Montag, 4. November 2019

[Rezension] Sizilien in meiner Küche von Cettina Vicenzino

Enthält Werbung (Rezensionsexemplar, Verlinkung, Namensnennungen) ohne Auftrag, ohne Bezahlung

Urlaub! Das ist immer das, woran ich bei Italien denke. Und einen der schönsten Urlaube habe ich auf Sizilien verbracht. Nicht zuletzt des Essens wegen. Daher war mir dieses Kochbuch mehr als willkommen!

Cettina Vicenzino ist gebürtige Sizilianerin, lebt aber seit 1972 in Deutschland. Ihre Eltern betrieben ein italienisches Restaurant in Köln, wo sie von klein auf mit in der Küche stand. Da ihre Familie nun wieder auf Sizilien lebt, ist sie jedes Jahr mehrere Wochen dort. Sie arbeitet als Fotografin, Kochbuchautorin, Rezeptentwicklerin und Foodstylistin und hat schon einige Italien-Bücher veröffentlicht. Für ihr Kochbuch "Italia" erhielt sie 2017 die Auszeichnung "Bestes italienisches Kochbuch der Welt".

Das Buch ist sehr viel mehr als ein Kochbuch. Es ist voll mit Geschichten über Sizilien, stellt sizilianische Menschen vor und hat jede Menge Informationen parat. Cettina Vicenzino hat nicht nur die Rezepte für das Buch beigesteuert, sie hat auch die Fotos gemacht.

Für mich waren die Rezepte zum Teil eine Überraschung: Mir war nicht klar, dass die Küche auf Sizilien teilweise anders funktioniert wie im Rest von Italien. So gibt es zum Beispiel die klassische Unterteilung in "Primi" und "Secondi" nicht so ausgeprägt, Antipasti haben gar keine Tradition. Das resultiert aus der früher recht armen Bevölkerung, wo alle mit einem Teller satt werden mussten, dem "Piatto Unico".

Generell besteht die sizilianischen Küche aus drei Richtungen: Es gibt die Cucina povera, die Küche der Armen, die aus wenigen Zutaten besteht. Die Cibo di strada ist die Küche der Straße, die auf Sizilien eine ausgeprägte Tradition hat − das bekannteste Beispiel sind Arancini, die es in sehr vielen Ausprägungen gibt. Die dritte Richtung ist die Cucina dei Monsù, die während der Herrschaft durch die Bourbonen entstand, in der die französische und die italienische Küche verbunden sind.

Die Rezepte sind klar und verständlich beschrieben. Es wird sehr viel Wert auf die Zutaten gelegt. Das heißt zum Beispiel aber nicht, dass man nun das Olivenöl von einem ganz bestimmten Bauern braucht, sondern es wird genau beschrieben, welche Eigenheiten es haben sollte, damit man ein entsprechendes verwenden kann. Es gibt sehr viel Informationen über einzelne Lebensmittel. Als Beispiel Melanzani, von denen 14 verschiedene Sorten vorgestellt werden.

Was noch ungewöhnlich ist bei dem Buch: Man kann es auch ein wenig wie einen Reiseführer verwenden, denn im Anhang gibt es ein Adressenverzeichnis, das Lokale in verschiedenen Provinzen und auch Produzenten auflistet.

Die Rezepte sind sehr unterschiedlich: Die Autorin zeigt traditionelle Rezepte, aber auch Rezepte von herausragenden Menschen. Auf diese Weise sind sehr viele Rezepte zusammengekommen, die ich zum Großteil nicht gekannt habe. Eines haben sie alle gemeinsam: Ich habe kein einziges gefunden, das ich nicht nachkochen hätte wollen (Okay, ich gebe zu, die Hühnerkrallen sind vielleicht doch die Ausnahme). Im Nachhinein ist mir aufgefallen, dass ich keine Fleischgerichte nachgekocht habe. Das soll aber nicht heißen, dass das ein vegetarisches Kochbuch ist. Es liegt nur das Hauptaugenmerk auf den Zutaten, die es auf Sizilien traditionell gibt. Das macht dieses Buch unglaublich sympathisch!


Insalate di arance con pecorino a olive

Was hab ich für Glück, dass es schon die ersten brauchbaren Zitrusfrüchte gibt, denn so konnte ich diesen Klassiker nachmachen. Die Zutaten findet man eigentlich schon im Namen des Gerichts, dazu noch eine Marinade auf Olivenöl-Basisi und fertig ist ein schön ausgewogenes Gericht. Bei uns war es eine Vorspeise, laut Kochbuch kann man den Salat auch als Beilage zu Fisch reichen. Hat uns sehr geschmeckt.
Sizilianische Pasta alle Leoluca

Der Leoluca, nach dem diese Pasta benannt ist, ist Leoluca Orlando, der bekannte Bürgermeister von Palermo, der diese Pasta in ähnlicher Weise im Fernsehen gekocht hat. Es ist eine schnelle Variante von Pasta con le sarde. Ungewöhnlich für mich: Es sind Rosinen drinnen. Richtig, da werden Sardellen mit Rosinen kombiniert. Und bitte, das passt richtig gut!
Insalata die zucchini

Dieser Salat wird nicht mit irgendwelchen Zucchini gemacht, sondern mit der hellen Sorte. Die Zucchini werden hauchdünn geschnitten (ich hab sie gehobelt, was sehr gut gelungen ist), ziehen dann ein wenig der Marinade, werden mit Minze bestreut und schmecken richtig gut!
Biancomangiare

Eines DER Produkte aus Sizilien sind Mandeln. Ihnen wird mit diesem Rezept Rechnung getragen: Mandelmilch wird mit Stärke und Zucker zu Pudding verarbeitet. Es wird auch noch eine Variante mit Ricotta vorgestellt. Zum Servieren werden gehackte Pistazien drübergestreut und ich habe noch eines meiner Stiefmütterchen auf Balkonien gerupft. Ein nettes Unter-Der-Woche-Dessert.
Pasta alla Norma

Das ist wohl eines der bekanntesten sizilianischen Pasta-Gerichte. Ich kenne und liebe diese Pasta schon lange und wir haben das Glück, in Wien jederzeit Ricotta salata bekommen zu können, denn dieser schnittfeste Ricotta ist ein Muss!
Für mich war neu, dass man ganze gebratene Melanzani-Scheiben mit der Pasta serviert, aber es ist eine sehr sympathische Variante, da damit der Gemüseanteil an dem Gericht erhöht wird.
Polpette di ricotta con sugo al profumo d'arancia

Das ist eines der Gerichte aus der Rubrik "Piatto Unico", das ich noch nicht kannte. Ebenso habe ich die Kombination Orange und Paradeiser bis jetzt viel zu sehr unterschätzt. Ich werde dieses Rezept daher in meinem nächsten Posting vorstellen.













Unterm Strich kann ich allen, die auch nur das geringste Interesse an sizilianischer Küche haben, zu diesem Kochbuch raten. Wenn man italienische Küche schätzt und häufig kocht wie ich, findet man dennoch jede Menge neue Rezepte. Außerdem ist das ganze Kochbuch sehr erfreulich, da es viel über Sizilien erzählt und zeigt. Die Rezepte sind mir alle super gelungen und leicht von der Hand gegangen. Das Buch ist sehr wertig gemacht. Wie man auf dem Foto oben sehen kann, sind das Kochbuch und ich noch lange nicht fertig miteinander!

Fakten zum Buch
ISBN: 978-3-8310-3727-8
Erschienen: August 2019
Umfang: 240 Seiten
Format: 197 x 253 mm, fester Einband (mit Farbschnitt, Lesebändchen und strukturiertem Einbandmaterial)
Mit 385 farbigen Fotos
Preis: 28,- € (D)⎮28,80 (A)

Bestellen kann man das Buch wie immer beim Buchhändler ums Eck, direkt beim Verlag oder im Internet bei einem der vielen Versender. Die Links sind alle keine Affilate-Links.

Danke an den Verlag Dorling Kindersley für das Rezensionsexemplar.

Kommentare :

  1. Ja! Das ist so ein tolles Buch! Einfach liebevoll, unprätentiös und kenntnisreich. Und ich habe jetzt bei Dir Sachen entdeckt, die ich auch noch ausprobieren muss.

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    1. Das find ich spannend, dass wir oft denselben Geschmack haben, was Kochbücher angeht, aber nie denselben bei den Gerichten, die wir aussuchen.

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  2. Wow, hier klingt ja jedes Gericht, das du vorgestellt hast, super köstlich. In Sizilien war ich noch nie, aber du hast mir jetzt richtig Appetit darauf gemacht.
    Liebe Grüße
    Sigrid

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    1. Selten bin ich mit einem Kochbuch so zu 100 % glücklich wie mit diesem hier. Und nach Sizilien solltest du unbedingt einmal! Sooo genial dort.

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  3. Verlockendes Buch! Danke für's Vorstellen. Ich denke du wirst noch einige Rezepte mit Rosinen bzw Korinthen finden... und nicht nur in Desserts ;) lg

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    1. Liebe Andrea,
      es freut mich, wenn dir die Buchvorstellung gefallen hat. Ich werde weiter aus dem Buch kochen und freu mich über jede Rosine!

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  4. Welche Freude :-) die l’insalata di zucchini ... ist schön zu sehen wie die Rezepte nachgekocht werden :o)
    Die insalata di zucchine bianche wie sie in Italien genannt werden ist eine typische insalata das auf den Äeolischen Inseln vorallem in Filicudi im Sommer serviert wird...

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    1. Lieber Salvatore,
      bei uns gibt es diese Zucchini in türkischen Geschäften. Sie scheinen im Süden also beliebter zu sein als hierzulande. Was für eine Schade, dass man die bei uns kaum kennt.

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