Dienstag, 21. Mai 2019

[Buchbesprechung] Giada kocht − Dolce Vita auf dem Teller von Giada de Laurentiis

Enthält Werbung (Rezensionsexemplar)

Nachdem ich ja gerade noch jede Menge Italien im Herzen habe, war die  Freude groß, dass ich die Möglichkeit habe, dieses Buch zu rezensieren. Ich persönlich habe noch nie eine Kochsendung der Autorin Giada de Laurentiis gesehen, aber sie ist sehr bekannt und hat ja auch einen klingenden Namen: De Laurentiis ist der Name etlicher Filmschaffender − da fällt der Apfel nicht weit vom Stamm! Frau De Laurentiis lernte in der berühmten Kochschule "Cordon bleu" kochen, hat schon viele Kochbücher geschrieben, betreibt Restaurants in verschiedenen Städten der USA, ist Caterer und eben auch eine der berühmtesten Fernsehköchinnen der USA.

Dass das Buch wunderschön ausschaut, dafür sind die helle, freundliche Gestaltung und die Fotos von Aubrie Pick verantwortlich. Sie ist eine gut gebuchte Food-Fotografin, die wirklich sehr stimmige Fotos macht. Die Fotos im Buch zeigen zu einem großen Teil die überirdisch schöne (und für einen Foodie unverschämt schlanke, das muss ich neidisch dazusagen) Autorin, ihre Tochter, ihre Reisen, ihre Freunde, ihre Familie, Giada beim Essen, beim Trinken, beim Einkaufen − sie ist eindeutig der Mittelpunkt des Buches. Man findet auch jede Menge Food Fotos, aber leider nicht zu jedem Rezept. Jedenfalls vermitteln die Fotos das, was ich so unter italienischem Lebensgefühl subsummieren möchte.

Insgesamt ist das Buch schön gemacht: Der Einband ist Hardcover, es gibt ein kurzes Inhaltsverzeichnis, zusätzlich ein Register mit den Rezepten. Die Unterteilung erfolgt in die Kategorien "Vorspeisen", "Leicht und einfach für mittags", "Zwischendurch", "Schnell und lecker für abends", "La dolce vita", "Beilagen" und "Süßes". Direkt vor den einzelnen Kapiteln werden die Rezepte noch detailliert aufgelistet.

Insgesamt darf man keine klassische italienische Küche erwarten. Die Rezepte heißen zwar ganz klassisch, aber die Praxis zeigt dann eine ganz nonkonformistische Herangehensweise. Als Beispiel Mostarda: Es werden keine frischen, sondern getrocknete Früchte verwendet, die Autorin nimmt keine Senfessenz, sondern Senfkörner, die Zubereitung ist keine Prozedur über drei Tage, sondern in einigen Minuten erledigt.
Noch ein Beispiel: Bistecca Fiorentina ist lege artis ein T-Bone oder Porterhouse Steak und muss mindestens 1,2 kg wiegen. Gewürzt wird maximal mit ein wenig Olivenöl, Salz und Pfeffer. Außer dem Grill gibt es keine zulässige Zubereitungsart. Das richtige, ganz und gar echte Fleisch kommt von einer Rinderrasse namens Chianina, einer der ältesten Rinderrassen der Welt. Ist das Fleisch von einem anderen Rind, darf es in Florenz nicht Bistecca Fiorentina heißen. In Restaurants nennt sich das dann Bistecca Piemontese. Ganz anders schaut das im Buch aus: Es wird ein Ribeye Steak mit 5 cm Stärke verwendet, das ca. 1 Kilo wiegt (da weiß ich ehrlich gesagt nicht, wie sich das rein rechnerisch ausgehen soll, denn Ribeye ist das kleinformatige Stück vom Rostbraten). Auf dem Foto sieht man allerdings schon ein T-Bone Steak. Jedenfalls wird mit vielen Kräutern und Gewürzen gewürzt, das Fleisch wird in der Grillpfanne angebraten und kommt danach unter den Backrohrgrill.
Die Rezepte klingen durchwegs ansprechend und ich bin sicher, dass das Ribeye Steak, das auf diese Weise wie im Buch zubereitet wird, gut schmeckt, allerdings Bistecca Fiorentina geht anders.
Das zieht sich so durch das ganze Buch: Es gibt ein Rezept für Cacio e Pepe, bei dem mit vielen verschiedenen Zutaten gearbeitet und die Sauce nicht nur mit Pfeffer und Käse gemacht wird wie bei der ursprünglichen italienischen Variante, es gibt Carbonara mit karamellisiertem Zwiebel und Obers, in den einführenden Worten durch die italienische Speisekammer steht, man kann Speck durch Prosciutto ersetzen, es wird Gruyere über Pasta gerieben usw.

Mit den Zutaten hatte ich ein paar Probleme: In einem Rezept werden "0,5 l Bitterorangenlikör, z. B. Aperol" verwendet - ähm? Ja, es sind zwar Bitterorangen im Aperol, aber trotzdem ist das kein Bitterorangenlikör.
Bei Turbinadozucker wüsste ich selbst in Italien nicht, wo ich den finden kann, Giardiniera und Castelvetrano-Oliven sind weitere solche Beispiele.

Es wird mit Convenience-Produkten gearbeitet, damit es wirklich schnell geht. Bei der Zutatenliste hatte ich manchmal Schwierigkeiten, zum Beispiel der "Schwarzweiß-Brownie-Eiscreme-Kuchen" geht so, dass man Brownies aus einer "Brownie-Backmischung für dunkle Schokofondant-Brownies" (Gibt es so etwas tatsächlich?) und einigen zusätzlichen Zutaten bäckt, der fertige Kuchen wird in drei Teile geschnitten, in den ersten Zwischenraum wird fertig gekauftes Vanilleeis gestrichen, in den zweiten Zwischenraum kommt dunkles Eis, das leider in der Zutatenliste nicht vorkommt. Brownies sind übrigens nicht das einzige Amerikanische, das in dem Buch vorkommt.

Falls sich jemand noch ein anderes Bild von dem Buch machen will, kann man beim Verlag hier nachlesen, um sich selbst ein Bild zu machen: Die Rezensentinnen lalaundfluse, sparkling_kristin, sommerlese und Kathrins-home sind ganz begeistert.


Bruscetta mit Erdbeeren und Mozzarella

Bruscetta liebe ich und es gibt die klassische Variante bei mir immer wieder mal.

In diesem Rezept dürfen auch noch Erdbeeren und Mozzarella mitspielen, was alles noch einmal spannender macht. Es wird im Buch weißer Balsamico verwendet, so einen habe ich nicht, daher ist der Mozzarella auch ein wenig verfärbt bei mir, im Buch schaut das gleich noch viel besser aus.

Hat ausgezeichnet geschmeckt und wird wiederholt!
Jakobsmuscheln mit Rohschinken und Basilikum

Nachdem ich feinen Lardo, einen ganz fettem Speck, aus Italien mitgebracht habe und in der Einleitung steht, dass man Prosciutto durch Speck ersetzen kann, habe ich genau das gemacht: Die Muscheln werden mit Schinken bzw. Speck umwickelt, der Speck wird mit Zahnstochern fixiert, die Muscheln werden in der Grillpfanne gebraten.
Leider ziehen sich die Jakobsmuscheln zusammen und der Speck rutscht trotz Fixierung runter. Aber das tut dem Geschmack keinen Abbruch, denn das Aroma vom Lardo geht gut auf die Muscheln über, weil die ja miteinander in der Pfanne liegen.
Die Autorin schreibt auch, dass sie das Rezept von einer Freundin hat, die in ihrem Strandhaus auf Long Island diese Muscheln auf einem Spieß auf den Grill zubereitet. Das muss ich im Sommer unbedingt ausprobieren.
Schlussendlich werden die Muscheln noch mit grob zerstoßenem rosa Pfeffer gewürzt, was im Buch wirklich herzallerliebst aussieht.

Karottensalat

Eine feine und leichte Mahlzeit zwischendurch ist dieser Salat. Mit Limoncello parfumiert, wieder zum Leben erweckten getrockneten Cranberries, Ziegenfrischkäse, und frischer Petersilie ist es eine gelungene Kombination. Bei uns war es ein kleines Abendessen, dass uns beiden geschmeckt hat.


Rahmmais mit Pancetta

Kukuruz liebe ich in jeder Form, am allerliebsten beim Grillen. Nachdem wir gegrillt haben, aber noch keine Saison für Kukurz ist, habe ich dieses Rezept mit tiefgekühltem Mais nachgekocht.

Es ist wirklich denkbar einfach zu kochen! Und eine Kalorienbombe sondersgleichen, denn neben Speck wird auch noch eine Sauce aus Mascarpone gemacht. Es hat einfach göttlich geschmeckt! Und das Basilikum, das so schöne grüne Tupfer macht, lässt das Essen auch noch gesund aussehen und schmecken.
Gegrillte Artischocken mit Sardellenmayonnaise

Yeah, meine italienischen Artischocken haben eine sehr gute Verwendung gefunden!
Die Sardellenmayo schmeckt wirklich sehr gut. Ein Esslöffel Minze gibt ihr neben dem fischigen noch ein frisches Aroma. Die Kombination passt hevorragend zu den Artischocken. Und ich muss sagen, dass Sardellenpaste und Minze in diesem Fall wirklich gut harmonieren.

Man braucht auch hier keinen Grill, sondern die Artischocken werden nach dem Kochen ebenfalls in der Grillpfanne gebraten.

Nachdem uns das Rezept sehr gut gefallen hat, werde ich es im nächsten Posting vorstellen.






Für wen das Buch gemacht ist? Für Leute, die nicht ganz akkurat italienische Länderküche kochen möchten, sondern italienisch angehauchte Rezepte suchen, die schnell zuzubereiten sind. Für Leute, die auch gern zu Halbfertigprodukten wie fertigen Teigen und Backmischungen greifen. Für Leute, die schon kochen können und nicht zu sehr auf eine akkurate Zutatenliste angewiesen sind. Vor allem aber für Leute, die Giada gern mögen, denn sie ist sehr präsent in dem Buch. Die Rezepte sind alle rasch zubereitet und passen sehr gut in den Alltag, wenn nach einem langen Arbeitstag schnell etwas auf den Tisch bringen will. Man sieht den Rezepten wirklich an, dass die Frau kochen kann. Sie zeigt Dolce Vita-Küche. Das Buch ist hübsch anzuschauen und man denkt dabei sofort an Urlaub.

Fakten zum Buch
ISBN: 978-3-517-09749-7
Originaltitel: Giada's Italy: My Recipes for La Dolce Vita
Originalverlag: The Crown Publishing
Hardcover, Pappband
Umfang: 288 Seiten, 18,8x24,0
130 Farbfotos
Erschienen am 8. April 2019

Man kann das Buch beim Buchhändler ums Eck bestellen, direkt beim Südwest Verlag oder im Internet bei einem der vielen Versender.

Die Links sind alle keine Affilate-Links.

Vielen Dank an den Verlag, dass er mir ein Rezensionsexemplar überlassen hat.

Kommentare :

  1. amerikanisches italienisch unterscheidet sich von europäischem italienisch (g)- es scheint dass dies dennoch ein Buch ist das Spaß macht.

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    1. Danke für diese Vokabel, denn amerikanisch-italienisch und europäisch-italienisch ist das, wonach ich die ganze Zeit gesucht habe.

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  2. Ich habe mir gerade die Website der Dame angesehen ... also, das ist alles schon SEHR amerikanisch, v.a. dieses Lächeln .... aber das muss ja nix heißen.

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    1. Ja, stimmt. Es ist ein amerikanisches Italienkochbuch mit allen Vor- und Nachteilen.

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