Mittwoch, 1. Februar 2023

Foodie-Rückblick auf Jänner 2023

 Gegessen

Weil ich in der Nähe war und einfach nicht vorbeigehen kann, war ich im  L'Amour du Pain und habe mir dort ein ganz extrem feines Spätstück gegönnt: Cafè au Lait und Far Breton. Und ich hab wieder mal festgestellt, dass ich den Far Breton auch daheim brauche. Ich werde euch also demnächst mit diesem superfeinen, nicht zu süßen Puddingkuchen mit aromatisierten Dörrpflaumen beglücken.

 

 

Mit einer Freundin habe ich mich zum Spätstück im Cafe Museum getroffen. Die Freundin hat gesagt, dass man unbedingt ein Kipferl dort essen muss, denn die backen sie selber. Schon beim Reinkommen hatten mich die auf Tellern schon bereitgestellten Briochekipferl (wirklich sehr große) angelacht und ich muss sagen, dass sie wirklich richtig gut waren. Also man sollte dort wirklich so ein Kipferl essen. 

Mit noch einer Freundin habe ich mich im Gregors auf einen Kaffee getroffen. Der Kaffee war ausgezeichnet, er war von der Rösterei Alt Wien. Ich hab einen Krapfen dazu gegessen, das war einer der besten, die es in Wien gibt. Die Marillenmarmelade hat sehr kräftig nach Rum schmeckend, aber das ist eher so mein persönliches Ding, dass ich kaum trinke und mir so etwas dann schnell auffällt. Meine Freundin hat eine Mohntorte gegessen und die war sehr gut. Auch total schön gearbeitet mit viel Liebe zum Detail. Patisserie, wie sie sein soll!

Und noch einmal Kaffee mit Freundinnen: Am Samstag am Karmelitermarkt ist es immer eine große Freude einzukaufen. Und wenn man schon da ist, dann geht man natürlich auf einen Kaffee beim Kaas − also wenn man denn einen Tisch kriegt, denn am Samstag reservieren sie leider nicht. Wir hatten jedenfalls Glück und der Kaffee war wieder ausgezeichnet. Kein Wunder, der Rohstoff kommt von der Rösterei Alt Wien.








 

Gekauft

 

Der Luxus der kleinen Frau: Ich war beim Meinl am Graben einkaufen, weil leider der Denns meinen Lieblingspowidl nicht mehr hat, also durfte dieser auch extrem gute Powidl, der außerdem seeeehr fesch ausschaut, bei mir einziehen. Ziemlich geschwächelt haben die vielen Zitrusfrüchte, die es dort gibt, daher war die Versuchung nicht wirklich groß, dass ich zuschlage. Dafür haben mich die Schokoladen sehr angelacht und es durften welche mit.


Ein sehr nettes Vollkornbrot ist der Mühlviertler Vollkornlaib vom Gragger. Das Brot besteht aus Roggenvollkornmehl und Natursauerteig, gewürzt ist es mit Kümmel, Fenchel, Koriander und Steinsalz. Gewürzt ist das Brot recht dezent, sodass es nicht zu sehr in eine rustikale Richtung drängt.
Auch beim Gragger gekauft habe ich diese Butter, die ich durchaus erwähnenswert finde. Es ist eine Süßrahmbutter der Firma Biowiesenmilch. Sie schmeckt wie alle Süßrahmbuttersorten ein klein wenig milder und süßer als Sauerrahmbutter. Das kommt mir immer recht für ein Kipferl oder Brioche.
Und da sind wir auch schon beim Brioche: Der Gragger hat auch einen feinen Briocheknopf ohne Zucker drauf. Hat uns sehr gut zu einem Spätstück geschmeckt.

Es gibt wieder Tarocco beim Crupi. Ich habe auch noch Zitronen und echte Mandarinen ergattern können. Wie immer, wenn ich dort einkaufe, stehe ich in einer Schlange wie früher im Ostblock angestellt, aber es lohnt sich immer.

 

 

 

Ein bissl angeschlagen schaut das Pierre Croissant vom Ströck aus. Aber das ist einfach so, dass auch mal etwas absplittert bei einem so feinen Croissant wie diesem, das wirklich aus enorm vielen Schichten besteht. Ich mag sowohl das Croissant als auch das Briochekipferl gern zum Wochenend-Spätstück.
 

 

 

 

Vom Joseph kommt dieses ganz feine Nussbrot. Lustigerweise ist das auf der HP gar nicht zu finden. Okay, werde ich halt nicht erfahren, welche Inhaltsstoffe drinnen sind. Ich habe aber volles Vertrauen, dass da nichts Übles drinnen ist.

 

 

 

 

Erstmals habe ich das Roggenbrot vom  L'Amour du Pain gekauft. Bitte, die machen echt die besten Brote dort. Genau so, wie ich Roggenbrot mag: Sehr knusprige Kruste, bissfeste Krume, sehr wandelbar, was den Belag angeht. Nachdem ich so gute Butter hatte, hat es gereicht, einfach Butterbrot zu essen. Wirklich eines der besten Brote von Wien.

Und weil ich schon dort war, hab ich auch noch Toastbrot vom  L'Amour du Pain mitgenommen. Das war auch gut. Vor allem relativ klein, also war es in zwei Tagen aufgegessen. Wir haben echt Glück in Wien, dass wir solche Bäcker haben.










Ja, Samstag Karmelitermarkt, da muss ich dann immer auch zum Sussitz, denn dort gibt es allerfeinste Sachen: Von den Gewürzen über Pasta und Konserven aller Art und natürlich auch Wein. Aber wir sind nicht so die großen Trinker, vor allem ich nicht. Aber was ich mag, ist so etwas wie Pedacola: ein naturbelassener Sirup, den man mit eiskaltem (wichtig) Soda aufspritzt. Mit so einer Flasche komme ich ewig aus. In diesem Geschäft krieg ich außerdem meine geliebten Fregola Sarda und die Gewürze vom Alten Gewürzamt sind auch immer eine Freude.

Krapfen vom Kasses: Ja, die sind wirklich in der Liga der Top-Krapfen in Wien. Sie haben einen ganz feinen Biss und sind nicht nur wattig aufgeblasen. Richtig gute Marillenmarmelade, fruchtig im Geschmack, perfekte Menge, nicht zu flüssig. Also eine Empfehlung von mir! Gekauft beim Kaas.


Von einer Bäckerei, die ich nicht kenne, stammt diese Brioche: Weichslbaum heißt sie und ich kenne bisher noch nichts von ihr, aber nach dem Genuss der Brioche sollte ich das dringend ändern. Gekauft habe ich das Wunderstück beim Kaas. Ganz flauschig-flaumig und auch am nächsten Tag noch wunderbar! Aus den Resten wurde dann Scheiterhaufen.

Ein letztes Brot muss ich euch noch zeigen, dieses Holzofenbrot. Die Bäckerei Ströck hat ihre Wurzeln in Kittsee im Burgenland. Vor etlichen Jahren hat Ströck den Pierre Reboul vom Café Central abgeworben und der ist seither Entwicklungsbäcker beim Ströck. Von ihm stammt das Pierre-Croissant, das er in endloser Arbeit so hingebracht hat, dass es nun in allen Filialen angeboten werden kann. Zu Beginn war das das erste vernünftige Croissant, das man in Wien kaufen konnte. Aber ich schweife ab: Dieser Pierre Reboul bäckt im alten Holzofen in Kittsee dieses Brot, das nur am Samstag am Karmelitermarkt und in zwei Feierabend-Filialen verkauft wird. Ich kann nur sagen: Bitte probierts das aus. Es ist wirklich unglaublich gut!

 

 

 

 Gekocht

Eigentlich ist die Zeit für Braunschweiger Kraut schon vorbei, aber ich hab zufällig noch richtig schönes in einem türkischen Supermarkt gesehen, also konnte ich nicht vorbeigehen. Einmal im Jahr sind diese Bourgeoisen Krautrouladen Pflicht! Dieses Mal war das Krauthappel nicht so riesig, wie das Braunschweiger Kraut manches Mal halt so ist, daher sind die Rouladen kleiner geworden, als ich sie sonst mache. Aber weniger als so eine große Form mache ich niemals, denn die Rouladen lassen sich leicht einfrieren und sind immer wieder ein willkommenes schnelles Essen.
 

 

Nach den Krautrouladen ist in meiner Küche vor den Krautfleckerln. Immer wieder ein heiß geliebtes Essen! Dieses Mal durfte noch ein wenig Petersilie, die gerade da war, in die Fleckerl rein, was nicht nur optisch eine nette G'schicht war.

 

 

 

 

 

 

Natürlich durften im Jänner auch die Orangenpalatschinken, eine meiner liebsten Süßspeisen, nicht fehlen. Darin könnte ich mich eingraben!

 

 

 

 


Auch ein seit Jahren gern gesehenes Essen ist dieser Salat aus Grünkohl und schwarzem Rettich. Der Grünkohl war aus eigenem Anbau − so ziemlich das einzige, was diesen Winter auf Balkonien wächst. Dieses Mal hatte ich für den Salat nicht einmal frische Chili, daher haben zwei verschiedene Chiliflocken aus dem türkischen Geschäft herhalten müssen. Ist besser mit frischen Chili, aber auch so sehr gut.

Es war wieder einmal Zeit, um Erdäpfel zu kaufen. Der Lieblingserdäpfelbauer liegt zum Glück am Weg zu Freunden und man kann zu ungewöhnlichen Zeiten dort einkaufen. Ich hab tatsächlich für über 20,- € nur Erdäpfel gekauft. Dafür reichen die nun auch wieder für Monate. Eine bunte Mischung Speckige für Petersilerdäpfel und Co. durfte mit, meine geliebten Sieglinde für Salat und ein großer Sack Mehlige für Püree, Erdäpfelgulasch usw. Auf dem Foto sieht man die gehobelten Speckigen, aus denen ich Chips gemacht habe. Chips nicht einfach so zum Knabbern, sondern als Beilage. Wir stehen auf knusprige Erdäpfel.

Überhaupt ist Knusper unumgänglich, finde ich. Daher mag ich gern Granola, das ich ca. einmal im Monat selber mache. Mittlerweile nicht mehr in solchen Mengen wie im Rezept, denn nach einem Monat verabschiedet sich der Knusper, selbst wenn das Granola in wirklich luftdicht verschlossenen Gläsern auf seine Verwendung warten darf.

Hier gab es Granatapfel mit griechischem Joghurt und Granola. Seit ich weiß, wie man den Granatapfel richtig auslöst, ohne danach die gesamte Küche putzen zu müssen, sind wir Freunde geworden. Übrigens sind tatsächlich die gelben Granatäpfel die süßen und die roten die säuerlichen. Gut zu wissen, finde ich, damit man sie entsprechend einsetzen kann.

Dieses Rezept für den Wunderkuchen aus dem Jahr 2011 ist ein hier gern gegessenes. Wunderkuchen deshalb, weil kein Mehl drinnen ist und neben den geriebenen Mandeln kein weiteres Fett reinkommt. Nachdem da zwei ganze Orangen reinkommen, ist der Kuchen ein Haucherl bitter, was meinem Geschmack sehr entgegenkommt.

Und wieder einmal zeigt sich, dass es wichtig ist, seine eigene Rezeptsammlung zu haben, denn der Blog, von dem ich es habe, ist leider nicht mehr da. Sehr schade übrigens, denn Fool For Food war der erste Blog, den ich gelesen habe.


Rote Rüben-Curry ist so ein Lieblingswohlfühlessen. Vor über 7 Jahren haben wir das erstmals auf Sri Lanka gegessen, ich habe ein paar Anläufe gebraucht, bis ich es so einigermaßen hingekriegt habe, aber nun gibt es das jeden Winter. Die frischen Curryblätter machen sich aber auch zu gut in dem Curry.



Ja, ja, man kann Artischocken auch roh essen. Zum Beispiel in Form dieses Artischockensalats. Die Artischocken kommen von CrowdFarming, die Pflücksalate dieses Jahr leider nicht von Balkonien, die lassen heuer ziemlich aus, sondern vom Krautwerk. Immer noch unbedingte Nachkochempfehlung für diesen Salat.








Gesehen

© Filmladen Filmverleih

Ich sags euch, jetzt war ich tatsächlich in einem Zombie-Film! Das war für mich das erste Mal Zombies im Kino. Und siehe da, ich hab genau den richtigen Film für mich ausgesucht. Der war soooo witzig! Es ist aber auch nicht irgendein Zombie-Film gewesen, sondern der Oscar®-prämierte "The Artist"-Regisseur Michel Hazanavicius hat diesen Film gemacht und es war der Eröffnungsfilm für die diesjährigen Filmfestspiele von Cannes. 

Die erste halbe Stunde dachte ich, najaaaaa, Zombie-Filme sind halt doch eher blöd und nichts für mich, aber dann stellte sich heraus, dass es ein Film im Film ist, Meta-Ebene sozusagen. Anfangs bekommt man diverse Klischees serviert: der Regisseur am Rande des Nervenzusammenbruchs, dem Hauptdarsteller kann genau gar nix recht gemacht werden, die Hauptdarstellerin ist eine Niete, der Kamermann hat Rückenschmerzen, der nächste Mitwirkende hat Bauchschmerzen − lauter Diven, wie sie im Buche stehen.

Wenn man die wirklich fade halbe Stunde am Anfang durchgestanden hat, kommt der Film in Schwung und ich habe Tränen gelacht! Damit hat der Film meine Anforderung, dass ich unbedingt weinen will im Kino, tatsächlich bestanden. Und so nachträglich gesehen macht die erste halbe Stunde wirklich Sinn, daher kann ich auch nicht raten, dass man einfach zu spät hingeht. Das ist wie bei dem Buch "Der Name der Rose", bei dem sich die ersten hundert Seiten auch ziehen wie Kaugummi, aber danach kann man das Buch nicht mehr aus der Hand legen. 

Zu den Schauspieler:innen kann ich nicht so viel sagen. Der einzige, den ich gekannt habe, war der als Kamermann besetzte Gregory Gadebois, denn der hat im Film À la carte die Hauptrolle gespielt. Roman Duris spielt die männliche Hauptrolle, Berenice Bejo die Maskenbildnerin, Finnegan Oldfield den männlichen Hauptdarsteller, Matilda Lutz die weibliche Hauptdarstellerin.

Also falls jemand fast zwei Stunden wirklich kluge und dennoch lustige Unterhaltung mit vielen erstaunlichen Wendungen haben will, dann bitte hingehen! Zombiefilmfan muss man nicht sein, damit einem der Film gefällt. Auch wenn man einfach Kino mag, ist es ein empfehlenswerter Film, weil der eine wirklich schöne Liebeserklärung ans Kino ist.

Filmstart in Wien ist am 10.2.2023


Ach ja, ich war auch in Avatar II. Knapp zusammengefasst: Mehr als drei Stunden imposanteste Rechenleistung in Form von Tricktechnik und Gemetzel. Keine Handlung. Wird sicher viele Oskars kriegen. Ich hab keine einzige Träne vergossen, also keine Turbohausfraueneignung.


Jetzt war ich ganzen Monat nur ein einziges Mal essen und das war so, dass ich nicht darüber schreiben mag − naja, passiert auch mir ab und zu. Aber die Mit-Freundinnen-Kaffee-Treffen waren alle wirklich fein. Übrigens hab ich jetzt mal gelesen, es gibt eine Studie, welche Beziehungen uns glücklich machen im Leben: Erstaunlicherweise sind das nicht Familienbeziehungen oder ein gutes berufliches Zusammenspiel oder sonst was, sondern es sind stabile Freundschaftsbeziehungen. Na bitte! Hab ich diesbezüglich alles richtig gemacht und kann daher diese Studie nur bestätigen.

Was mich immer sehr freut: Wenn meine eigene Meinung bestätigt wird. So ist ja ganz Favoriten bis auf mich davon überzeugt, dass die Groissböck-Krapfen die allerbesten sind, aber auch ich meine, dass die besten aus Favoriten kommen, aber vom Oberlaa. Genau dasselbe Ergebnis fand sich nach einem Tasting vom Gault Millau. Nach wie vor sind das übrigens die teuersten auf dem Markt. Die Krapfen von der Bäckerei Mann kamen auf Platz 2, das ist einer der günstigsten. Platz 3 hat der vom Demel erzielt. Dazu kann ich gar nichts sagen, denn den habe ich vor Jahren zum letzten Mal gegessen, weil das Anstellen dort ist mir zu mühsam.

Überall wurde während des ganzen Monats quer durch das Internet laut getrommelt von wegen "Veganuary" und "Dry January". Also wen das interessiert: Bitte weitergehen, hier ist der falsche Ort. Kein Getrommel, sondern Normalbetrieb, denn "dry" und "veggie" sind fast die Tagesordnung. Ja, es wird auch mal Fleisch gegessen oder ein Glas Wein getrunken, aber sonst ist das Essen wie in meinen Rückblicken zu sehen: einfach, gemüselastig, in der Regel günstig, natürlich mit einigen Ausnahmen, denn die machen das Leben süß. Und ich kann euch sagen: Es lebt sich sehr gut so. Da ist nichts, wo ich das Gefühl hätte, ich muss drauf verzichten. Genuss hab ich ohne Ende. Gar nicht immer vom Essen, auch wenn das hier so scheint. Ich finde das Genießen mit allen Sinnen so wichtig. Einfach bewusst zu schauen, die ersten Blüten anhimmeln. Gute Musik hören. Oder die ganzen Düfte! Ich freu mich schon sehr drauf, wenn die Linden wieder blühen und ich im Vorbeigehen an tief hängenden Ästen die Blüten beschnüffeln kann. Oder dann im Sommer meine Duftpflanzen auf Balkonien. Jetzt im Winter gibt es wenige Düfte, aber zum Beispiel war ich im Schönbrunner Reservegarten auf einer Führung und habe erstmals eine Orchidee, die eigentlich für die Parfumherstellung gezüchtet wird, gerochen. Was für ein Erlebnis! So etwas ist für mich keine flüchtige Angelegenheit, sondern das prägt sich tief ins Gedächtnis ein und ist über lange Zeit immer wieder abrufbar.

Um es mit Goethe zu sagen: "Man sollte alle Tage wenigstens ein kleines Lied hören, ein gutes Gedicht lesen, ein treffliches Gemälde sehen und, wenn es möglich zu machen wäre, einige vernünftige Worte sprechen."

Nun wünsch ich euch einen ganz feinen Februar, habt Spaß, genießt euer Leben und geißelt euch möglichst wenig. 😉



Mittwoch, 25. Januar 2023

[Buchbesprechung] Cool Beans von Joe Yonan

 

Eines der Dinge, die mich immer nach Italien ziehen, ist die Vielfalt an Hülsenfrüchten. Wenn der Turbohausmann und ich in Padua sind, haben wir immer eine klare Aufgabentrennung: Ich kaufe den Marktstand mit den Hülsenfrüchten leer, er sucht inzwischen einen Sitzplatz im Kaffeehaus, damit ich dann mit meinen Schätzen kommen kann und ihm über jede Bohne etwas vorschwärmen kann. Und nun hab ich das Glück, dass genau für diese Vorliebe ein Buch geschrieben wurde.

Joe Yonan ist Redakteur für Essen und Trinken bei der Washington Post, wo er eine wöchentliche Kolumne schreibt. Das hier besprochene Buch ist nicht sein erstes, für seine journalistische Arbeit wurde er schon mehrmals ausgezeichnet.

Ich will jetzt nicht lang und breit über Hülsenfrüchte referieren, denn wen das wirklich interessiert, der sollte sich das Buch zulegen, denn da steht enorm viel Wissenswertes drinnen. (Jaja, natürlich auch zum Thema, dass jedes Böhnchen ein Tönchen verursacht.)

Die Rezepte sind unterteilt in eine Zutatenliste und einen Textteil, in dem die Zubereitung erklärt wird. Die Anleitungen sind klar und verständlich. 

Bohnenvielfalt in Padua am Markt

 Die Fotos im Buch sind echt schön - aber ich muss sagen, da spielen die Böhnchen und ihre Vielfalt schon eine große Rolle, denn die sind ja ein sehr erfreulicher Anblick.

Das Buch enthält auf den ersten 25 Seiten viel Wissenswertes zum Thema. Auch am Ende des Buches finden sich etliche Kapitel, die sehr hilfreich sein können, in denen Garzeiten im Schnellkochtopf bzw. am Herd, Vorratshaltung und Bezugsquellen beschrieben sind. 

Die Gliederung der Rezepte erfolgt in "Dips & Snacks", Salate", "Suppen, Eintöpfe & Suppenbeilagen", "Burger, Sandwiches, Wraps, Tacos & Pizza", "Aufläufe, Pasta, Reis & herzhafte Hauptgerichte", "Getränke & Desserts" und "Würzsoßen & andere Rezepte für die Speisekammer".

Ganz erstaunlich finde ich ja, dass es sogar ein Kapitel "Getränke und Desserts" gibt. Wie das geht? Ich kannte  bisher nur die roten Adzuki-Bohnen, die in asiatischen Süßspeisen ihren fixen Platz, haben. Bohnenpüree kann aber einen Teil vom Mehl ersetzen oder wie Eier zur Bindung beitragen oder Bohnen können knackig geröstet wie Nüsse sein. Aquafaba, also das Wasser in Kichererbsen-Dosen wird zum Beispiel für Schokomousse verwendet. Da muss ich also unbedingt noch ran und es ausprobieren.

Mit 125 Rezepte sind so viele in dem Buch versammelt, dass ich sicher bin, dass jede:r das Passende für sich in dem Buch finden wird. Hier ein kleiner Auszug: Georgischer Kidney-Bohneneintopf, Ecuadorische Ceviche aus Lupinenbohnen, Riesenbohnen- und Portobello-Saté-Spieße, Mais-Hummus mit pikantem Mais-Relish, Cannelinibohnen-Aufstrich, Wintersalat mit Cranberrybohnen, Kürbis und Granatapfel, Ful Mudammas nach libanesischer Art, Burger mit Augenbohnenbällchen, Sandwiches mit Kichererbsen-Estragon-Salat, Dosas mit gelben Bohnen und Spinat, Tacos mit geräucherter Jackfrucht, weißen Bohnen und Ananas-Salsa, Favabohnen-Falafel, Chorizo aus Kichererbsen und Quinoa. Insgesamt also lauter moderne Rezepte aus aller Welt.




Nachgekocht:

Geröstete Karotten, Zwiebel und Zitronen auf Bohnenaufstrich

Es hat nicht nur himmlisch geschmeckt, sondern auch noch toll ausgeschaut. Im Kochbuch natürlich noch schöner, weil da bunte Karotten verwendet wurden.

Suppe aus gerösteten Tomaten und Paprika mit (bei mir) Cannelini Bohnen

Ein ganz wunderbares Winteressen ist diese dicke Suppe. Leider konnte ich die im Buch angeführten Lady Cream Peas nicht bekommen, aber ich denke, das ist auch kein Drama, denn es werden  genug Ersatzbohnensorten genannt, die man ebenfalls verwenden kann.


Knusprig geröstete und gewürzte Kichererbsen

Bei uns gibt es nur sehr selten Knabbersachen, aber dieses Rezept hat uns und unseren Gästen gut gefallen, daher werde ich das Rezept vorstellen.
 

 

 

 

 

 

Mehr Rezepte finden und einen Blick ins Buch machen kann man hier.

Was unterm Strich zu sagen ist: Auch wenn es auf dem Titelblatt steht, es fällt einem beim Durchblättern kaum auf, dass es sich um ein vegetarisches und veganes Kochbuch handelt, weil so eine große Vielfalt an Rezepten gezeigt wird. Insgesamt ist das Buch gerade jetzt für den Winter eine Gewinn für die Vielfalt in der Küche.


Fakten zum Buch: 
ISBN: 978-3-96257-320-1
Umfang: 272 Seiten
Karton mit Lesebändchen
Gewicht: 500g


Wie immer gibt es das Buch beim Buchhändler ums Eck zu kaufen, oder man kann es direkt beim Verlag bestellen.

Herzlichen Dank an den Narayana Verlag dafür, dass er mir ein Exemplar für die Rezension zur Verfügung gestellt hat.

Die Links sind alle keine Affilate-Links. 

Mittwoch, 18. Januar 2023

Presnitz

 

Nun habe ich also etwas Neues kennengelernt, den Presnitz. Das ist ein Kuchen, den man um Weihnachten und Silvester herum in  und um Triest, also in Julien, isst. Nicht zu verwechseln mit der Gubana, einem Traditionsgermkuchen, der aus dem Friaul stammt und auch schneckenförmig ist, den gibt es dann zu Ostern. Der Presnitz passt wunderbar in die Jahreszeit: getrocknete Früchte, kandierte Zitrusschalen und Nüsse sind in der Füllung vertreten. Und er ist einfach zu machen, denn alle Rezepte, die ich gefunden habe, macht man mit fertigem Blätterteig. Ich war faul und habe ausnahmsweise auch einen Teig aus der Kühlung verwendet. Besser dafür eignet sich sicher der Topfenblätterteig.

Das Rezept hat keine bestimmte Quelle, ich habe mir alle auffindbaren Rezepte angeschaut und dann daraus mit dem Hintergrund, dass ich seit Triest zu Silvester weiß, wie der Presnitz schmecken soll, mein eigenes Ding gemacht. Dieses Schneckerl ruft nach einer Wiederholung.


 

1 Pkg. Blätterteig (ca. 300 g) 

Füllung:
150 g Rosinen und andere Trockenfrüchte (Ich hatte Marillen, Zwetschken und Rosinen), klein geschnitten
200 g Nüsse, grob gerieben (Ich hatte eine Mischung aus Walnüssen, Haselnüssen, Mandeln und Pinienkernen)
2 EL Bröseln (ev. mehr)
3 EL Zucker
100 g kandierte Zitrusschalen, klein würfelig geschnitten
1 Orange, die Zesten
1 Zitrone, die Zesten
3 Stamperl Grappa (ev. mehr) − ersatzweise eher herber, heller Traubensaft
1 Prise Zimtpulver
1 schwache Prise Muskatnuss (3 Umdrehungen mit der Muskatmühle bei mir)
2 Gewürznelken, gerieben
Salz
1 Ei
Salz

1 Eigelb

 


Die geschnittenen Trockenfrüchte im Grappa einweichen, mindestens 2 Stunden, besser über Nacht. 

Am Backtag das Backrohr auf 180 Grad Umluft vorheizen. Ein Backblech mit Backpapier auskleiden.

Die restlichen Zutaten bis auf das Eigelb in eine Rührschüssel geben. Den Grappa, sollte nicht aller aufgesogen sein, abseihen und aufheben. Alle anderen Zutaten gut verrühren. Es sollte eine gebundene Füllung sein, die man einigermaßen zu einer dicken Wurst formen kann. Je nachdem, wie sich die Fülle anfühlt, kann man noch Bröseln dazugeben oder Grappa. Also: wenn zu feucht, dann Bröseln, wenn zu trocken, dann Grappa/Traubensaft.

Den Blätterteig aus der Packung nehmen, einmal mit dem Nudelwalker drübergehen, damit der Teig nicht zu dick ist, und gleich direkt auf das Papier am Backblech legen, sodass die lange Seite zum Körper der Köch:in schaut. Die Teigränder mit dem Eigelb einpinseln.

Die Fülle in etwa auf das vordere Drittel des Teiges der Länge nach auftragen und dabei möglichst zu einer Wurst formen. Den Teig wie für einen Strudel einrollen. Die Enden gut zusammendrücken. Diesen Strudel zu einer Schnecke formen. Beim Formen beachten, dass der Kuchen nicht zu hoch wird, sondern den Strang eher in die Länge ziehen, damit die Schnecke auch in der angegebenen Zeit durch wird.

Das äußere Ende der Schnecke unter den Kuchen schieben, damit es nicht aufgeht. Die Schnecke mit dem restlichen Eigelb einpinseln und ins Rohr schieben.

Gleich zu Beginn des Backens das Rohr auf 160 Grad Umluft drosseln. So bekommt der Teig den anfänglichen Hitzeschub, den fertiger Blätterteig braucht, um gut aufzugehen. Ca. 30 min backen, bis der Strudel eine schöne Farbe hat.

 

Obwohl die Füllung der Gubana und des Presnitz sehr ähnlich sind, werden die Kuchen doch anders angeschnitten: Die Gubana wird wie Torte in Keile geschnitten, der Presnitz entlang des Strudels eben in Strudelstücke. 

Gekühlt hat sich der Presnitz bei uns zwei Tage gehalten, dann war er aufgegessen. Dadurch, dass die Fülle nicht zu wenig Grappa enthält, bleibt der Kuchen schön saftig. Der Grappa fängt die Süße auch schön ab und der Kuchen ist auf keinen Fall zu süß.


Mehr Presnitz-Sichtungen:

Friederike vom Fliederbaum

Uschi, die Küchenschabe

Mittwoch, 11. Januar 2023

Silvester in Triest

Jetzt war ma also schon wieder in Italien! Und das war gut so. Dieses Mal waren wir erstmals mit kulinarisch genau so interessierten Leuten unterwegs, wie der Turbohausmann und ich das sind, daher habe ich dieses Mal wirklich sehr viele Foodie-Tips.

First things first! Was ich in Triest für Pflicht halte, ist das Caffé degli Specchi. Es befindet sich direkt am Hauptplatz der Stadt und ist ein Wahrzeichen. Man muss schon sagen, dass das Personal heillos überfordert ist, aber wohl die wenigsten Lokale haben derzeit ausreichend Kellner:innen. Trotzdem sollte man dort auf einen Aperitivo reinfallen: Man bekommt nicht nur drei kleine, feine Häppchen, sondern auch die sonst überall zum Aperitivo üblichen Chips und Nüsse. Man muss allerdings die zu einem Aperitivo üblichen Getränke bestellen, um in diesen Genuss italienischer Großzügigkeit zu kommen: Crodino (Ich liebe den!), Aperol Spritz, Campari Orange oder auch aufgespritzer Wein gehören dazu. 

Für mich gab es das Getränk im Vordergrund, von dem ich den Namen vergessen habe, es war jedenfalls frisch gepresster Orangensaft mit Tonic. Ich muss noch das Mischungsverhältnis ausprobieren, dann blogge ich das, weil es war richtig gut.


 

 

Noch nie habe ich das Amphitheater so menschenleer und so grün gesehen. Man kann leider noch immer nicht rein.

Das ist übrigens die natürliche Lage von Triest: Auch das ist auf etlichen Hügeln gebaut und manches nettes Platzerl ersteigt man sich über Treppen.

Ein ganz typisches Triestiner Buffet ist das Nova Fora per Fora. Was man sich dort gönnen sollte, ist typisches Triestiner Essen: Geselchtes, Brühwürste, Krainer, Sauerkraut. Klingt gar nicht italienisch? Doch, doch, in dieser Gegend isst man so etwas. Das gehört halt zu den erfreulichen lokalen Genüssen, die so typisch sind für Italien, dass alle paar Kilometer etwas anderes gegessen wird. Bisher waren wir immer beim Pepi für so ein Essen, aber das Fora X Fora ist ein würdiger Ersatz.

Was man auf dem Foto sieht, war auch für mich eine Neuheit: Presnitz. Das ist ein Blätterteigstrudel mit Nüssen und diversen Trockenfrüchten, den ich demnächst nachmachen werde.

Das Wetter war eher durchwachsen. Durchgehend nebelig, manchmal mit Nieselregen, der etliche Triestiner schon zum Schirm greifen ließ, aber als Österreicherin lächelt man da milde drüber (Geht ohne Schirm und mit offener Jacke, damit man dann daheim eine Erkältung auskurieren darf ...).

Was mich sehr gefreut hat: Man kann auch um diese Jahreszeit draußen sitzen. Also mir wäre es zu kalt für den Abend, aber tagsüber unter einer Markise ist das schon okay.

Das erfreulichste Buffet, das Triest zu bieten hat, ist das Siora Rosa. Was allerdings fast unmöglich ist: einen Tisch bekommen. Man kann in Buffets in der Regel nicht reservieren, daher stellt man sich entweder an oder nimmt etwas mit. Wir haben ein Polpetto di Carne mitgenommen und es am Meer gegessen. Es war sowas von köstlich! Wie ich gesehen habe, gibt es im Siora Rosa Beinschinken im Brotteig und diese Polpette sind dann Resteverwertung de luxe! Aus den Resten von Kochschinken, Rohschinken, Salami und was weiß ich alles werden mit Erdäpfeln und anderen Resten diese Bälle gemacht. Ich muss das im Hinterkopf behalten, denn geschmacklich war das top! Und wenn ich etwas habe, dann immer genug Reste.




 

Der Hauptplatz von Triest ist die Piazza dell'Unita d'Italia. Für Silvester war auf dem Platz eine Bühne aufgebaut und es standen eine Menge geschmückter Christbäume dort. Vom wunderschönen Platz hat man nicht mehr viel gesehen, aber es war schon sehr festlich. Auch sonst gibt es in Triest viele weihnachtliche Standeln. Einige haben wirklich lokale Köstlichkeiten wie Kapern oder Sardellen, die eine Freundin ergattern konnte, die meisten haben leider diese grauslichen Baumkuchen oder asiatisches Plingpling wie in Wien auch. Brauch ich dort wie da nicht.





Wie überall bin ich natürlich auch in Triest auf dem Markt gewesen. Besser gesagt in der Markthalle. Die ist leider nicht so erfreulich wie der Markt in Padua: Die oberen Etagen scheinen überhaupt leer zu stehen, das Erdgeschoss ist halb leer. Aber das Gemüse, das man findet, kann etwas: So viele Salate! Ich steh ja auf diese italienischen Bittersalate, die man auch in die Pfanne schupfen kann. Ausnehmend schöne und günstige Artischocken gab es, diese halbtrockenen Paradeiser, die seit dem Sommer aufgehängt warten, dass man allerköstliches Sugo damit macht, oder auch spezielle Zwiebelchen von einer essbaren Hyazinthensorte namens Lampascioni. Über letzteres habe ich mich nicht drübergetraut, aber eine Freundin hat welche gekauft. Ich warte gespannt.


Den Abend des 31. haben wir im Chimera di Bacco verbracht. Es gab ein fulminantes Fisch-Silvestermenü, das wir schon viele Wochen vorher reserviert hatten. An diesem Abend einen Tisch egal wo in Triest ohne Reservierung zu bekommen, sollte man sich abschminken. Wir haben jedenfalls hervorragend Fisch und Meeresfrüchte gegessen. Eine Premiere für mich war Shi Fish, der wie alles andere sehr gut geschmeckt hat.




Nachdem wir tatsächlich von acht bis halb zwölf gegessen hatten, tat der kleine Spaziergang ans Meer sehr gut. Es gab ein einziges Feuerwerk, das von der Stadt organisiert und von professionellen Pyrotechnikern auf der Molo Audace durchgeführt wurde. 15 Minuten lang und sooo schön! Und danach war wieder Ruhe. Keine Knallerei mehr. So kanns also auch gehen.

Am 1.1. die Straßen von Triest: Leere! Nur Touristen latschen genug durch die Stadt, aber sonst ist es ruhig. Man darf sich nur nicht erwarten, dass man an diesem Tag irgendwo rein kann außer in Lokale. Die Geschäfte sind zu, ebenso die Museen.

Wir haben den Neujahrstag für einen ausgiebigen Spaziergang genutzt, um Italienisches zu sehen. Hier so ein Beispiel: Was macht man, wenn ein Palazzo nur einen einzigen Balkon hat? Es werden einfach alle Außenteile von Klimageräten für den gesamten Palazzo auf genau diesem Balkon aufgestellt. Ich liebe unkonventionelle Lösungen!








Am Meer: Ich kann nie genug kriegen vom Meer. Andere Leute auch nicht, wie man sieht. Alle Menschen gehen in Triest an diesem Morgen offensichtlich zur Molo Audace − wohl auch, um zu schauen, was mit den Überresten des Feuerwerks passiert ist. Naja das meiste landete im Meer, der Rest lag auf der Mole herum. Ansonsten war die Stadt erfreulich sauber. Nur vereinzelt sah man Überreste von Silvester. Das ist aber nicht wie in Wien der braven Straßenreinigung zu verdanken, sondern es tut sich an Silvester nach Mitternacht kaum mehr etwas. Wir hatten nach dem Feuerwerk schon zu tun, um noch ein offenes Lokal für ein Abschiedsgetränk zu finden und sind im Antico Caffè Torinese gelandet. Also wer einen relativ ruhigen Rutsch ins neue Jahr mag, ist mit Triest sehr gut bedient.

Das Frühstück haben wir am Neujahrstag im Caffè Tommaseo zu uns genommen. Nach dem endlosen Essen vom Vortag war es entsprechend gebremst. Was man auf dem Foto leider nur halb versteckt hinter dem Mineralwasser sehen kann, ist die Spezialität des Tommaseo: ein kleines Stamperl Trinkschokolade wird zum Caffè serviert. Das trinkt man entweder vor dem Kaffee oder kippt es rein. Es ist erstaunlich, wie schokoladig diese kleine Menge Schoki den Kaffee macht. Auch etwas, das man eher selten sieht, sind gerollte Tramezzini, die wir gefrühstückt haben. Alles sehr zu empfehlen.

Alles immer nur schön in Italien? Mitnichten. Hier hängen rosa Tücher zur Erinnerung, wie viele Femizide es im vergangenen Jahr in Italien gegeben hat. In Wien findet man eine entsprechende traurige Strichliste beim Donaukanal unter der Aspernbrücke. Irgendwas läuft auf der Welt falsch!

Schnell wieder zu Erfreulichem: Schon aus Südtirol kannte ich das Caffè Eppinger, das sein Stammhaus seit 1848 in Triest hat. Man kann dort unglaublich gute Cornetti mit verschiedensten Füllungen essen: Pistazie, Marillenmarmelade, Schokolade oder Vanillepuddingcreme. Es würde auch wunderbar aussehende italienische Patisserie geben, aber darüber kann ich nichts sagen, weil wir nur die Croissants probiert haben. 

Ich fand ja die Deckel für den Espresso so hübsch! Dass der Kaffee ausgezeichnet war, muss man bei Italien ja gar nicht dazuschreiben. Dort kann man das einfach.

Leider ohne Hompage ist die kleine und verschlafen wirkende Champagneria. Das Lokal kann ich aber wirklich sehr empfehlen. Sie haben die angeblich besten Crudi in Triest, also rohen Fisch und rohe Meeresfrüchte. Auf dem Teller sieht man hausgemachte Caramelle, gefüllt mit Finferli (Eierschwammerl), auch das war ein sehr ordentliches Essen.

Der Abschiedsblick in Triest ist immer aus dem Eataly auf den Yachthafen. Dort fahr ich jedes Mal mit einem vollen Einkaufswagerl hinaus, weil ich leider nicht alle italienischen Köstlichkeiten in Wien bekomme, die ich gern haben will. Die Auswahl dort ist schon grandios.

 

 




Was ich unbedingt noch loswerden will: Tipps für Essen bei der An- und Abreise über Slowenien. Ich halte nämlich das total überteuerte Essen in den Raststationen nur schwer aus. Salate, die ewig in der Marinade herumliegen, bis sie von strapazierten Autofahrer in Selbstbedienung genommen werden, sind mir ein Dorn im Auge, genau wie die vorpanierten Schnitzel, die lätscherten Pizze und die matschigen Nudeln. Es geht auch anders.

Für die Anreise über Kärnten habe ich schon einmal geschrieben, wo wir immer essen gehen, nämlich beim Wallner.

Sollte jemand noch andere Tipps für gute Lokale nahe von Autobahnen haben, dann bitte her damit! Ich lasse gern in den Kommentaren auch Links stehen, die ich normalerweise lösche, aber wann immer ich vernünftige Gastro unterstützen kann, mache ich das gern.



Von einer Bekannten stammte der Tipp für das Nova Rajngla, das innerhalb von 10 min. ab Autobahn erreichbar ist. Das Restaurant liegt malerisch mitten in der Botanik an drei Fischteichen. Der Service war aufmerksam, das Essen wirklich gut. Wir haben zu viert quer durch die Speisekarte nur Vorspeisen gegessen und es hat alles sehr gut geschmeckt.

Auf dem Foto sieht man meine Vorspeise: Kaninchen mit Graupen.



Ein Zufallstreffer war das Gasthaus Thaller, in dem wir bei der Heimfahrt waren. Das war wirklich allerfeinste Küche! Fisch und Fleisch gab es durchgehend in bio. Ebenfalls innerhalb von 10 min. ab Autobahn erreichbar. So etwas findet man wirklich selten. Ich habe Entenbrust mit Rotkraut und Erdäpfelknöderl gegessen. Es war zum Niederknien! Vor allem die Sauce, die in einer Sauciere extra dazu gereicht wurde, war ein Wahnsinn.

Auf dem Teller sieht man die Vorspeise, die eine Freundin gegessen hat: Gänseleberpastete mit Radicchio und Roten Rüben.





Und wieder einmal mein Urlaubsende-Foto: Gekauft alles in Triest, das Gemüse in der Markthalle, der Rest im Eataly. Jetzt hab ich endlich wieder ausreichend italienische Erfreulichkeiten, um mich mediterran in der Küche austoben zu können, was ich ausgiebig und mit Begeisterung mache. Vor allem die Salate! Sie sind alle so köstlich. Ich frag mich immer, wieso so etwas nicht bis zu uns transportiert werden kann, wenn schon die Witterung für den Anbau nicht zu taugen scheint. In Italien bekommt man die ganz selbstverständlich an jedem Gemüsestandel und auch im kleinsten Geschäft. Na ja, ich sollte nicht so viel jammern, denn auf diese Weise habe ich Grund, dass ich auch im Winter nach Italien fahre. 😁