Dienstag, 5. März 2019

[Buchbesprechung] Casablanca − Authentische Rezepte aus Marokko

Enthält Werbung (Rezensionsexemplar, Verlinkungen)

Marokko ist für mich ein Sehnsuchtsort! Ich war vor vielen, vielen Jahren dort und immer noch seufze ich, wenn mir jemand Fotos von dort zeigt oder ich daran denke. Irgendwann schaffen wir es hoffentlich wieder, dass wir hinfliegen. Bis dahin koche ich immer wieder marokkanisch, daher kam mir dieses Buch sehr gelegen.

Die Autorin Nargisse Benkabbou hat marokkanische Eltern, ist aber in Brüssel aufgewachsen. Sie studierte in London und entdeckte dort, dass man Tajine auch mit Couscous essen kann − ein No Go in Marokko, denn dort wird Tajine nur mit Brot gegessen. So entdeckte sie Schritt für Schritt die westliche Variation der marokkanischen Küche, die bald zu "ihrer" Küche wurde und die sie in ihrem Blog festhält. Wer die ganz klassischen marokkanischen Rezepte in dem Buch sucht, wird nicht fündig werden, denn das sind Neuinterpretationen. Sie sind durchwegs gelingsicher und schmecken hervorragend. Da finden sich Erdäpfeln, die in Marokko selten gegessen werden, Ras el Hanout kommt auch in den Kuchen, der ein sehr westliches Icing oben drauf bekommt, Grüntee und Minze kommen in den Schokopudding und alles schmeckt sehr nach Urlaub!

Das Buch besteht neben der Einleitung aus den Kapiteln Grundrezepte, Vorspeisen, Gemüse, Fleisch, Geflügel, Fisch & Meeresfrüchte, Brot und Süßes. Ein Stichwortregister macht das Buch schön übersichtlich. Die Grundrezepte sind ledigliche eingelegte Zitronen (also die von mir so geliebten Salzzitronen), Ras el Hanout und Harissa. Das klingt jetzt nicht nach viel, aber von der Harisssa gibt es gleich drei verschiedene Varianten, einmal klassisch, zweimal neu interpretiert. Das ist gleich ein Vorgeschmack auf den Rest des Kochbuchs in Bezug auf die Gewichtung klassisch − westlich-marokkanisch. Noch ein Beispiel: Im Kapitel Brot finden sich klassische Fladenbrote, aber auch Varianten mit Saaten oder marokkanisch gewürzte Scones. Auch Germteigschnecken mit Mandelmus gefüllt finden sich in diesem Kapitel und kamen prompt noch auf die Nachkochliste. Ganz besonders fein finde ich die süße Abteilung des Buches, denn in der klassischen marokkanischen Küche gibt es meist sehr süße Kuchen, daher gibt es da schon eine arge Gewichtung in meinen nachgekochten Rezepten: einen Kuchen nachgebacken und schon war der nächste auf meiner To-Do-Liste. Es ist aber schon so, dass bei mehr als 220 Seiten keine Kategorie zu kurz kommt.

Die Fotos sind hell und klar und man erkennt ein wenig die Foodbloggerin: Es gibt etliche Fotos mit Händen drauf, die nach dem Essen greifen oder den Teller halten, wie das einige Zeit üblich war in Foodblogs. Es gibt zu jedem Rezept ein Foto, also sollte man nicht wissen, wie man das Gericht gekonnt in Szene setzt, bekommt man auch hier Hilfe.

Generell sind die Rezepte gut nachkochbar. Die Zutatenlisten verlangen nicht nach einer Reise nach Marokko (schade irgendwie ...), sondern die sind auch bei uns gut erhältlich. Die Abläufe beim Kochen sind gut strukturiert beschrieben.

Und nun geht es schon ans Nachkochen!


Karottenkuchen mit Ras el Hanout und Frischkäseglasur

Das konnte ich mir so gar nicht vorstellen, wie das schmecken soll, wenn 1½ TL Ras el Hanout im Kuchen eingebaut sind. Und unsere Lieblingsfreunde wurden gleich ins kalte Wasser geschmissen und zum Sonntagskaffee eingeladen, bei dem ich ihnen den Kuchen serviert habe. Sie sind immer noch unsere Lieblingsfreunde und haben uns nicht die Freundschaft aufgekündigt, im Gegenteil, der Kuchen hat ihnen sehr geschmeckt.
Mhammer-Tajine mit Rindfleisch und Babyerdäpfeln

Das ist eine sehr gulaschiges Rezept. Das Rindfleisch wird in großen Stücken lang geschmort, danach wird die Zwiebelsauce ganz dick eingekocht und das Fleisch samt Erdäpfeln übergrillt. Die Zubereitung mit dem Grillen ist ungewöhnlich, das Ergebnis sehr erfreulich.
Geröstete Paprikaschoten mit eingelegten Zitronen und dicken Bohnen

An sich ist das ein Salat, der lauwarm serviert wird, aber ich habe das Gemüse als Beilage serviert. Ganz wunderbar passt das alles zusammen! Man braucht dazu wirklich dringend Salzzitronen, denn ohne die kann ich mir dieses Gericht gar nicht vorstellen.
Gemüsestreifen mit Orangen, Walnüssen und Oliven

Eine Vorspeise, die den ärgsten Hunger stillt, aber nicht den Bauch zu sehr vollfüllt. Und sehr fein jetzt im Winter: bis auf Gurken kommen lauter saisonale Lebensmittel zum Einsatz. Dadurch, dass der Salat erst unmittelbar vor dem Servieren angemacht wird, bleiben die Gemüsestreifen fein knackig.
Pistazien-Orangenkuchen ohne Mehl

Ein ganz feines Aroma hat dieser Kuchen und ein wenig grünlich schimmern die Pistazien durch. Es kommt nicht nur kein Mehl in den Kuchen, sondern auch keine Butter, stattdessen wird mit Olivenöl gearbeitet. Der Kuchen ist ein perfekter Begleiter zu Tee oder Kaffee und braucht wirklich kein Schlagobers dazu oder eine Glasur oben drauf: Der ist perfekt, so wie er ist.

Das wird auch das Rezept sein, das ich vorstelle.










Eier nach Berber-Art

Nein, nicht schon wieder ein Shakshuka, aber doch sehr ähnlich, denn hier ruhen Eier auf einem Bett aus Paprika und Paradeisern, marokkanischen Gewürzen und schlussendlich kommt neben Zwiebel noch frischer Spinat oben drauf. Ein sehr schön frühlingshaftes Gericht, das neben der warmen breiigen noch eine erfreulich knackige Komponente mit sich bringt. Hat uns sehr gefallen.


Marokkanischer Minzetee

Wenn man denkt, marokkanischer Minztee ist einfach Minze in heißem Wasser, der irrt. In den nordafrikanischen Ländern gibt es richtig tolle Teerituale: da wird hin- und hergefüllt, verdünnt, konzentriert und nicht zu wenig gesüßt. Auch dieser Tee wird mit Gunpowder, Minze und Zucker aufwändig zubereitet. Der Aufwand lohnt sich!

Wie weit das nun eine originale Teezeremonie ist oder eine Neuinterpretation, das kann ich leider nicht sagen, denn es finden sich so viele "Originalrezepte", dass es wahrscheinlich das einzige originale nicht gibt. Jedenfalls sind die Zutaten Grüntee, Minze und Zucker ganz sicher original und der Tee wird auch in einem richtigen marokkanischen Teekessel, den man auf den heißen Herd stellen kann, zubereitet. Im Sommer ist dieser Tee sicher sehr erfrischend.



Marokkanisches Schokoladetöpfchen mit Minze und Grüntee

Nein, kein einfacher Pudding, sondern da ziehen erst Minze und Grüntee in erhitztem Schlagobers, dann werden Eigelbe und Zucker aufgeschlagen, in die die Schoko-Obers-Mischung eingerührt wird. Es wäre ein sehr aufwändiger Pudding, jedoch ist das eine sehr reichhaltige Schokoladencreme. Erstaunlicherweise war trotz der Winter-Minze die Minznote deutlich zu schmecken. Wer die im Handel erhältlichen Schoko-Minz-Blättchen mag, der wird auch dieses Dessert gern essen.









Was es unter dem Strich zu sagen gibt? Ein ganz klares Ja zu diesem Buch von meiner Seite. Die Rezepte schmecken alle gut und sind leicht nachkochbar. Es ist eine Neuinterpretation der marokkanischen Küche, die wirklich gelungen ist. Das Buch ist sicher auch für KochanfängerInnen geeignet.

Fakten zum Buch:
ISBN: 978-3-517-09733-6
Erscheinungstermin: September 2018
224 Seiten
Format: 19,0 x 23,5 cm
Hardcover
Preis: € 25,00 [D] inkl. MwSt. | € 25,70 [A] | CHF 35,90 €
Südwest Verlag

Wie immer gibt es das Buch beim Buchhändler an der Ecke zu kaufen, man kann es beim Südwest Verlag bestellen oder bei vielen Online-Versendern.

Herzlichen Dank an Südwest Verlag dafür, dass er so ein gutes Buch herausgebracht hat und mir ein Exemplar für die Rezension zur Verfügung gestellt hat.

Die Links sind alle keine Affilate-Links.  

Kommentare :

  1. Das Buch liegt hier auch. Ich bin genauso hingerissen wie du - und ich habe ganz andere Sachen daraus gekocht.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja schau! Wenn du deine Rezension online hast, dann verlink ich das gerne. So haben unsere Leserinnen dann einen noch besseren Überblick, wie das Buch ist.

      Löschen
  2. Das sieht ja alles sehr verlockend aus, was du da nachgekocht bzw. nachgebacken hast. Mich haben sofort die gerösteten Paprikaschoten mit eingelegten Zitronen und dicken Bohnen angelacht, bei solch einem Gericht schmelze ich förmlich dahin.
    Liebe Grüße
    Sigrid

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich werde das ganz sicher im Sommer zum Grillen wieder servieren. Wenn du magst, kann ich das Rezept dann gern genauer vorstellen.

      Löschen
  3. Findet sich in diesem Buch zufällig auch das Rezept für eine cremige Mandel-Suppe? Die bekam ich vor einigen Jahren in Ceuta als Auftakt eines Sylvestermenues serviert. Hatte hervorragend geschmeckt.
    Übrigens, in Tanger gab es sehr wohl zum Tajine Cous Cous, mit Suppe, Karotten und Erdapfel übergossen ))
    LG Andrea

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Leider keine Mandelsuppe. :(
      Ceuta - da war ich auch vor vielen Jahren, in Tanger auch. Herrschaftszeiten, ich muss wieder nach Marokko!

      Löschen

Über Kommentare freue ich mich! So schnell es mir möglich ist, antworte ich darauf.

Bitte keine Spams, keine Werbung, keine politische Propaganda oder gar verbotene Sachen - das alles fliegt raus!

In Zeiten der DSGVO muss ich darauf hinweisen: Mit der Nutzung dieses Formulars erklärst du dich mit der Speicherung und Verarbeitung deiner Daten durch die Software dieses Blogs einverstanden.