Dienstag, 5. Oktober 2021

[Restaurant] Kng Tao

Enthält Werbung, weil ich Namen nenne und auch verlinke, aber es ist alles selbst bezahlt und ich hatte keinen Auftrag für Werbung.  

Nachdem ich beschlossen habe, dass ich mein Leben nun wieder zurück habe, habe ich nach langer Zeit wieder einmal eine Runde essensaffiner und mutiger Menschen organisiert, damit wir uns durch die Speisekarte eines Lokals durchkosten können. Mutig deswegen, weil man bei chinesischer Küche manchmal nicht weiß, was da kommen wird. Vor allem Sichuan-Küche ist oft scharf und fettig, außerdem werden in China Tiere wirklich ganz verarbeitet und da können schon mal Schweineohren oder Rinderdarm auf dem Teller landen. 

 

Das relativ neu eröffnete Kng Tao hat auch die passenden Tische, wenn man sich gemeinsam durchkosten will. Lazy Susan nennt man das. Die Tische sind groß und rund, in der Mitte ist eine drehbare Scheibe, auf der die Gerichte platziert werden. Ich gestehe, wir haben diese Scheibe dezent überfordert und mussten auch noch den leeren Nachbartisch mit unseren Tellerchen beglücken ...


Zuerst zu den Getränken: Wir haben auch hier einmal quer durch getrunken. Es war ein warmer Sommerabend, daher waren die Biere sehr gefragt. Die waren okay, handelsübliche Biere, zu denen es nicht sehr viel zu sagen gibt. Es gibt zwar Weine, aber wir haben keinen probiert. 

Was ich spannend gefunden habe: Calpis. Das kannte ich noch nicht, aber konnte es bei einer der Mittessenden probieren. Das werde ich mir in Zukunft öfter mal gönnen. Auf dem Foto sieht man eine der vielen hausgemachten Limonaden, die ich sehr empfehlen kann. Ich habe gefragt, wie süß die wären, und bekam den Saft dann auf Wunsch nur sehr wenig süß. Dennoch war die Limonade geschmacklich sehr gut.

Wir haben uns vor allem durch die Vorspeisen gekostet. Das hier ist Hühnerfleisch in Chili-Öl. Mir persönlich ein bisschen zu sanft von der Schärfe her, aber geschmacklich sehr gut.
Das nannte sich Calamari fritti, alle haben schon befürchtet, jetzt kommt die italienische Variante daher, aber es war eine aromatische chinesische Variante.
Das war echt eine Überraschung für mich, denn das klang so nach Erdäpfelsalat, was wir da auf der Speisekarte fanden. Es waren hauchfein geschnittene Erdäpfeln. Mischa wusste, wie die Zubereitung funktioniert hat: Die werden anscheinend in einem extrem heißem Wok nur extrem kurz gegart, ohne dass sie Farbe nehmen. Serviert wurden sie mit milden Chili in einer asiatischen Marinade. Extrem gut!
Rinder- und Ochseninnereien, ganz fein geschnitten und mariniert: Ja, kann man essen, sehr gut sogar! Ich habe keine Ahnung, welche Innereien da beteiligt waren, aber eben: Essen für Mutige.

Da ist er, "mein" Tofuhaut-Salat, den ich so mag. Und ich mag den auch in der Variante, wie er hier serviert wurde. Der Mundschenk wusste in etwa, wie Tofuhaut gemacht wird: Beim Herstellen von Tofu setzt sich eine ganz feine Schicht ab. Die wird abgeschöpft und dehydriert, vor dem Essen wieder rehydriert. Auf jeden Fall nichts, was ich selber machen würde! 

Edamame Five Spices: Die kennt man, wenn man gern chinesisch essen geht, mit Salzflocken. Hier eben mit Fünf Gewürze-Pulver.
Erdnusssalat: Ich wage zu behaupten, den isst man auch in China nicht mit Stäbchen, denn daran wäre ich fast verzweifelt. Der Salat heißt auch "Kng Tao", also anscheinend so etwas wie ein Signature Dish. Verdammt gut!
Morchelsalat: Das waren keine Morcheln, wie wir sie kennen, sondern bei uns kennt man sie als Judasohren oder Mu Err oder Wolkenohren oder eben chinesische Morcheln. Serviert auch in einer feinen Marinade.
Das war ein Überraschungsei: Gebackene Hühnerstreifen. Die Variante für Mutige, weil unerwartet samt Knochen, sehr fein zerhackte Knochen übrigens. Geschmacklich schon super, aber halt sehr gewöhnungsbedürftig, weil ich das nicht kannte, dass man aus dem Speisebrei, der im Mund entsteht, die Knochenfutzerl heraussortieren musste.
Geschmortes Lamm, offensichtig gegart und in Form gespresst, dann in feine Scheiben geschnitten und mit einem Dip. War sehr gut!
Gebackene Pilze, Shimeji genannt: das sind diese kleinen Buchenpilze, die es manchmal in meinem Asia-Geschäft gibt. Ich kannte sie bisher nur in Suppen, aber haben auch so gut geschmeckt.
Nun gehts an die Teigtaschen. Nicht umsonst hat das Kng Tao einen eigenen Teigtaschen-Spezialisten. Hier sieht man die Rainbow Gyoza, die nicht nur gut ausgeschaut haben, sondern auch gut geschmeckt.
Hier die vegetarischen Gyoza, zu denen ich nichts sagen kann, weil ich nicht probiert habe. Im Hintergrund sieht man auch noch den geprügelten Gurkensalat, den ich sehr gern mag. Er war auch hier wieder super.
Gebackene Wan Tag: Hier habe ich wieder kosten können und sie haben mir geschmeckt. Wie man sieht, gab es die unterschiedlichsten Dips zu den Teigtascherln. Übrigens waren auch die Salate unterschiedlich mariniert, sodass es nie langweilig wurde.
Nieren am Spieß: Mir haben sie geschmeckt, dem Mundschenk waren sie aber zu durch, womit er sicher recht hat, denn sie waren waren wirklich ganz durch. Geschmacklich deutlich Nieren, aber ohne zu brunzeln.

Die Chili waren trotz Namens und Aussehens nicht scharf, sondern halt einfach gegrillte Chili. Geschmacklich aber gut.
Gegrillter Karfiol war ebenfalls gut, aber halt das, was man sieht, und keine Besonderheiten. Auch nicht scharf, obwohl das so ausgesehen hätte.
Hier waren wir gespannt, was kommen wird, weil das Gericht als chinesischer Bärlauch auf der Karte stand. Es war aber nach dem Aussehen Morning Glory (Wasserspinat) und es dürften dem Restaurant die Teller ausgegangen sein, denn der wurde gleich in einer Alutasse serviert. Besonders arg knofelig war der Spinat nicht.
Gegrillte Melanzani: Wir haben gemutmaßt, dass hier Miso im Spiel war, aber wirklich wissen tun wir es nicht. Jedenfalls war die Melanzani gut.

Die Überraschung des Abends kam dann als Einladung vom Restaurant: Kandierte Süßkartoffeln. Ich versuch einmal zu raten, wie die gemacht werden, damit man sich den Knuspereffekt vorstellen kann. Die Süßkartoffeln waren wohl vorgegart und dann in geschmolzenem Zucker geschwenkt und mit Sesam bestreut. Bei Tisch musste man die sehr heißen Stücke in das Schälchen mit Wasser tunken, was den Karamell sofort abgekühlt und fest gemacht hat. So hatten die Süßkartoffeln eine süße, knusprige Hülle. Wir waren alle begeistert von diesem süßen Abschluss.

Der Preis: Moderat.

Das Resümee: Die kochen sehr gut in dem Restaurant. Mir waren die Gerichte ein bissi zu sanft unterwegs. Aber das ist halt dem europäischen Gaumen geschuldet, dass viele Chinesen sich nicht trauen, so richtig scharf zu kochen. Insgesamt habe ich einen sehr netten Abend genossen! Danke euch allen, die mit dabei waren. Es war mir eine Freude.

1 Kommentar :

  1. Danke fürs dabei sein können! So viele Gerichte auf einmal vor sich zu haben war schon sehr beeindruckend. Die Kombination mehrerer Speisen macht viele noch besser als sie nur für sich alleine sind. Es können bei den chinesischen Küchen wie ich jetzt noch besser erahne wohl nie zu viele Speisen am Tisch sein und damit viele Speisende.
    Es war natürlich auch lustig!
    Meine Favorit waren übrigens die schlitzigen Fujian Taroteigtaschen.

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