen sind die Weichseln dann doch sehr wichtig.



4 Personen als Dessert oder 2 als Hauptgericht

Für den Röster:
½ kg Weichseln
2 EL Zucker
1 TL Vanillezucker
⅛ l sehr kaltes Wasser
 1 gehäufter TL Speisestärke

Für 4 Palatschinken:
80 g glattes Mehl
200 ml Milch
1 Ei
Salz
4 TL Butter zum Backen

Für die Nussfülle:
200 g Walnüsse
200 ml Milch
1 EL Zucker
1 EL Honig
1 EL Rum

Für die Schokosauce:
70 g Butter
140 g Schokolade (dunkle ist am besten, bei mir musste ein Osterei herhalten, Nougat geht auch)
1 Dressiersack aus Plastik, der vorne geschlossen ist


Die Weichseln waschen und entkernen. Mit Zucker und Vanillezucker langsam (damit nichts anbrennt) erhitzen, 5 min. köcheln. In der Zwischenzeit die Stärke in kaltem Wasser auflösen. Je nachdem, wie viel Flüssigkeit die Weichseln abgeben, gibt man dieses Stärke-Wasser-Gemisch dazu. Es soll die Flüssigkeit gerade gebunden sein. Überkühlen oder auskühlen lassen, je nach Gusto.

Für die Palatschinken alle Zutaten bis auf die Butter mit einem Schneebesen sehr gut verrühren. Das geht auch, während die Weichseln kochen. Der Teig soll ca. eine halbe Stunde stehen, damit das Mehl aufquellen kann.

Rohr auf 120 Grad Ober-Unterhitze drehen.

Walnüsse reiben. Milch mit Zucker und Honig aufkochen, die geriebenen Nüsse einrühren, aufkochen lassen, mit dem Rum abschmecken. Zugedeckt im Rohr warm stellen.

Eine Palatschinkenpfanne sehr heiß werden lassen, jeweils 1 TL Butter erhitzen und gleichmäßig verteilen. 1 Schöpfer Teig hineingeben, durch Drehen der Pfanne verrinnen lassen, auf beiden Seiten goldgelb backen. Die fertigen Palatschinken im Rohr warmhalten.

Für die Schokosauce die Butter mit der klein gehackten Schokolade schmelzen. Gut verrühren und in den Dressiersack einfüllen.

Weichselröster auf Schüsselchen aufteilen. Die Palatschinken mit der Nussfülle bestreichen, nach Lust und Laune einrollen oder falten. Vom Dressiersack eine ganz kleine Spitze abschneiden und die Schokosauce über den gefüllten Palatschinken verteilen.



Es sind wirklich aufwändige Palatschinken, aber die Arbeit lohnt sich! Sie schmecken schon sehr genial.

Das ist ja nun wirklich ein Klassiker und darf daher zu Julias Blogevent "Entstaubte Klassiker".

Freitag, 14. Juni 2019

Madeleines mit brauner Butter

Madeleines mag ich sehr gern. Leider sind sie noch viel zu selten vertreten am Blog. Zum Glück habe ich ja nun einen Grund, das zu ändern: In meiner Buchbesprechung hatte ich es angekündigt, dass ich das Rezept vorstellen werde.
Was ich bei der Zubereitung sehr schätze: Man kann den Teig am Vortag zubereiten, denn der braucht eine Ruhezeit im Kühlschrank. Oder man bäckt einen Teil an einem Tag, am nächsten Tag den nächsten. Das ist nicht die schlechteste Idee, denn lauwarm schmecken Madeleines immer am besten.

Diese hier sind durch die Zugabe von gebräunter Butter leicht nussig. Ein perfekter kleiner Happen zu Tee oder Kaffee, der zu jeder Jahreszeit passt.


Zutaten für ca. 20 Stück
110 g Butter
2 große Eier
100 g feiner brauner Zucker
100 g Mehl
1 TL Backpulver
15g Butter, geschmolzen, zum Einfetten
Puderzucker zum Bestäuben

Die Butter bei niedriger Temperatur schmelzen. Die geschmolzene Butter in zwei Hälften teilen, ein Teil in ein Gefäß geben und beiseite stellen. Die andere Hälfte auf dem Herd stehen lassen und weiter sacht erhitzen, bis sie eine bräunliche Färbung angenommen hat und nussig duftet. Vom Herd nehmen und zur anderen Butterhälfte geben.
Die Eier mit dem Zucker zu einer dicken Masse aufschlagen, mit einem Mixer dauert das mindestens 5 Minuten.
Das Mehl mit dem Backpulver über die Ei-Zucker-Masse sieben und mit Hilfe eines Teigspatels behutsam unterheben. Die Butter unterziehen, den Teig abdecken und mindestens 2 Stunden kaltstellen oder auch über Nacht.
Den Backofen auf 200 °C vorheizen. Das Madeleineblech mit geschmolzener Butter bepinseln, mit Mehl bestäuben. Dann die Vertiefungen zu zwei Drittel mit dem Teig füllen, da der Teig beim Backen aufgeht.
Die Madeleines im Ofen 7-9 Minuten backen, bis sie aufgegangen und gebräunt sind. Aus dem Blech stürzen und auf einem Gitterrost abkühlen lassen. So mit dem gesamten Teig verfahren.

Die Madeleines mit Staubzucker bestäuben und noch warm servieren.


Mehr Madeleines bei der Turbohausfrau: Bergamott-Madeleines

Dienstag, 11. Juni 2019

[Buchbesprechung] Little Library Cookbook von Kate Young

Enthält Werbung (Namensnennungen, Verlinkungen, Belegexemplar)

Lest ihr gern? Ich war immer schon ein Bücherwurm. Zugegebenermaßen immer öfter Kochbücher, weil ich danach ein wenig süchtig bin. Das Liebste ist es mir, wenn ich zwei Süchte auf einmal bedienen kann wie mit diesem Buch.

Aber einmal langsam der Reihe nach: Die Autorin Kate Young ist gebürtige Australierin, lebt seit 2009 in Großbritannien, sie ist Foodbloggerin,  schreibt für den Guardian, ist Lehrerin, Theaterproduzentin und leitet literarische Supperclubs. Und ich nehme an, ihr ist absolut nie langweilig! Das vorliegende Erstlingswerk erhielt in seinem Erscheinungsjahr 2017 prompt einen Buchpreis. In dem Buch sammelt sie 100 eigene Rezepte, die sie nach Vorbildern aus Büchern kocht. Man bekommt mit dem Buch also nicht nur Rezepte, sondern auch viele Ideen, was man vielleicht noch lesen könnte. Oder auch wieder lesen könnte, weil man leider schon wieder genug aus den Büchern vergessen hat.

Die Bücher sind wirklich quer durch den Gemüsegarten ausgewählt, sodass auch da jede/r fündig wird: Von "Pu der Bär" über Krimis, Liebes- und andere Romane bis zu hochkarätigen Autoren wie Marcel Proust oder James Joyce ist wirklich alles vertreten. Genau so ist es mit den Rezepten: Für alle Vorlieben finden sich Rezepte, einfache und ausgefuchste, schnelle und solche, bei denen man in voller epischer Breite kochen kann, was ich manchmal auch sehr gern mache.

Die Rezepte stammen aus folgenden Kategorien: "Guten Morgen", "Mittagspause", "Ist's Teatime", "Abendessen", "Schlemmereien um Mitternacht", "Parties & Feste" und schlussendlich "Weihnachten". Es gibt ein Rezept- und Zutatenverzeichnis, ein Autorenverzeichnis und natürlich ein Inhaltsverzeichnis, das heißt, man findet sich sehr, sehr gut in dem Buch zurecht. Das Buch ist Hardcover und mit einem Bändchen ganz liebevoll gemacht. Also nicht nur ein Buch zum Selberlesen, sondern auch eines, dass gute Figur macht, wenn man es verschenkt.
Die 95 Fotos sind hell und klar, es sind erfreulicherweise selten Hände oder Füße drauf, wenn dann arbeitende Hände beim Zubereiten der Gerichte. Es liegt kein Essen verstreut in der Gegend herum, sondern es ist dort, wo ich es gern mag, nämlich schön angerichtet auf Tellern oder in Schüsseln.
Die Mengen für die Rezepte sind ein wenig gewöhnungsbedürftig, weil sie sonst meistens in einem Buch durchgehend gleich bemessen werden. Aber in diesem Buch wird Porridge für eine einzelne Person gekocht, aber auch ein Schokoladenkuchen für 30 Kinder oder einen Bruce (das ist ein dezenter Hinweis auf das Buch, in dem ein Schokokuchen serviert wird; i.e. Roald Dahl, "Matilda") gebacken. Oder es werden 100 Stäbchen kandierter Ingwer gemacht, da habe ich gar keine Idee, wie viele Personen so etwas essen. Mit einem Wort: hier wird viel herumgespielt und darauf sollte man sich einlassen können, wenn man sich das Buch zulegt.

Eine zusätzliche Hilfe bieten bei jedem Rezept die Hinweise, welche Küchenutensilien für das jeweilige Rezept benötigt werden. Für low tech-KüchenbesitzerInnen ist so etwas schon eine große Hilfe, weil man nicht jedes Rezept durchlesen muss, um zu schauen, was man für Gerätschaften benötigt. Übrigens auch ein großes Plus an dem Buch: Man muss nicht jede Menge Schnickschnack in der Küche haben, die Rezepte gelingen mit einer 08/15-Austattung wie meiner sehr gut.

Die Autorin verfasst vor jedem Rezept eine Seite, wie sie das Essen in dem Buch empfunden hat oder was sie an das Buch verbindet. Man bekommt immer ein Gefühl mit, unter welchen Umständen das Essen in dem Buch gegessen wurde. Vor allem spürt man, mit welcher Liebe zum Lesen und zum Essen die Autorin an die Rezepte herangegangen ist.

Nun zu den von mir ausprobierten Rezepten. Dieses Mal schreibe ich auch jeweils die Buchtitel dazu, damit man eine Idee bekommt, wie verschieden die Bücher sind, aus denen die Gerichte stammen.

Éclairs mit Pistaziencreme

Idee aus "Englische Liebschaften" von Nancy Milford

Éclairs werden aus Brandteig gemacht, hier mit Pistaziencreme gefüllt, mit einer Rosenwasserglasur glasiert und mit gehackten Pistazien bestreut. das Rezept ist gelingsicher in allen Teilen.

Eine wunderbare kleine Köstlichkeit, die ich sicher noch einmal machen werde!
Fish & Chips

Idee aus "The Bear Nobody Wanted" von Janet und Allen Ahlberg

Der Klassiker hat uns sehr gut geschmeckt. Der Trick, dass die Fischpanier schön knusprig wird, besteht aus eiskaltem prickelndem Mineralwasser im Backteig. Und es wird das Rezept sehr gut beschrieben, sodass man mit nur einem Topf mit Frittierfett gut auskommt: Die Pommes werden  nach dem Vorkochen einmal vorgebacken, wie sich das so gehört, dann kommt der Fisch in dasselbe Fett, danach kommen die Pommes ein zweites Mal hinein.

Ein aufwändigeres Essen, das ich liebe! Und in diesem Rezept wirklich sehr gut erklärt, sodass man nicht ins Schleudern gerät.
Spaghetti mit Fleischbällchen

Idee aus "Der Pate" von Mario Puzo

Wohlfühlessen, wie es sein muss! Fleischbällchen kann ich in allen Varianten und immer essen. Diese hier sind ausgesprochen gut. Durch die dem Faschierten beigegebenen, händisch ganz winzig gezupften Weißbrotbröseln wird die Masse schön flauschig, durch das vorherige Anbraten hat man Röstaromen und eine Knusperkruste.

Jederzeit gern wieder!

Madeleines

Idee aus "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" von Marcel Proust

Dieses Rezept werde ich vorstellen, denn ich mag Madeleines sehr gern und die hier waren hervorragen. Richtig klassische Madeleines mit brauner Butter drinnen.

So ein kleines feines Gebäckstück zum Kaffee, damit bekommt man mich immer!

Mint Julep

Damit niemand glaubt, es gibt "nur" Essen in dem Buch, habe ich auch ein Getränk nachgemacht. Die Idee stammt aus dem "Großen Gatsby".  Buch und Getränk sind Klassiker, ich habe eigene Minze dazu ernten können.

Auch hier beschreibt die Autorin ihre Beziehung zu diesem Getränk und auch, dass der Cocktail im "Großen Gatsby" unter wenig relaxten Bedinungen serviert wird: explosive Stimmung, aufgeheizt durch den Whiskey, Hitze und ein Sommer schlecht gehüteter Geheimnisse begleiten einen dann auch beim Trinken und man erinnert sich an die unaufhaltsame Katastrophe, in die das Buch steuert.











Fakten zum Buch 
Gebundenes Buch
320 Seiten
Verlag: Wunderraum
ISBN-10: 3336547997
ISBN-13: 978-3336547999
Originaltitel: The Little Library Cookbook
Format: 18 x 3,2 x 24,6 cm
Preis 22,- €

Sehr hübsch finde ich diesen youtube-Film,  in dem ein Rezept gezeigt wird.

Man kann das Buch direkt beim beim Verlag bestellen oder beim Buchhändler des Vertrauens oder bei einem der vielen Internetanbieter.

Vielen Dank an den Wunderraum-Verlag, dass er dieses zauberhafte Buch herausgebracht hat und mir ein Belegexemplar zur Verfügung gestellt hat.