Montag, 8. Oktober 2018

[Buchbesprechung] Salat satt − Amanda Hesser & Merrill Stubbs

Enthält Werbung (Verlinkungen, Rezensionsexemplar)

Salat jetzt? Wo der Herbst da ist? Oh ja! Unbedingt. Man muss nämlich nicht zwingend im Sommer Salat essen. Ich bin zum Beispiel ein ziemlicher Suppenkasper, der wirklich selten Lust auf Suppe hat. Salat hingegen ist etwas, das könnte ich jeden Tag essen. Ehrlich gesagt habe ich den Sommer über auch recht wenig gekocht (aus Gründen) und mich sehr gefreut, nun mit den letzten sommerlichen und den ersten herbstlichen Zutaten Salate bis zum Abwinken machen zu können.

Zuerst aber zum Buch: Die beiden Autorinnen sind über dem großen Teich sehr bekannte Kulinarik-Journalistinnen. Sie haben miteinander die Plattform food52.com, eine Rezept-Community im Rahmen der New York Times gegründet und betreiben sie mit großem Erfolg. Amanda Hesser schrieb 1997 ihr erstes Buch und wurde dann von der New York Times als Food Journalistin engagiert, wo sie beachtliche 750 Artikel geschrieben hat (hier kann man drinnen blättern). Merrill Stubbs ist ebenfalls Mitgründerin von food52 und war vor der Gründung dieser Plattform freiberufliche Food Journalistin, aber auch Redakteurin in diversen Zeitschriften. Auch sie hat schon einige Kochbücher geschrieben.

Was die Motivation war, das Buch Salat satt zu machen? Noch nie habe ich mich gefragt, wie sieht die Redaktion der Food Abteilung einer so großen Zeitung wie der NYT mittags aus? Nun weiß ich es: Wie eine Salatbar! Jeder bringt etwas mit, die einen zarte Blattsalate, die anderen gegarte Hülsenfrüchte, die nächsten ein Dressing. Und dann wird mittags eine Salatkreation zusammengestellt. Salat ist nicht kompliziert, also zumindest nicht die Salate in diesem Buch. Sie haben eines gemeinsam: Sie sind eine richtige Mahlzeit und nicht bloß eine Beilage. Es werden Zutaten verwendet, die ich so nicht verwendet hätte: hart gekochte Eier als Teil eines Dressings, knusprige Reis-Crispies oder gegrillte Käse-Croutons. Es sind jedenfalls die 60 Lieblingsrezepte, die sich aus diesem Mittagsritual herauskristallisiert haben, die Eingang in das Buch gefunden haben. Und nicht nur das: 2013 starteten die beiden Autorinnen eine Kolumne "Nie wieder öder Schreibtisch-Lunch" und haben damit in immer mehr Betrieben und auch Schulen einen Trend gestartet. Das mit den Schulen finde ich ja besonders erfreulich, weil ich immer wieder mit Gruseln von den Schulkantinen im anglo-amerikanischen Raum lese. Möge sich dieser Trend mit den Salaten gegen Junk Food durchsetzen!

Die Fotos im Buch sind toll! Hey, NYT! Was sonst hatte ich erwartet. Die können Fotos machen, da staunt die Frau Hobbyknipserin aber ordentlich. Und wie zu erwarten: Niemand verteilt Essensbestandteile quer über einen Schreibtisch, sondern da liegt alles auf Tellern, Schalen und in Schüsseln. Maximal liegt ein offensichtlich benutztes Messer als Deko da, sonst ist alles servierbereit. Und es gibt zu jedem Rezept ein Foto, also hat man schon einen schönen Vorschlag, wie man den jeweiligen Salat gekonnt zu Tisch bringen kann.

Was mich sehr freut, ist der Satz: "Salate sind etwas für Köche mit Spieltrieb". Ich bin ja schon sehr lange der Meinung, dass man mit Essen spielt. Aber eben nicht, indem man es hübsch auf dem Tisch verteilt, sondern indem man etwas Kreatives damit tut: ein paar Bröselchen hiervon, ein paar Blättchen davon, einige Tropfen der einen Flüssigkeit, noch ein paar Tropfen von der anderen. Und man kann so auch toll Resteverwertung machen. Der übrig gebliebene Reis und die übrigen Reste von der Chorizo können mit ein paar neuen Zutaten ein wunderbares Essen ergeben.

Dazu gibt es in dem Buch aber auch viele praktische Tipps: Wie rettet man eine Vinaigrette, die sich beim Probieren als grauslich herausstellt? Oder für Kochanfänger: Wie wäscht man Blattgemüse richtig? Wie werden Schalotten auch ohne Mehl knusprig? Diese Tipps ziehen sich durch das ganze Buch und kommen nie mit dem erhobenen Zeigefinger daher. Sehr erfrischend zu lesen.

Was man in dem Buch nicht findet: 08/15-Rezepte. Es ist sicher nicht Ziel dieses Buches, einen ganz normalen Paradeissalat zu zeigen, sondern neue Ideen für den Alltag zu liefern, um eben nicht zum 1000. Mal denselben Paradeissalat auf den Tisch zu stellen.

Man findet Rezepte mit Blattsalaten, Salate mit allerlei Gemüse, Salate mit Getreide & Hülsenfrüchten, Salate mit Pasta & Brot, Salate mit Fisch & Meeresfrüchten und Salate mit Fleisch. Die Zutaten bekommt man Großteils im Supermarkt, ab und zu ist auch etwas für Spezialisten wie mich dabei, die gern Neues ausprobieren − z. B. israelische Couscous-Nudeln namens Pitim, die ich immer noch suche (Für sachdienliche Hinweise bin ich dankbar.). Insgesamt sollte ein einigermaßen gut sortierter Haushalt die Zutaten daheim haben. Sonst empfehle ich einen Besuch auf dem Naschmarkt, da findet man ganz sicher alle Zutaten, auch Salzzitronen.

Das ist jetzt lang geworden. Sorry! Ich hör auch schon auf und geh kochen.

Bloody Mary Steak-Salat

So wie Bloody Mary kein zahmer Drink ist, ist auch dieser Salat kein solcher. Viele kräftige Zutaten von knackig bis scharf dürfen mitspielen, Petersilienblätter sind die "Blattsalatkomponente" im Salat, Blauschimmelkäse rundet alles ab.
Das angegrillte Fleisch wird aufgeschnitten mariniert, wodurch die Aromen besser ins Fleisch eindringen können.

Ich kann mir diesen Salat gut für Neujahr vorstellen, wenn man ein Katerfrühstück nach einer langen Nacht braucht.
Artischockensalat mit Fregola und Pistazien-Aillade

Fregola kennen alle, die hier regelmäßig mitlesen: Das ist stecknadelkopfgroße, geräucherte Pasta aus Sardinien. Mir schmeckt diese Nudelsorte sehr gut, aber zugegebenermaßen ist das etwas, das hier nicht so leicht zu bekommen ist. Was man allerdings im Herbst gut bekommt, sind heimische Artischocken aus dem Marchfeld.

Aillade musste ich erst nachschlagen: Das ist eine sehr knofelige Salatmarinade. Und genau so wird diese auch hier verwendet: Geröstete Pistazien werden mit Knoblauch und Salz im Mörser bearbeitet, dann mit Zitronenschale und Olivenöl zu einer Marinade verarbeitet, die teilweise in und teilweise über den Salat kommt.

Ein sehr schöner Salat! Wir waren ganz begeistert.

Palmkohlsalat mit gegrillten Pfirsichen und Schinken

Das ist gleich der erste Salat in dem Buch. Mir kam die Marinade aus Olivenöl und Zitronensaft sehr simpel vor. So einfach ist das aber auch nicht: Ein Teil des Öls wird erst in den Palmkohl einmassiert. Der richtige Kick kommt aber vom Saft der gegrillten Früchte, der auch über den Salat kommt.

Beim Käse musste ich ein wenig schummeln, da ich fest überzeugt war, dass ich Feta daheim habe, aber leider war das ein Irrtum, also kamen bei mir Parmesanspäne zum Salat.

Hat aber auch gepasst und war ein hervorragendes Essen. Der erste eigene Palmkohl war an diesen Salat ganz sicher nicht verschwendet.
Melonensalat mit Chorizo

Hier durften meine letzten eigenen Kirschparadeiser mitspielen genau wie die letzte Gurke, auch die Minze kam noch von Balkonien. Es war ein richtig guter Sommerabschiedssalat: die rauchige Chorizo erinnert schon ein wenig an den Herbst, der Rest ist noch Sommer pur.

Die Chorizo wird durch die Marinade weicher, was dem Salat gut tut.

Sehr hilfreich ist auch der Tipp, dass man Chorizo für zwei Tage in eine spezielle Marinade im Kühlschrank einlegen kann und die Wurst samt Marinade dann für Ofenkartoffeln oder Gemüsesalate verwenden kann. Das muss ich unbedingt noch ausprobieren!


Gebratener Endiviensalat mit Feta, Walnüsssen und Honig

Mit diesen paar Worten ist fast schon das gesamte Rezept beschrieben, fehlen nur noch Öl zum Anbraten und ein wenig Salz, dann hat man schon die ganzen Zutaten. Der Salat wird geviertelt und in heißem Öl angebraten. Er verliert durch das Braten und das Beträufeln mit dem Honig viele Bitterstoffe. Das war ein Aha-Erlebnis für mich, denn eigentlich mag ich den Endiviensalat gerade wegen der bitteren Note sehr gern. Aber der Salat hat auch wenig bitter sehr gut geschmeckt. Ich habe über ein paar Tage verteilt einen ganzen Endiviensalat allein verdrückt, der bekanntermaßen nicht gerade zu den kleinsten Salaten gehört.




Erbsensalat auf französische Art 

Das war unser Highlight und ich werde das Rezept daher vorstellen. Gegrillte Romanasalatherzen mit gegrillten (!) Erbsen, gegrillten Frühlingszwiebeln, Speckstückchen und einer cremigen Marinade verbinden sich perfekt zu einem schönen Abendessen.












Was es unterm Strich zu sagen gibt? 5 von 5 möglichen Sternchen für dieses Buch!

Fakten zum Buch:
ISBN: 978-3-517-09690-2
Preis: € 17,00 [D], € 17,50 [A], CHF 24,50* (* empf. VK-Preis)
Gebundenes Buch, Pappband 
160 Seiten (Großformat)
Erschienen: 16.04.2018
Südwest Verlag

Wie immer gibt es das Buch beim Buchhändler an der Ecke zu kaufen, man kann es beim Südwest Verlag bestellen oder bei vielen Online-Versendern.

Herzlichen Dank an Südwest Verlag dafür, dass er so ein feines Buch herausgebracht hat und mir ein Exemplar für die Rezension zur Verfügung gestellt hat.

Die Links sind alle keine Affilate-Links. 
 

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